Ferien im Denkmal – Erstes Haus der „Meersinfonie“ in Prora auf Rügen wird Ende 2013 fertiggestellt


Der Traum von einer eigenen Eigentumswohnung direkt am karibisch-weißen Sandstrand lässt sich durch das neue Immobilienprojekt „Meersinfonie“ in Prora Block 2 bei Binz im Nordosten Rügens derzeit verwirklichen. Die Berliner Projektentwickler Axel Bering und Michael Jacobi entwickeln in bester Strandlage in einem ersten Gebäude mit dem Namen „Aurum“ bis zum Herbst 2013 insgesamt 29 frisch sanierte Wohnungen im gehobenen Standard mit eigenem Strandzugang, Balkonen, Meer- oder Waldblick und einer an den Bauhaus-Stil angelehnten Innenausstattung.

Visualisierung Meersinfonie mit Strand

Visualisierung Meersinfonie mit Strand

Jetzt ist die Zeit, in der mit dem „Mythos Prora“ gründlich aufgeräumt wird. Durch seine idyllische Lage wurde der Ort „Binzprora“ in den 1930er Jahren als Standort für das Kraft durch Freude (KdF)-Bad Prora ausgewählt, das mit seiner knapp fünf Kilometer langen, fast durchgängigen Bebauung („Koloss von Prora“) einmal 20.000 Gäste gleichzeitig beherbergen sollte. Durch den Beginn des zweiten Weltkriegs wurden die Bauarbeiten eingestellt und die Anlage nie in Betrieb genommen.

Bis Anfang der 1990er Jahre war die Anlage für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und fehlte sogar auf den offiziellen DDR-Landkarten, was zur Schaffung des „Mythos Prora“ beitrug.

In den Jahren 2004 bis 2007 hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – nach einer kurzen Zwischennutzung durch die Bundeswehr und einigen Jahren Leerstand – Stück für Stück von dem nationalsozialistischen Erbe veräußert, manche Blöcke gingen durch mehrere „Investoren“hände.

Schon war der Koloss als Spekulationsobjekt verrucht, so habe der Käufer des Blockes IV mit einem 240.000 Quadratmeter großen Grundstück , ein deutscher Investor, die marode Immobilie für „erheblich“ mehr als das Mindestgebot von 500.000 Euro erworben. Auch der Block I erzielte bei einer Auktion im März 2012 mit 2,75 Mio. Euro das Zehnfache des vom Bund vor sechs Jahren erreichten Kaufpreises, ein österreichischer Bauunternehmer soll sich die Taschen gefüllt und weiter verkauft haben.

Zwar war der Verkaufsabschluss für Prora eine Zäsur, doch auch wieder nicht: Die exklusive Lage mit Meerblick und direktem Strandzugang sollte nun eigentlich einen Investitionsboom in die Gänge bringen – aber der blieb wider Erwarten aus. Lediglich dort, wo die öffentliche Hand mit Fördergeldern (15,1 Mio. Euro) den Umbau subventionierte wie im Block V gibt es neues Leben. Im Sommer 2011 Juli hatte in einem Drittel des Blockes eine Jugendherberge mit 400 Betten eröffnet. Das Deutsche Jugendherbergswerk berichtet von Spitzenauslastungen. Gleichermaßen nutzen mehrere Museen und Ausstellungen die teilweise sanierten Gebäude.

Nun haben Bering und Jacobi den Block II im Juni 2012 erworben. „Ob mit Kamin oder als Maisonette über zwei Etagen — noch können fast alle Wünsche unserer Käufer berücksichtigt werden“, sagt Geschäftsführer Michael Jacobi. „Von den 29 Wohnungen sind derzeit 20 reserviert oder verkauft“, fügt er hinzu. Neben den Eigennutzern, die vor allem wegen der einzigartigen Meerlage und der verhältnismäßig günstigen Kaufpreise zugreifen, gehören auch Kapitalanleger aus ganz Deutschland zu den neuen Eigentümern. Sie profitieren dank der Denkmalschutz-Abschreibungen und einer hohen Nachfrage besonders nach Ferienimmobilien an der Ostsee doppelt von einem Engagement in das Projekt „Meersinfonie“. 2.309 bis 3.916 Euro / qm inkl. MwSt. und mit Denkmal-Afa, ein Kennenlernpreis, so Jacobi und spricht von einem Investitionsvolumen von 4,5 Mio. Euro.

Anfang Juni wird Richtfest gefeiert, dann geht’s an die Innenausstattung, Ende 2013 ist alles fertig. Danach wollen die Investoren mit Haus „Verando“ den zweiten ihrer insgesamt vier Häuser im Block II sanieren und so ein noch ansprechendes Umfeld für die Feriengäste schaffen. Neue Straßen zur Erschließung der Anlage und ein Parkhaus entstehen parallel mit der aktuellen Sanierung.

Die Gemeinde Binz und der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern sehen den derzeitigen Run auf die Blöcke mit gemischten Gefühlen. In Binz gebe es bereits 14.500 „offizielle“ Ferienbetten plus 3.000 bis 5.000 „schwarze“ Betten, so Bürgermeister Karsten Schneider. Der denkt bereits an einen Baustopp von Ferienwohnungen, Hotels etc. Und Tobias Woitendorf vom Tourismusverband sieht schon „Sylter Verhältnisse“ auf die Insel zukommen, d. h. die im Tourismusgewerbe Beschäftigten werden aus ihren Wohnorten verdrängt, weil jede auch noch so kleine Ritze zu einem Ferienbett umfunktioniert würde.

Schneider und Woitendorf plädieren für eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus und sprechen einer „sanften“ Art das Wort. Was sie sich wünschen? Eine Marina, zum Beispiel – die gebe es von Saßnitz im Norden bis Lauterbach im Süden nicht. Das vertrüge sich auch hervorragend mit der äußerst sensiblen See-Landschaft im Prorer Wiek, einmalig schön an der Ostsee mit dem herrlich karibisch-weißen Sandstrand. Warum der so weiß ist? Von den abgebrochenen Kreidefelsen im Norden.

Siehe dazu auch Interview mit Michael Jacobi in „Der Immobilienbrief Berlin Nr. 65“

 

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