Groth-Gruppe entdeckt die historische Speicherstadt von Potsdam als attraktiven Wohnstandort – Zwei Drittel der Fläche im Visier des Investors

Karin Krentz

Mit einem Investitionsvolumen von rund 80 Mio. Euro errichtet die Berliner Groth Gruppe im Mittelteil der Speicherstadt Potsdam (insgesamt 7,6 ha) in der Templiner Vorstadt ein neues Wohnquartier. Die Planung für das rund 11.350 qm große Grundstück am Fuße des Brauhausbergs zwischen Leipziger Straße und dem südlichen Havelufer sieht 270 neue Wohnungen vor. Die benachbarten denkmalgeschützten historischen Speichergebäude wie der Hampel-Schinkel-Speicher, ein ehemaliges Getreidemagazin aus dem Jahr 1834/35, und der Persiusspeicher (im Besitz der Prinz von Preussen Grundbesitz AG), der als Mehlmagazin und Proviantamt die Lebensmittelreserven für das Heer beherbergte, werden dabei denkmalgerecht mit stadtteilprägenden Strukturen, Grünflächen sowie Neubaugrundstücken verbunden.

Das Projekt ist für die weitere städtebauliche Entwicklung der Landeshauptstadt Potsdam von außerordentlicher Bedeutung, bildet es doch gewissermaßen ein Scharnier zwischen der historischen Innenstadt bis hin zu den Refugien der Jungen, Schönen und Reichen an einem der herrlich gelegenen Seen im blühenden Norden und den nicht ganz so schmucken Plattenbauvierteln Am Stern, Schlaatz oder Drewitz im Süden.

Denn: Städtebaulich gesehen ist Potsdam eher eine „geteilte“ Stadt, die prosperierende Stadt im Norden bis hin zum Bornstedter Feld meinen alle (nur sie wissen es kaum), wenn sie meinen, von Potsdam zu sprechen. „Die Speicherstadt wird als neuer innerstädtischer Stadtteil nicht nur die historische Mitte Potsdams vervollständigen und ihr neue Impulse verleihen, sondern zugleich das Zentrum der Landeshauptstadt mit Babelsberg verbinden“, erklärt Klaus Groth, Geschäftsführender Gesellschafter der Groth Gruppe.

„Die Speicherstadt ist eines der letzten unerschlossenen historischen Quartiere Potsdams“, sagt Matthias Klipp, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bauen der Stadtverwaltung Potsdam. „Für die nördlichen Flächen der Speicherstadt ist eine Nutzung für Wissenschaften und Dienstleistung vorgesehen. Somit wird die Speicherstadt einen lebendigen Schnittpunkt zwischen den Wissenschaftsstandorten Telegrafenberg, Golm, Griebnitzsee und der Fachhochschule bilden.“

Das Entwicklungspotenzial dieses Viertels ist bemerkenswert, denn eingebettet in die Potsdamer Kulturlandschaft ist die Speicherstadt bestens an die Verkehrsinfrastruktur angebunden. Durch die unmittelbare Nähe zum Potsdamer Hauptbahnhof ist die Berliner Innenstadt ebenso wie der Hauptstadtflughafen BBI in ca. 30 Minuten erreichbar, von den gegenwärtigen Ausnahmen wie Avus-Sanierung bis 2013 und die aus technischen Gründen immer noch langsam fahrende S-Bahn abgesehen. Direkt vis-à-vis des alten Stadtschlosses gelegen, kann man von der Speicherstadt das Potsdamer Zentrum in nur fünf Autominuten erreichen.

Noch im Herbst 2010 soll mit dem Hochbau begonnen werden, die ersten Gebäude sollen schon im Frühjahr 2013 bezogen werden können, im 4. Quartal 2013 sollen alle Häuser fertig gestellt und die Wohnungen voll verkauft bzw. vermietet sein. Die Wohnungen (Christoph Kohl Architekten, Hilmer & Sattler und Albrecht, kmh-architekten sowie nps TchobanVoss) werden sich sowohl auf die acht Neubauten zwischen Leipziger Straße und Havelufer als auch die historischen Mühlenspeicher verteilen. Von den vier noch vorhandenen Speichern kann nur einer saniert werden, ein Speicher wird total abgetragen und neu aufgemauert werden, die beiden anderen werden statisch neu aufgebaut, alles selbstredend in dem typisch gelben märkischen Klinker.

Die Wohnungen in Wasserlage werden die teuersten dort sein. 2 800 bis 4 200 Euro pro Quadratmeter sind angesagt, ein Mittel von 3 700 Euro rechnete Groth (anhand von Studien aus dem Hause Bulwien) vor, ein Quadratmeter zur Miete soll 11,50 bis 12 Euro/qm netto kalt kosten. Das dürfte die Preise (in guten Lagen bisher 2 500 bis 3 500 Euro/qm) und bisher moderaten Mieten für die Landeshauptstadt erheblich in die Höhe schrauben (zur Zeit in guten Lagen 7,00 bis 10,00 Euro/qm, Quelle: Plötz Immobilienführer Deutschland 2011). Denn besonders das Angebot an Eigentumswohnungen ist mehr als knapp, die Nachfrage immens. Auch in anderer Hinsicht hat Groth die Zeichen erkannt – fast 50% der Wohnungen seien für Singles gedacht und sollen ca. 70 qm groß sein.

Und Potsdam wäre nicht Potsdam, wie kann es anders sein – auch hier in der Speicherstadt gibt es Zoff um den Uferweg. Manche Speicher stehen direkt an der Uferkante, so dass der Masterplan von Christoph Kohl einen Weg quer durch die Stadt vorsieht. Den Vorschlag der Stadt Potsdam, Groth solle die Neubauten versetzen, um einen Uferweg zu ermöglichen, lehnt das Unternehmen rigoros ab und verweist auf Mehrkosten von drei bis 8 Mio. Euro. So scheint ein Präzedenzfall für die bisher uferlosen Uferweg-Streitigkeiten am Griebnitzsee vorprogrammiert, zumal die Pläne des Investors für Eigentümer von Wohnungen in Wasserlagen „schwimmende Vorgärten“ bzw. Marinas bereits vorsehen.

Mit der Speicherstadt Potsdam setzt die Groth Gruppe ihr Engagement in Potsdam fort. Zwischen 1993 und 1998 hat sie mit der Vorstadt Kirchsteigfeld in Potsdam-Drewitz eines der größten Wohnungsbauvorhaben der neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung realisiert. Mit den Stadtvillen am Voltaireweg in der Jägervorstadt realisiert die Groth Gruppe aktuell ein weiteres Wohnbauvorhaben in der Stadt.

Groth gibt sich allem Anschein nach nicht mit diesen 11.350 qm zufrieden, sein Augenmerk richtet sich auf die weiteren 7 ha Fläche, die noch zum Verkauf stehen. Erhielte die Groth-Gruppe im Herbst 2011 den Zuschlag von der Pro Potsdam GmbH, so wäre sie Eigentümer von zwei Drittel der Speicherstadt bis auf die Speicher, die die Prinz von Preussen Grundbesitz AG bereits saniert hat. „Dass wir das gerne entwickeln würden, ist kein Geheimnis“, sagt Groth. Das wäre nach dem Masterplan noch einmal ein Potenzial von 300 Wohnungen plus ein Hotel nebst Kongresszentrum.

www.speicherstadt-in-potsdam.de