Der Gesamtmarkt – Entwicklungen und Tendenzen

5.Februar 2010   

Platziertes Eigenkapital so schlecht wie nie

Der Markt der geschlossenen Beteiligungsmodelle hat im letzten Jahr einen herben Rückschlag erlitten. Das spiegelt auch
das Platzierungsergebnis wieder. Der VGF registrierte mit 5,23 Mrd. Euro einen historisch niedrigen Wert. 3,55 Mrd. Euro
kamen dabei von VGF Mitgliedern. Im letzten Jahr lag das platzierte Eigenkapital noch bei 8,32 Mrd. Euro. 2007 lag das platzierte Eigenkapital lt. Scope noch bei 10,38 Mrd. Euro. Feri registrierte sogar 12,66 Mrd. Euro. Die bisher schlechtesten Jahre waren mit 7,73 Mrd. Euro bzw. 7,17 Mrd. Euro (Scope) die Jahre 2001 und 2002. Wir haben Ihnen mal die historischen Daten seit 1993 zusammengetragen. Auch wenn die Erhebungsmethoden von Feri, Scope und VGF methodisch
abweichen, so wird doch deutlich, wie schlecht das letzte Jahr für die Fondsbranche gelaufen ist.

Das historisch schlechte Ergebnis hat mehrere Gründe. Obwohl die Fondswirtschaft keinerlei Beitrag zur Krisenentstehung geleistet hatte, wurde sie zu einem der größten Verlierer. Die Angst vor Krisenfolgen führte zu fehlender Risiko- bzw. Investitionsbereitschaft der Anleger. Sowohl privat als auch bei Institutionellen wurde Liquidität gehortet. US-Immobilien und Schiffe waren sowieso out. Viele Initiatoren hatten noch Fonds mit Boomeinkaufspreisen im Angebot. Die waren bei überzogenen Einbruchserwartungen unplatzierbar. Komplexe Konzepte waren auch nicht mehr an den Markt zu bringen. Auf einmal liefen wieder simple Immobilienfonds, die aber kaum jemand hatte. Außerdem blieben in Deutschland fondsgeeignete Immobilien Mangelware. Bei guten Immobilien blieben die Preise hoch. Zwischen hochpreisigem Angebot und schnäppchenorientierter Nachfrage gab es keinen Schnittpunkt. Gleichzeitig verfielen die Banken seit September 2008 in Schockstarre.

Auch 2010 hält der Muskelkater noch vor. Zwar laufen Finanzierungen mit anständigem Eigenkapital wieder, aber auf dem Ohr der Eigenkapitalzwischenfinanzierung bei Fonds sind die Banken anhaltend taub. Einzelobjektfinanzierungen schwacher Initiatoren stehen auch nicht auf der Target-Liste der Banken. Auch bei gut laufender Platzierung sind nur noch serielle Finanzierungen möglich. Überlappungen für eine anständige Pipeline kontinuierlicher Platzierung gehen nicht mehr. Das bremst weiter. Diese Schleppanker des Finanzsystems müssen zum großen Teil noch durch 2010 geschleppt werden. Das Geschäftsmodell der Fondswirtschaft, Eigenkapital erst einmal zu finanzieren und dann erst einzusammeln, steht zumindest vorübergehend vor einer Transformation.

30% Eigenkapital aufs Objekt und Vorfinanzierung von meist 15% oder mehr Fondskosten für Konstruktion und Vertrieb sind lästig. Auch Projektfinanzierungen sind im Augenblick schwierig. Erschwerend kommen Imagefolgen schwieriger Fonds hinzu. Über Schiffe sprachen wir schon. Aber auch über Immobilienfonds, die in diesem Jahr vor der Prolongierung stehen,
sehen LTV und Finanzierungsregeln als Totenkopf am
Horizont. Das belegt auch eine Umfrage von Scope, bei der
88% der Befragten das Problem der Zwischenfinanzierung als größte Schwierigkeit ansahen.

122 Anbieter haben an der Umfrage des VGF teilgenommen. Diese vertraten 440 Fonds. 2008 haben 93 Anbieter mit 510 Fonds teilgenommen. Das bedeutet statistisch, dass jeder Fondsanbieter heute 3,6 Fonds im Angebot hat während 2008 auf jeden Anbieter noch 5,4 Fonds kamen.

Seit Lehman ist die Branche im Dornröschenschlaf

Betrachtet man die Entwicklung der Platzierung des Eigenkapitals pro Monat wird deutlich, dass seit Lehmann der Markt eingebrochen ist. Seit dem Sommer 09 aber zieht der Markt  wieder langsam an. Der Januar war nach ersten Auskünften auch gut. Sechs Monate mit steigender Tendenz könnten durchaus eine Trendwende erkennen lassen.

