Der Immobilienbrief Berlin im Gespräch mit Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung Bayerische Hausbau GmbH & Co. KG

2.April 2014   

Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau, Ressort ProjektentwicklungDer Immobilienbrief Berlin im Gespräch mit Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung Bayerische Hausbau GmbH & Co. KG, Ressort Projektentwicklung über…

Zufälle in der Immobilienbranche, ein unheimliches Berlin und einen begrenzten Leidensdruck

2014 jährt sich das Bestehen der Bayerischen Hausbau zum 60. Mal. Im Frühjahr 1954 gründet Josef Schörghuber in München das Bauträgerunternehmen Bavaria Hausbau GmbH, das noch im selben Jahr in Bayerische Hausbau GmbH umgetauft wird. Innerhalb weniger Jahre legt Schörghuber den Grundstock für eines der führenden Bau- und Immobilienunternehmen Deutschlands. Schon bald kommen weitere Geschäftsfelder hinzu, darunter Hotels und Brauereien. Doch die Bau- und Immobilienaktivitäten bleiben ein zentrales Betätigungsfeld der Unternehmensgruppe.

Einer der ersten Meilensteine war die Entwicklung und Umsetzung des Münchner Arabellaparks. Konzipiert als „Stadt in der Stadt“, verbindet er nach amerikanischen Vorbild Wohnungen, Büros, Läden, Hotels, Gastronomien und Kliniken mit weitläufigen Parkanlagen und Spielplätzen. Innerhalb weniger Jahre entstand im Nordosten Münchens ein Stadtteilzentrum, in dem heute rund 3.400 Menschen leben. Ähnliche Konzepte konnten später beim Waldschlösschen-Areal in Dresden und dem MOM-Park in Budapest umgesetzt werden.

Bis heute ist der wertsteigernde Erhalt und Ausbau des eigenen Immobilienportfolios ein Kernpunkt der unternehmerischen Strategie der Bayerischen Hausbau. Als Nachfolger von Josef Schörghuber übernimmt sein Sohn Stefan 1995 die zum Konzern gewachsene Unternehmensgruppe. Bis zu seinem Tod im Jahr 2008 setzt er zahlreiche architektonische Unikate an attraktiven Standorten um. Beispiele sind der Alte Hof und der Klostergarten St. Anna in München oder das Paulaner Palais in Leipzig. 2005 werden die Unternehmensbereiche Bauen und Immobilien in der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe gebündelt. Seit 2010 tritt das Unternehmen unter dem einheitlichen Markendach Bayerische Hausbau GmbH  & Co. KG auf.

Heute ist die Bayerische Hausbau eines der großen integrierten Immobilienunternehmen in Deutschland. Mit einem Immobilienportfolio im Wert von rund 2,5 Mrd. Euro nimmt sie nicht zuletzt in ihrem Stammmarkt München eine Spitzenposition ein. Mit Projektentwicklungen ist das Unternehmen in Berlin, Hamburg, München und Stuttgart aktiv. Zu diesen Projekten gehören Stadtteilentwicklungen wie aktuell die WelfenHöfe in München oder Gewerbeimmobilien wie BIKINI BERLIN am Zoologischen Garten in der Bundeshauptstadt.

Im Jahr 2002 hatte die Bayerische Hausbau das legendäre denkmalgeschützte Ensemble Zentrum am Zoo (Architektur Paul Schwebes und Hans Schoszberger) aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, bestehend aus dem Großen Hochhaus, Kino Zoo Palast, Kleinem Hochhaus, Langbau Bikinihaus und einem Parkhaus, für 300 Mio. Euro erworben. Mit der Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrages am 5. Oktober 2009 im Rahmen der Immobilienmesse EXPO REAL in München ging das Projekt in die konkrete Realisierungsphase. Nach weiteren Detailplanungen startete die Revitalisierung Ende 2010.

Heute ist diese Revitalisierung von Zoo Palast, Bikinihaus, Kleinem Hochhaus sowie Parkhaus abgeschlossen. Das Ensemble bietet insgesamt ca. 25.000 qm für Einzelhandel, Gastronomie und Kino und ca. 8.000 qm für das Hotel 25 hours https://www.rohmert-medien.de/immobilienbrief/berlin-hat-ein-zweites-zoofenster-25hours-ist-angekommen-im-metropolendschungel,130794.html  sowie ca. 19.000 qm für Büroflächen und 3.000 qm für Lagerflächen.

