Immobilienfonds-Manager auf den Spuren von Wertpapier-Managern

1.Oktober 2016   

Kategorie: Der Immobilienbrief

 

Asset Manager lagern Fondsadministration aus; Wertschöpfungskette bricht weiter auf

Dr. Holger Sepp, Mitglied der Geschäftsführung der CACEIS Bank Deutschland GmbH

 

In der Wertpapierindustrie ist das bereits ein alter Hut: Die Wertpapier-Kapitalverwaltungsgesellschaften haben ihre Fondsadministration teils schon vor über zehn Jahren an Service Provider ausgelagert und somit ihre „Fertigungstiefe“ verringert. Sie nutzen den Umstand, dass Dienstleister die administrativen Aufgaben in dem hochautomatisierten Massengeschäft meist effizienter erbringen können.

 

Für die Immobilienfonds-Manager ist diese Entwicklung neu. Zwar denken viele Akteure schon seit einiger Zeit über die Möglichkeiten der Auslagerung von Middle Office Funktionen nach, bislang jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Inzwischen sind die ersten Bewegungen am Markt zu erkennen: Trendsetter sind die Deutsche Bank, die an BNY Mellon ausgelagert hat sowie die Credit Suisse, deren Fondsadministration inzwischen von CACEIS ausgeführt wird. Warum geschieht dies gerade jetzt und wer profitiert davon?

 

Bedeutung von Immobilien und Sachwerte gestiegen

 

Im Zeitalter anhaltend niedriger Zinsen investieren Institutionelle zunehmend in Immobilien und andere Sachwerte, wo sie noch am ehesten annehmbare Renditen erwarten. Allein in der Assekuranz stieg die Immobilienquote in fünf Jahren um 25%. Während das Volumen von Immobilien-Publikumsfonds seit zehn Jahren auf einem Niveau um etwa 80 Milliarden Euro stagniert, haben sich die Immobilien-Spezialfonds als wichtiges Vehikel der institutionellen Anleger im gleichen Zeitraum auf knapp 55 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

 

Bei dieser signifikanten Volumenveränderung kommen konsequenterweise Funktionen, Aufgaben und Prozesse im Bereich Asset Management und KVG auf den Prüfstand: Welche Funktionen sind strategisch bedeutsam und gehören zu den Kernkompetenzen? Welche der bestehenden Prozesse müssen angepasst und verbessert werden, um das Tagesgeschäft effizienter zu gestalten? Welche Strukturen können oder sollten darüber hinaus sogar ausgelagert werden, um etwa Fixkosten einzusparen?

 

Im Markt der Immobilien- und Sachwertfonds- Manager lässt sich beispielsweise aktuell beobachten, dass diese Akteure sich zunehmend auf die Portfolio-Management, Risiko-Management und Vertrieb konzentrieren. Die Auslagerung administrativer Middle-Office Funktionen wird derzeit nicht nur intensiv diskutiert, sondern es sind einige Ausschreibungen auf dem Markt zu beobachten. Immerhin zwei prominente Asset Manager haben sich – wie eingangs erwähnt – bereits für ein Outsourcing entschieden.

 

Bisher hinkten Immobilienfonds der Entwicklung hinterher

 

Dem Gesamtvolumen deutscher Wertpapierfonds von 2.100 Milliarden Euro stehen per Ende 2015 Immobilienfonds mit einem Volumen von 139 Milliarden Euro gegenüber – der Unterschied ist gewaltig. Dennoch sind – gerade in der Immobilienfondsindustrie – die gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zuletzt immer weiter gestiegen, ebenso die daraus entstehenden Berichtspflichten und die IT-Anforderungen. Nicht zuletzt dadurch ist der Kostendruck im Immobilienbereich gestiegen. Anlass genug, um die Vergabe dieser Aufgaben an einen Spezialisten zu erwägen und Einsparpotenziale auszuloten. Die prozessualen Herausforderungen bleiben indes bestehen: Im Vergleich zu Wertpapierfonds sind Immobilien illiquide Vermögensgegenstände. Sie erfordern im Tagesgeschäft ganz andere, wenig automatisierbare und deutlich mehr manuelle Tätigkeiten. Während der An- und Verkauf von Wertpapieren einfach und damit standardisierbar ist, werden beim An- oder Verkauf von Immobilien u.a. Gutachten, unterschiedliche Verträge, notarielle Beurkundungen etc. benötigt.

 

Service Provider mit gewachsener Immobilienexpertise im Vorteil

 

Per Ende 2015 gibt es laut BVI 13 Immobilien-Verwahrstellen in Deutschland. Sechs Verwahrstellen beherrschen überdies das Geschäft mit geschlossenen Fonds. Diese Verwahrstellen verfügen mitunter über eine langjährige Expertise mit Immobilien und anderen Sachwerten. Zudem weisen die Fondsbuchhaltungssysteme von Verwahrstellen und Fondsadministration starke Ähnlichkeiten auf, verfügen über die gleiche Buchungslogik oder stammen sogar vom gleichen Softwareanbieter. Aufgrund der zahlreichen manuellen Arbeitsschritte bei Immobilienfonds benötigen die Service Provider im Vergleich zu Wertpapierfonds jedoch Mitarbeiter mit einer gewachsenen Immobilien-Expertise, um die Administration für Immobilienfonds erfolgreich übernehmen und effizienter gestalten zu können.

 

Ausblick

 

Künftig werden wohl weitere Immobilien Asset Manager oder Emissionshäuser von Sachwertfonds dem Outsourcing-Trend folgen. Nicht nur die kleineren Häuser werden Wert darauf legen, die gesamten Dienstleistungen rund um die Immobilien- und Sachwertefonds (Verwahrstellenfunktion, Fondsadministration etc.) in die Hand des gleichen Service Providers zu geben, um etwa die Anzahl von Schnittstellen zu minimieren oder auch um die Prozesse zu vereinheitlichen und zu verschlanken.

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