Energie und deutsche Immobilien die Gewinner

Der Anleger sucht in der Krise Sicherheit und
stabilen Cash flow. Der soll vor allem von deutschen Immobilien und der Sonne kommen. Solarfonds wachsen in sonnigen Regionen auf Feldern, Konversionsflächen und auch Dächern wie
Unkraut. Sie sind dank statistisch eher gleichmäßiger Aktionen von Sonne und Erde zuverlässiger als Windkrafträder. Außerdem wachsen sie
nicht so hoch wie Windräder, machen keinen
Lärm und lassen sich so optisch recht gut abschirmen. Insgesamt haben Energiefonds 2009 ihr Platzierungsergebnis
um 151% steigern können.

Auch Immobilienfonds mit deutschen Immobilien zählen zu den Gewinnern der Krise. Perspektivlosigkeit wird auf einmal als Sicherheit geschätzt. Anleger wollen wieder Immobilien „zum anfassen“, die stabilen Cash flow erwirtschaften und deren Identifikationspotenzial größer ist.

Ebenfalls zugelegt haben Portfoliofonds (+59,79%) und Infrastrukturfonds (+66,7%), die erstmals als neue Klassen separat erfasst werden.

Verlierer sind vor allem Schiffsbeteiligungen. 2009 konnten nur noch 824,11 Mio. Euro eingesammelt werden. Das sind 67% weniger als im Vorjahr. Viele große Schiffsfondsinitiatoren machen der Branche Sorgen. So sammelte MPC nur 10 Mio. Euro für seine Schiffsbeteiligungen bei Anlegern ein. 2008 waren es noch 199 Mio. Euro. HCI verkaufte 86 Mio. Euro an Anleger. Hier waren es 2008 sogar 336 Mio. Euro. 

Ähnlich sieht es beim Fondsvolumen aus. Das entwickelte sich entsprechend dem Trend. Bei Energiefonds, deutschen Immobilienfonds, Portfoliofonds und Infrastrukturfonds stieg das Fondsvolumen. Am stärksten bei Energiefonds. Hier legte das Gesamtinvestitionsvolumen um 166% zu und liegt nun bei 1,4 Mrd. Euro. Damit liegen Energiefonds sogar nur noch knapp 130 Mio. Euro hinter den Schiffsbeteiligungen.

Alle anderen Assetklassen haben bis zu 79% beim Fondsvolumen eingebüßt. Größter Verlierer sind hierbei Lebensversicherungsfonds, Leasingfonds, und Schiffsbeteiligungen, die alle über 70% beim Fondsvolumen verloren haben.

Fondsvolumen im Bestand größer als BIP von Portugal

Deutsche Fondsanbieter verwalten derzeit 163,64 Mrd. Euro an Fondsvolumen. Der Eigenkapitalanteil liegt dabei bei 79,82 Mrd. Euro. Das größte Volumen verwalten dabei Immobilienfonds mit 65,59 Mrd. Euro FV und 31,22 Mrd. EK. Gefolgt von Schiffbeteiligungen mit 50,91 Mrd. Euro FV und 20,88 Mrd. Euro EK und Leasingfonds mit 17,56 Mrd. Euro bzw. 8,13 Mrd. Euro EK. Damit gehören die Anbieter der erfassten geschlossenen Fonds mit einem Volumen von 163,6 Mrd. Euro zu den größten Assetmanagern Deutschlands. Das verwaltete Fondsvolumen übersteigt sogar das BIP von Portugal welches 2009 bei 162,3 Mrd. Euro lag.

„Der Immobilienbrief“-Anmerkung: Stolz berichtet der VGF über die Ausschüttungen der Branche von knapp 1,6 Mrd. Euro (Auszahlungen gesamt 2,091 Mrd. Euro, davon aus Exits 517 Mrd. Euro). Das hört sich ja richtig viel an. Bedenkt man aber, dass bei Blech- und Energiefonds in den Ausschüttungen definitionsgemäß auch der Werteverzehr enthalten ist, macht das schon nicht mehr soviel her. Über die Einbeziehung des Wertverlustes im Immobilienbestand wollen wir hier nicht einmal nachdenken. Aber selbst, wenn wir das alles vernachlässigen, sind 1,6 Mrd. Euro gerade einmal 2% von knapp 80 Mrd. Euro. Eine Erfolgsstory?

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