Berliner Mietspiegel 2015 vorgestellt – Die Miete bleibt günstig, nur moderater Anstieg

19.Mai 2015   

mietspiegel2015_pk01_620Unter großer nicht nur medialer Beachtung wurde gestern der Berliner Mietspiegel 2015 vom Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel, vorgestellt. Bereits vor seinem Erscheinen wurde er infrage gestellt – zum einen vom Amtsgericht Charlottenburg (Der Immobilienbrief berichtete) in einem Urteil am 11. Mai 2015, das gleich mit der Presserklärung die Urteilsbegründung mitlieferte (was ziemlich ungewöhnlich für ein Gericht ist), und quasi einen Tag vor Veröffentlichung auch von einem einschlägigen Verband.

Erfreulich für Berliner Mieter: Die Bestandsmieten sind gegenüber dem letzten Berliner Mietspiegel 2013 jährlich um 2,7 Prozent gestiegen. Das sind 15 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat. Die gewichtete Durchschnittsmiete netto kalt liegt 2015 bei 5,84 Euro/qm monatlich im Vergleich zum Mietspiegel 2013 mit 5,54 Euro/qm. Da sind München und Hamburg wesentlich teurer mit 10,73 Euro oder 7,56 Euro. Allerdings sei das durchschnittliche Einkommen in der Stadt erheblich geringer als in anderen Großstädten, sagte Geisel. „Wir spüren die Attraktivität der wachsenden Stadt Berlin an steigenden Mieten und einem angespannten Wohnungsmarkt. Dennoch fielen die Mieterhöhungen im Bestand gegenüber dem Mietspiegel 2013 geringer aus als befürchtet. Darüber freue ich mich. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass wir mit unseren mietenpolitischen Instrumenten auf dem richtigen Weg sind“, meint der Senator und meint damit u. a. auch das wohnungspolitische Bündnis von Senat mit den sechs kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und dem BBU von 2013, die Mieten für deren Bestand sozusagen „einzufrieren“.

Am stärksten stiegen demnach die Mieten bei Altbauten aus den Baujahren 1919 bis 1949: um 2,8 Prozent. Auch für Wohnungen mit einer Fläche zwischen 60 und 90 Quadratmetern muss überdurchschnittlich mehr Miete bezahlt werden als vor zwei Jahren – drei Prozent. Wichtiger aber noch: In vielen Stadtgebieten stiegen die Mietspiegelwerte sprunghaft, weil diese „aufgewertet“ wurden, also beispielsweise eine „einfache“ Lage“ in eine „mittlere“ hochgestuft wurde. 5240 Adressen von insgesamt 17.000.

Zwei Verbände, Haus und Grund sowie der Bundesverband freier Wohnungsunternehmen, erkennen den neuen Mietspiegel nicht als qualifiziert an. Geisel sagte, er „verstehe“ deren Verhalten nicht. Noch vor zwei Jahren hätten beide Verbände den Mietspiegel 2013 noch anerkannt und daran mitgewirkt. Vermutlich stehe das Verhalten im Zusammenhang mit der Einführung der Mietpreisbremse und der Sorge der Vermieter, dass deren „Gewinnaussichten geschmälert“ werden könnten. Der Berliner Mieterverein erwartet nach Inkrafttreten des neuen Mietspiegels weitere Mieterhöhungen, denn die Mietspiegeloberwerte sind seit dem letzten Mietspiegel um 7,7 Prozent gestiegen.

Der Berliner Mietspiegel ist relevant für über 1,3 Mio. nicht preisgebundene Wohnungen und enthält verlässliche Aussagen zu üblicherweise gezahlten Mieten. Er beruht auf einer repräsentativen Erhebung von Miet- und Ausstattungsdaten zum Stichtag 1. September 2014 und wird alle zwei Jahre gemeinsam mit Mieter- und Vermieterverbänden unter Vorsitz der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erstellt und tritt am 1. Juni 2015 in Kraft.

Ausführlich über die Reaktionen der Wohnungsverbände und öffentlicher Institutionen in Berlin auf den Mietspiegel 2015 lesen Sie bitte in Der Immobilienbrief Nr. 348 vom 22. Mai 2015 – KK.

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