Expo Real sieht „keinerlei Ansatz krisenhafter Entwicklung“

20.September 2019   

Natürlich reflektiere die Branche über Zukunftserwartungen auf konsolidiertem Niveau und nehme regelmäßig Risikoanpassungen vor, jedoch spüre die Messe „nicht im Ansatz irgendwelche krisenhaften Entwicklungen“, stellte Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München anlässlich des traditionellen Presse-Dinners zur Vorbereitung der Expo Real fest. Er stellte erneut ein Rekord-Zahlenwerk für die kommende Expo Real vor. Das Stimmungsbarometer aus der Befragung von annähernd 1 900 Immobilienprofis verbreitet nach wie vor Gesundheitsbotschaften der Branche. Aussteller und Besucher würden noch einmal zulegen.

Klaus Dittrich, Vors. GF der Messe München (Bild), erwartet bei den Ausstellern der Expo Real 2019 erneut einen leichten Zuwachs auf knapp 2 130 Aussteller nach 2 095 Ausstellern im vergangenen Jahr und 2 003 beziehungsweise 1 768 Ausstellern in den beiden Vorjahren 2017 und 2016. Entsprechend positiv entwickeln sich die Vorregistrierungszahlen, die einen Besucherandrang mindestens auf der Höhe des Vorjahres von 45 100 Teilnehmern erwarten lassen. 2017 waren es noch knapp 41 800 und 2016 rund 39 100 Besucher gewesen. Mit der Eröffnung einer neuen Halle wächst die Messe damit in 7 Hallen auf 72 250 qm. Schwerpunkt der Messethemen sei Innovation in der Immobilienwirtschaft. Rund 75 Startups nehmen als Aussteller an der Messe teil. Die internationale Bedeutung der Messe auch als Stimmungsbild nehme zu. Die wichtigsten Teilnehmerländer sind nach Deutschland Österreich, die Niederlande, Schweiz, Polen, Großbritannien, Frankreich, Rumänien, USA, Tschechien und Luxemburg.

In Gesprächen werde deutlich, meinte Dittrich, dass die Expo Real Teilnehmer nach wie vor gute Ergebnisse erwarten, aber auch wüssten, dass die Entwicklung so nicht auf Dauer weitergehen könne. Viele Unternehmen nähmen eine erneute Risikobewertung vor. Zudem sei die Branche auf mögliche Negativentwicklungen besser vorbereitet als je zuvor. Hier stellt sich natürlich für „Der Immobilienbrief“ die Frage nach möglichen Krisenvorbereitungen. Bestandshalter können ihre Bestände analysieren, miettechnisch optimieren und darauf hoffen, dass die Mietverträge eine Krise durchstehen. Hauptrisikotreiber sind die Banken, die bei Non-Recourse-Finanzierung auf Bruch von Covenants auch bei ansonsten störungsfreiem Engagement reagieren müssen. Die Einstellung des Einkaufs bei Kapitalsammlern wäre auch keine geeignete Vorbereitung, schließlich würde heute jeder zu den damals als überteuert angesehenen Preise von vor 3 Jahren mit Begeisterung einkaufen. Bei Projektentwicklern wäre der Verzicht auf die Durchführung von eng kalkulierten Grenzprojekten auch eher eine Geschäftsaufgabe.

Als neuer Risikofaktor kommen aus „Der Platow Brief„-/“Der Immobilienbrief“-Sicht stark expansive Crowd-Finanzierungen hinzu, deren Nachrang-Anleihen schon in einer Konsolidierungsphase mit lediglich verlängerter Vermarktung und nur leichtem Preiseinbruch mit Prolongationsnotwendigkeiten konfrontiert würden, die der Markt oder die Banken dann nicht mehr mitmachen. Dann sind viele wählende Kleinanleger betroffen und rufen eine weitere Regulierungswelle nach Fonds-Vorbild hervor.

Interessant ist das aktuelle Expo Real Stimmungsbarometer, das 1 880 Teilnehmer befragte, und ein aussagekräftiges Stimmungsbild der Immobilienwirtschaft zeichnet. Zu den wichtigen Stimmungsthemen gehören neben Brexit, Zinspolitik und Wohnen auch Investitionssummen, Top-Einflussfaktoren sowie beliebte Investitionsstandorte. Die europäische Immobilienwirtschaft erwarte mehrheitlich erneut gute Ergebnisse für 2019, resümiert Dittrich. Interessant sei, dass die Niedrigzinspolitik lediglich polarisiere, aber keiner eindeutig mehrheitlichen Zustimmung oder Ablehnung unterliege. Jeweils die Hälfte der Befragten betrachtet diese Entwicklung als Segen beziehungsweise als Fluch. 79% der Befragten erwarten für ihr Unternehmen 2019 ein eher gutes Ergebnis,14% sogar ein Rekordjahr.

Deutschland gelte weiterhin als sicherer Hafen. Die Immobilienprofis erwarten weiter steigende Investitionssummen (55%) oder zumindest gleichbleibende Investitionen (38%). Mit Blick auf die EU außer Deutschland rechnen immerhin 44% mit einer erneuten Steigerung und 47% mit einem gleichbleibenden Niveau. Nur zu UK erwarten 62% der Befragten sinkende Investitionssummen. Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Immobilienbranche in Europa seien „Bezahlbares“ Wohnen (57%), Zinspolitik (53%), Flächenmangel (49%), Fachkräftemangel (45%), Digitalisierung (39%), hoher Liquiditätsdruck bei internationalen Investoren (38%) sowie Klimawandel/Klimaschutz (37%).

Hinsichtlich der Standortstrategie gaben 49% an, dass sie bei A-Standorten bleiben und nicht verstärkt in B-Standorte investieren wollen. Die wichtigsten Top-B-Standorte für künftige Investitionen in Büroimmobilien in Deutschland seien Leipzig (21%), Nürnberg (18%), Hannover (17%), Dresden (16%) und Wiesbaden (15%). Ebenfalls 49% gaben an, dass sie weiterhin nur in Deutschland investieren würden. Die beliebtesten Zielmärkte der anderen sind Österreich/Schweiz (30%), BeNeLux (14%), USA (14%), Nordeuropa (12%) sowie Frankreich und Mittel- & Osteuropa (je 11%). An Nutzungsarten würden in Deutschland besonders Gesundheits- und Pflegeimmobilien (64%) an Bedeutung gewinnen. Wohnen (56%), gemischt genutzten Immobilien (55%), Mikrowohnen (50%) und Logistikimmobilien (45%) folgen danach in der Investorenstrategie.

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