Berlins Mitte bekommt ein neues Stadtquartier zum Vorzeigen

20.November 2013   

FMI_LUFTBILDMuseumsinsel (3)In bester City-Lage von Berlin direkt an der Spree gegenüber dem Bodemuseum entsteht ein neues Stadtquartier. Bereits im Jahr 2011war der Startschuss von Pizza-Bäcker, Eigentümer und Investor Ernst Freiberger aus Bayern in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit gegeben worden, doch nun, im Jahr 2013, sei man bei der Realisierung des Projekts Forum Museumsinsel „auf die Zielgerade eingebogen“, sagt Klaus Kirchberger, Geschäftsführer der Freiberger Projektentwicklung GmbH.

Auf über drei ha werden acht historische unter Denkmalschutz stehende Gebäude revitalisiert und modernisiert sowie eines „im Geist des 21. Jahrhunderts“ neu errichtet. Das Forum Museumsinsel erstreckt sich zwischen Oranienburger Straße und Spree sowie Monbijou- und Tucholskystraße. Mit einem Gesamtinvestitionsaufwand von ca. 300 Mio. Euro, dem derzeit größten privaten Liegenschaftsengagement in Berlin, sollen bis zum Jahr 2016 hier auf ca. 110.000 qm BGF nach Plänen des internationalen Star-Architekten David Chipperfield (Neues Museum auf der Museumsinsel)) hochwertiges Wohnen, Büros, Handel, Hotel, Gastronomie sowie die „School of Transformation“ der Telekom ihren Platz finden. Bei der Neugestaltung des Simon Palais und der Residenz Monbijou sowie des größten Gebäudes am Forum, dem Haupttelegrafenamt, hat sich Freiberger für das renommierte Berliner Architektenbüro Patzschke & Partner entschieden. Im Erdgeschoss der Residenz Monbijou soll ein Literaturcafé entstehen sowie in den oberen Etagen rund 20 repräsentative Wohnungen. Die Wohnungen mit exorbitantem Blick auf die Spree und die Museumsinsel sollen nicht verkauft, sondern vermietet werden.

Die Historie der Gebäude reicht über drei Jahrhunderte. Es sind das älteste Logenhaus Berlins (1789–1791), die von Martin Gropius entworfene Charité-Frauenklinik (1879–1883) im Stil der Neorenaissance, das neobarocke Haupttelegrafenamt (1910–1916) sowie die ebenfalls einst zur Charité gehörenden Häuser Monbijou (1902–1906) und Ida Simon (1908–1910). Die Architektur des 20. Jahrhunderts ergänzen das Fernsprechamt (1925–1927), das im Stil des monumentalen Art-déco-Expressionismus gebaut wurde, sowie die im strengen Bauhaus-Stil errichtete neue Charité-Frauenklinik (1929–1932).

Eine letzte, jedoch zentrale Frage bedarf noch der Klärung: In der Mitte des neuen Quartiers, auf dem „Forum Museumsinsel“ mit rund 9000 qm will Freiberger sich selbst ein architektonisches Denkmal setzen. Der Platz soll auch eine Markthalle (Betreiber Käfer) erhalten, auf deren Dach Freiberger Ausstellungsräume zum Thema „Mobile Zeiten“ einrichten möchte. Der Bauvorbescheid erlaubt aber nur eine Halle mit 1800 qm Grundfläche und einem darüberliegenden Stockwerk. „Als Ausstellungsfläche ist das zu klein“, so Kirchberger. Noch hat die Freiberger-Gruppe die Hoffnung nicht aufgegeben. Kirchberger: „Die Verhandlungen laufen noch.“

Und was macht „Jagdfeld-City“? HSH Nordbank will Kunstruine Tacheles veräußern

Wer die Oranienburger Straße weiter am Logenhaus vorbei auf der linken Seite in Richtung Friedrichstraße/Chausseestraße läuft, stößt unweigerlich auf das „Kunsthaus Tacheles“. Die ruinierte Immobilie befindet sich seit ca dem Jahr 2000 im Besitz der Jagdfeld-Gruppe. Dort wollte Jagdfeld eine Supernova in die Stadt setzen; einige sprachen damals gar schon von einer „Jagdfeld-City“ entlang an der nördlichen Friedrichstraße auf dem 5,5 ha großen Areal „Johannisviertel“ mit dem Kunsthaus Tacheles, einem ehemaligen Passagenkaufhaus, Baujahr 1909, und dem Johannishof, Baujahr 1910, ehemals Juno-Zigarettenfabrik, zuletzt Gästehaus der DDR-Regierung. Damals 400 Mio. Euro wollte die Gruppe  in dieses Projekt mit Luxushotel, Geschäfts- und Wohnhäuser investieren.

Jagdfeld orientierte sich an berühmten internationalen städtebaulichen Vorbildern wie WestBroadway oder SoHo in New York, Covent Garden in London oder St. Germain in Paris und wollte Gebäude wie den Wolkenkratzer Flatiron oder das Beresford-Apartmenthouse, zwei architektonische Highlights im New York zu Beginn des 20. Jahrhunderts, en miniature (d. h. zehn Geschosse) nachbauen lassen. Der Johannishof wurde damals saniert und an einen institutionellen Investor verkauft.

Jagdfeld-City wartet immer noch darauf, wach geküsst zu werden. Für Unternehmer Jagdfeld ist das nicht die erste Schlappe im Immobiliengeschäft. Nach zwei, drei Immobilienkrisen und einer heftigen, noch nicht völlig überwundenen Finanzkrise wollen die Banken Ordnung nun in den Büchern haben und so will Hauptgläubiger HSH Nordbank, von anderen Gläubigern mit Nachrang gedrängt, in einem neuen, aber nun endgültigen Anlauf die Kunstruine samt Umfeld veräußern. Der Verkehrswert soll 35 Mio. Euro betragen, doch inzwischen sollen Kaufpreise von 200 Mio. und mehr aufgerufen worden sein.

Zurzeit geben sich ernsthafte Interessenten des Projekts gegenseitig bei immer noch Eigentümerin Johannishof Projektentwicklung Gmb&Co. KG die Klinke in die Hand, begutachten das immer noch existierende Stadtmodell des Johannishof-Areals. Jetzt wäre auch ein idealer Zeitpunkt, das Objekt anzubieten, sagt Sprecher Christian Plöger, da das Interesse an Berliner Immobilien enorm hoch sei.

Sollte sich endlich ein wirklich interessierter und solventer Investor finden, wäre das für die Stadt Berlin eine wirkliche Supernova. Dann wäre von der östlichen City über das Forum Museumsinsel hin zum Johannishof-Areal eine städtebauliche tiefe Wunde, verursacht durch Krieg und Teilung, bald geschlossen. Auch eine Verbindung in den nördlichen Teil Berlins hin zum aufstrebenden Stadtquartier rund um das BND-Headquarter wäre hergestellt, eine Win-win-Situation für alle.

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