Editorial – Der Immobilienbrief Nr. 262

22.Januar 2012   

Die Jahresauftaktveranstaltungen haben begonnen. Die referierenden Volkswirte sehen die Immobilie als Krisenprofiteur. Letzte Woche beim BIIS sprach ifo-Chef Hans-Werner Sinn und gestern auf der Cimmit HSBC-Chefvolkswirt Stefan Schilbe. Solange die Leute Angst haben, die Zinsen niedrig bleiben, der Arbeitsmarkt robust ist und attraktive Anlagealternativen fehlen, werden private und auch institutionelle Investoren in Immobilien investieren. Die Euro-Krise treibt die Anleger in Beton. Immobilien sind wohl das aktuell geringste Übel. Wenn es wirklich schiefgeht, können Sie mit der Immobilie auch nicht vor Zwangshypotheken und Besteuerung weglaufen. Andererseits beschreibt die Ausgangslage eines robusten Arbeitsmarktes, niedriger Zinsen, eines Überangebotes an Kapital und Rekord-Konsum für meinen einfachen Menschenverstand kein richtiges Krisenszenario.  

Allerdings fühlt man sich in einer Luxus-Suite immer noch wohl, wenn es auf dem Flur längst brennt. Hier noch einige verkürzte Botschaften von und mit Sinn. Wussten Sie, dass mit sog. Target- Krediten ein Zahlungsausgleichssystem der Notenbanken untereinander geschaffen wurde, das bis 2008 funktioniert hat, das es seither den PIGS-Ländern erlaubte, zu 1% Zinsen mit jetzt fast 500 Mrd. Euro in die Miesen zu gehen. Deshalb wollten die PIGS nicht unter den Rettungsschirm. Der kostet 5%. Deutschland wurde als Exporteur automatisch zum Gläubiger von knapp 500 Mrd. Euro. Die anderen Staaten sind in etwa ausgeglichen. Diese halbe Billion ist sowieso weg. Volkswirtschaftlich wäre es wohl billiger, wenn unsere hochgelobten Exporteure im Bett blieben. Die merken aber nicht, dass sie nur Forderungen produzieren, denn sie bekommen ja ihr Geld. Wenn der Euro crasht, kommen bis jetzt ca. 900 Mrd. Euro für Deutschland zusammen – sowieso, schon ohne Rettungsschirme. Wir sind längst gefesselt. Die massiven Zahlungsbilanzungleichgewichte sind nicht zu lösen. Bretton Woods war schon zusammengebrochen. Der Euro ist noch viel unflexibler. Griechenland ist unlösbares Drama, das wie die neuen Bundesländer mit bis heute 1,5 Billionen Euro und ohne Besserungstendenz, durchgefüttert werden muss. Der Euro-Bond kommt unter anderem Namen. Die Vorbereitungen laufen. Nach einer weiteren Dekade unter Euro-Bonds erlauben wir den Zusammenbruch Europas. Dann ist auch Deutschland pleite. CDS-Insolvenz- Wahrscheinlichkeit: 12%  

BILD hat recht. Bei aller Freude am Fremdschämen müsste es sich langsam ausge“wulff“t haben.  Es wird lächerlich. Wer freut sich denn nicht, wenn er erkannt wird und hofiert wird. Inzwischen hat mir ein Zinsmanager bestätigt, dass die Kondition der BW-Bank bei guter Beratung auch für Normalkunden erhältlich war. Ich frage mich eher, warum die Banker dauernd persönliche Kreditdetails in die Presse stellen. Das disqualifiziert. Außerdem: Liebe Presse-Kollegen, ich kenne keinen von Euch, der nicht selbstverständlich und stolz jeden denkbaren Journalisten-Presserabatt für Autos, Hotels oder Reisen in Anspruch nimmt. Was es für Presseausweis-Träger so alles gibt, finden Sie unter www.pressekonditionen.de. Und dieses Editorial, dass Sie in zwei Stunden lesen werden, schreibe ich gerade in einem Maritim Hotel, das erstklassige Leistung – natürlich mit Presserabatt – liefert. Last but not least zum Offenen Immobilienfonds. Die BIIS Bewerter hatten geladen. Es fällt immer schwerer, den Freundeskreis der Offenen Fonds in der Presse zu vertreten. Man vereinsamt. 2012 wird hart. Ab Mai könnte ein Flächenbrand kommen. Die Branche hat sich selbst abgeschossen. Immobilien-Erkenntnisse bleiben aus. Selbsterkenntnis sowieso. Die Welt ist ungerecht. Die Presse auch. Warum kaufen eigentlich die reichen OIF mit Anlagenotstand den geschlossenen OIF nicht die marktgerecht bewerteten Immobilien ab, damit die wieder öffnen können?  
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