Vor genau 220 Jahren (3.10.) wurde „SOS“ zum internationalen Notrufsignal erklärt. Seit der Zinswende senden die Amateursegler der Niedrigzinsphase Dauer-SOS an den Nanny-Staat.
Im Erweiterten Editorial befasst sich Werner Rohmert mit der aktuellen Einstiegsstimmungslage zur EXPO REAL und macht eine kleine Tour durch Themen, die die Immobilienwirtschaft mehr oder minder schnell beeinflussen werden. Der Konjunkturmotor stottert sich nach vorne. Große Herausforderungen der Immobilienwirtschaft (Pricing, Bedarf, ESG-Kosten) sind aber im Branchenkonsens nach wie vor ungelöst. Die Herausforderung der Nullzinsgeneration liegt im Umdenken nach dem Tod des Geschäftsmodells. Aber vor Technologiehintergrund muss auch nachgedacht werden, ob die vordergründige Rückkehr zur klassischen Normalität noch die Zukunft abbildet. Evtl. stehen viel mehr Modelle auf dem Prüfstand. Die EXPO REAL wird jedenfalls nicht die Wende in eine glänzende Zukunft. Volkswirtschaftlich und politisch hat Deutschland die Rolle als Safe Haven teilweise verspielt. Infrastruktur ist die neueste Kuh, die durchs Dorf getrieben wird. Rohmert hat aus seiner Erfahrung herausgearbeitet, woran Infrastrukturangebote sehr oft gescheitert sind und wo die Vertriebshürden liegen. Das Erbe der Merkel-Ära hinterlässt ein Billionen-Nachinvestitionsloch und eine ökonomische Lähmung durch Besitzstandwahrung. Rohmert hat bereits 2007 vor der „sozialistischsten Regierung seit Willy Brandt“ gewarnt und danach vieles nicht verstanden (u. a. Atom, Wehrpflicht, Energie- und Digitalisierungsabhängigkeit und Grenzöffnung), hat sich aber genauso wie alle anderen einlullen lassen. Die Rechnung liegt heute auf dem Tisch. Mit „Quantencomputing für Dummies“ hat sich Rohmert einmal in zwei praktischen Sätzen den Unterschied zwischen der Arbeitsweise von klassischen Computern und Quantencomputern erklären lassen. Das macht vieles verständlich. Offene Immobilienfonds bleiben für Rohmert als fast letztem medialen Befürworter Sorgenkind. Die Branche findet ihre eigene Story nicht mehr.
- NEGATIV-RENDITE EINER IDEOLOGIEZENTRIERTEN VERSTAATLICHUNGSPOLITIK: Werner Rohmert beleuchtet die Folgen der Berliner Vergesellschaftungsdebatte für Wohnungsunternehmen, Immobilienwerte und die internationale Wahrnehmung des deutschen Immobilienmarktes. (Rohmert, Seite 11)
- VERSTAATLICHUNG IN BERLIN KOSTET – MILLIARDEN! JÄHRLICH!: Prof. Hanspeter Gondring untersucht die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Vergesellschaftung. Bei einer angenommenen Entschädigung von rd. 25 Mrd. Euro ergibt sich ein negativer Free Cashflow von jährlich 846 Mio. Euro. Mietsenkungen würden das Defizit weiter erhöhen. (Prof. Hanspeter Gondring, Seite 12)
- ZWEI DRITTEL DER EUROPÄISCHEN BÜRONUTZER WOLLEN UMZIEHEN: Laut CBRE planen 65% der europäischen Büronutzer innerhalb der nächsten drei Jahre einen Umzug. Zugleich steigen die Anforderungen an Ausstattung, Flexibilität und Qualität der Flächen. (Rohmert, Seite 14)
- DER STAAT KANN WACHSTUM ANSCHIEBEN, ABER NICHT DAUERHAFT ERSETZEN: Staatliche Ausgaben können private Investitionen anstoßen und Infrastruktur verbessern. Dauerhaftes Wachstum entsteht jedoch nur, wenn Unternehmen selbst investieren, Beschäftigung schaffen und Kapital produktiv einsetzen. (Gion van den Bogaert, Seite 15)
- STIMMUNG UNTER DEN IMMOBILIENFINANZIERERN HELLT SICH AUF: Das BF.Quartalsbarometer verbessert sich im dritten Quartal von -25,97 auf -12,30 Punkte. 35% der Befragten melden steigendes Neugeschäft. Die Stimmung bleibt dennoch deutlich im negativen Bereich. (Rohmert, Seite 17)
- US-INVESTOREN NEHMEN EUROPA WIEDER STÄRKER INS VISIER: Nach Jahren hoher US-Allokationen rücken internationale Immobilieninvestments wieder stärker in den Fokus. Chancen sieht PGIM unter anderem bei Wohnen, Logistik, Self-Storage, Food-Anchored Retail und Premium Hospitality. (Greg Kane, Seite 19)
- FACHMÄRKTE BEHAUPTEN MARKTFÜHRERSCHAFT IM DEUTSCHEN RETAIL INVESTMENTMARKT: Das Investmentvolumen in deutsche Fachmärkte lag im ersten Halbjahr bei rd. 1,2 Mrd. Euro. Mit 51% Marktanteil bleibt die Fachmarktsparte die wichtigste Assetklasse im deutschen Retail-Investmentmarkt. (Rohmert, Seite 20)
- PHYSISCHE KLIMARISIKEN VERDOPPELN RISIKOPRÄMIE FÜR EUROPÄISCHE PRIME-IMMOBILIEN: AEW beziffert die Klimarisikoprämie für europäische Immobilien zwischen 2026 und 2030 auf 45 Basispunkte jährlich, wenn Transitionskosten und physische Klimarisiken gemeinsam berücksichtigt werden. (Rohmert, Seite 20)
- BPD / BULWIENGESA WOHNWETTERKARTE – WOHNUNGSMANGEL BLEIBT TROTZ BEVÖLKERUNGSSCHWUND: Der rechnerische Wohnungsbedarf sinkt, bleibt mit rd. 288.000 Wohnungen jährlich aber deutlich über den aktuellen rd. 203.000 Fertigstellungen. Regional entwickeln sich die Wohnungsmärkte zunehmend unterschiedlich. (Seite 21)