Am 3. April 2014 wird als letztes revitalisierte Gebäude der Langbau Bikinihaus, das Herzstück des Gebäudeensembles, als eine Shopping Gallery völlig neuer Art eröffnet. Es ist ohne Zweifel ein tatsächlich historisches Verdienst der Bayerischen Hausbau, das legendäre Kino Zoo Palast nicht abgerissen oder es in einen schnöden Einkaufstempel verwandelt zu haben – die Versuchung war für manchen Architekten sehr groß. Mit der Rekonstruktion dieses architekturhistorisch wertvollen Areals am Breitscheidplatz in der City West hat die Stadt Berlin ein Stück Identität zurück erhalten.

Frage: Wie ist Ihre Beziehung zu Berlin?

Berlin habe ich schon als junger Mann gerne besucht, mein erster Besuch aus München war noch mit der Fluggesellschaft Pan Am, ist also bereits einige Zeit her. Aber erst durch unser Bauvorhaben BIKINI BERLIN ist mein Wissen über die Stadt auch mein Interesse an Berlin deutlich gewachsen. Zudem ist meine Frau gebürtige Berlinerin, ihre gesamte Familie lebt hier.

Frage: Worin sehen Sie den größten Beitrag Ihres Unternehmens für eine positive Akzeptanz des Standorts Berlin?

Wir haben zu einem Zeitpunkt in der City West ein Großprojekt gestartet, in der für viele andere Investoren die Entwicklung von Immobilien in diesem Bezirk noch im Dornröschenschlaf lag. Und ich finde, wir haben mit Bikini Berlin ein Stück Geschichte Berlins fortgeschrieben, der Stadt ein tolles Stück Architektur zurück geben – für Berliner wie für Gäste der Hauptstadt gleichermaßen.

Frage: Das Finanzierungsklima im allgemeinen ist rauer geworden. Wie gehen Sie bzw. Ihr Unternehmen mit dem Leidensdruck um? Oder ist gar keiner?

Die Bayerische Hausbau ist in erster Linie ein Immobilienbestandshalter und dann auch ein Projektentwickler. Dass unsere Eigenfinanzierungsquote bei über 40% liegt und in Finanzierungsfragen sehr nützlich ist, versteht sich von selbst. Also würde ich sagen, dass sich unser Leidensdruck eher in Grenzen hält.

Frage: Wie haben Sie in die Immobilienbranche gefunden?

Durch Zufall: ich habe über einen persönlichen Kontakt zur Schörghuber Unternehmensgruppe zur Immobilienbranche gefunden. Nach meinem Bauingenieurstudium und meiner anschließenden Promotion wurde ich angesprochen, ob ich gerne für die Bayerische Hausbau tätig sein möchte. Von Anfang an habe ich mich in dem Unternehmen und in der Branche sehr wohl gefühlt.

Frage: Wie schätzen Sie die Perspektiven des Berliner Immobilienmarktes im Allgemeinen und speziell in Ihrem Tätigkeitsbereich ein?

Für mich ist Berlin zurzeit DIE Metropole Deutschlands, wenn nicht gar in Europa. Hier passiert unheimlich viel. Mit Blick auf die voranschreitende Entwicklung der Stadt, die Wirtschaftskraft steigt stetig und die Stadt erlebt eine konstante Zuzug von Einwohnern, wird Berlin über die kommenden Jahre hinweg insbesondere einen weiteren Bedarf an Wohnungsimmobilien verschiedener Assetklassen haben.

Frage: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Die Bayerische Hausbau wird eines der wertvollsten und gut sortiertesten Immobilienportfolien in München und anderen Großstädten Deutschlands innehaben und weitere spannende, maßstabsetzende Projekte entwickeln. Gerne wäre ich dann dafür weiterhin verantwortlich.

Frage: Wo birgt aus Ihrer Sicht die Metropole Berlin noch Potenzial in der Stadtentwicklung und warum?

Berlin hat meines Erachtens – im Gegensatz zum Beispiel zu München – noch sehr viel Flächenpotenzial und damit ausreichend Platz für gut durchdachte, neue urbane Stadtquartiere.

Frage: Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Mein neuer Lieblingsort ist zurzeit die Dachterrasse des neuen Neni-Restaurants und der Monkey-Bar im neu eröffneten 25hours Hotel Bikini Berlin. Von hier hat man einen einmaligen Blick auf den Tiergarten sowie die Stadtsilhouette. Man kann bis zum Potsdamer Platz und zur Siegessäule schauen – und sich dabei total entspannen.

Frage: Ihre Lieblingsimmobilie?

Neben Bikini Berlin ist das für mich ganz klar das Joseph Pschorr-Haus im Herzen der Münchener Innenstadt.

Frage: Und mit wem aus der Immobilien- oder Finanzbranche würden Sie einmal gerne zum Mittag/Abendessen gehen und warum?

Mit unserem Firmengründer Joseph Schörghuber, einem Genie seiner Zeit, den ich leider nicht persönlich kennen lernen durfte.

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