2.Howoge-Bulwiengesa-Neubaureport: Seniorenwohnungen in Berlin Mangelware

Zu keinem Zeitpunkt erreichen so viele Menschen ein so hohes Alter wie gegenwärtig. Heute leben in Berlin rund 3,5 Mio. Einwohner. Laut Prognose wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2030 um mehr als 250.000 Personen zunehmen. Dann wird jeder vierte Bürger über 65 Jahre alt sein. Die Crux dabei: Nach Schätzungen des Analysehauses Bulwiengesa fehlen in Berlin bereits heute mehrere zehntausend Wohnungen für ältere Menschen. Immerhin: In der Hauptstadt sollen bis zum Jahr 2019 rund 3000 Wohnungen für Senioren neu errichtet werden, wie der 2. Neubaureport der Wohnungsbaugesellschaft Howoge und des Analysehauses Bulwiengesa angibt.

Dabei konzentrieren sich die Neubauaktivitäten im Bereich des seniorengerechten Wohnens überwiegend auf die Bezirke außerhalb des S-Bahnrings, vorwiegend im Osten Berlins in den Bezirken Treptow-Köpenick und Lichtenberg. Das ist eines der Ergebnisse des Reports zur Wohnsituation der Seniorengesellschaft in Berlin. Der Anteil der landeseigenen Wohnungsunternehmen liegt in diesem Segment bereits bei rund 20%. Wohnungsgenossenschaften und Baugruppen spielen derzeit nur eine sehr geringe Rolle. Bei den untersuchten seniorengerechten Neubauvorhaben bis zum Jahr 2019 ist der Anteil an Pflegeeinrichtungen am höchsten, gefolgt von Seniorenresidenzen und altersgerechten Wohnungen.

„Im Hinblick auf die Nachfragestrukturen der Generation 65+ sollte der Fokus bei Neubauvorhaben künftig vermehrt auf multifunktionale altersgerechte Wohnungen zur selbstständigen Lebensführung gerichtet werden“, sagt Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH. „Zudem werden kleinere Wohnungen, die gut ausgestattet sind und flexibel an die Bedürfnisse der älteren Menschen angepasst oder problemlos altersgerecht nachgerüstet werden können, künftig mehr nachgefragt als große Wohnungen, bei denen überzogene altersgerechte Baumaßnahmen nötig werden. Denn jeder Quadratmeter zusätzlicher Wohnraum kostet mehr Miete“, so Frensch weiter. Und das ist wohl mehr Wunsch als Realität: „Senioren sollten sich auf das Wohnen im Alter aktiv vorbereiten“, meint Frensch.

Die Bevölkerungsentwicklung wird dabei in den Bezirken unterschiedlich verlaufen. Der höchste Zuwachs in der Altersgruppe ab 65 Jahre wird laut aktueller Bevölkerungsprognose in Marzahn-Hellersdorf mit 76,8 Prozent zu verzeichnen sein, der niedrigste Zuwachs mit 15,1 Prozent in Treptow-Köpenick. „Die Ergebnisse des zweiten Neubaureports zeigen deutlich, dass sich die Wohnsituation und auch die Wohnansprüche der immer älter werdenden Bevölkerung in Berlin geändert haben “, sagt Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär für Bauen und Wohnen in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Wir dürfen  nicht vergessen, dass Menschen auch von Altersarmut bedroht sind. Umso wichtiger werden künftig wohnungsmarktpolitische Instrumente sein, aber auch Neubau bezahlbarer Wohnungen, Wohnungsbauförderung und zusätzliche Wohnungsangebote vor allem der städtischen Wohnungsbaugesellschaften sind unabdingbar. Denn Wohnen muss auch im Alter bezahlbar bleiben“, so Lütke Daldrup.

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind hier besonders gefordert. „Wir haben zwar keinen gesetzlichen Auftrag für ein seniorengerechtes Wohnen im Alter. Aber der moralische Auftrag ist selbstverständlich da. Und natürlich ist der Anspruch berechtigt, dass eine städtische Wohnungsbaugesellschaft beispielsweise Wohnformen für Senioren entwickelt. Künftig gilt es, nachhaltige Konzepte und Instrumente zu entwickeln, die es ermöglichen, Wohnraum für alle Generationen und Bevölkerungsschichten zu errichten. Zum anderen müssen die Bestandsbauten, aber auch die Serviceangebote an die Erfordernisse einer alternden Gesellschaft angepasst werden. Und das wird in den nächsten Jahrzehnten für alle Marktbeteiligten eine große Herausforderung sein“, so Frensch und verweist auf das Pilotprojekt „Am Tierpark“ in Berlin-Karlshorst, wo ein ganzes Stadtquartier altersfreundlich von der Howoge umgestaltet wurde. 11.000 Mieter profitieren von der Maßnahme.

Die städtische Gewobag hat im Westen Berlins ebenfalls ein Seniorenwohnen-Neubauprojekt gestartet. Das Konzept „Wohn!Aktiv-Haus!“ richtet sich an Junggebliebene und verbindet selbstbestimmtes Wohnen mit einer aktiven Nachbarschaft. Im Februar 2016 sind die 150 Wohnungen bezugsfertig, die Nachfrage ist groß.