In Berlin greift Moonday mit Titanic-Hotels nach Sternen – Deren Döner ist bereits da

Der Döner war – so die Saga – der Anfang des Erfolges der Ayg Gruppe in Berlin, dann folgten die Hasir-Restaurants und nun sind es die Hotels. Die Gruppe wächst und wächst und erobert so still und leise, aber ganz gezielt den Hotel- und Gastronomiemarkt Berlin. Zur Zeit ist die immense Baustelle in der Französischen Straße unweit des Auswärtigen Amtes Stadtgespräch, wird hier doch bis 2014 ein 5-Sterne-Superior-Haus entstehen, das das Flagschiff der Gruppe in Berlin werden soll.

Die Ayg Group ist ein privat geführtes türkisches Unternehmen, das als Moonday GmbH Hotels unter dem Namen Titanic und Restaurants unter dem Namen Hasir (zu deutsch: Stroh, Matte, auch: vielerlei) in der Türkei und Deutschland betreibt. Das Familienunternehmen wurde in den 70er Jahren gegründet, als die Familie Aygün ihr erstes Restaurant in Berlin eröffnete. Heute besitzt und betreibt die Ayg Group in Deutschland und der Türkei zusammen neun Hotels und sechs Hasir-Restaurants; diese aber nur in Berlin.

Vorstandsmitglied der Moonday GmbH und Chef der Hotel-Gruppe Titanic in Berlin ist Aytac H. Aygün, gerade mal 27 Jahre jung, mit einem Schweizer Bachelor-Abschluss Hotelmanagement  in der Tasche, und zugleich Managing Director des ersten Hotels der Aygüns in Berlin. Zwei weitere dort sollen noch folgen.

Doch wie das bei türkischen Familie wohl so ist – beim Gespräch im Büro der Noch-Baustelle in der Französischen Straße, die einmal ein Grand Hotel werden soll, wird klar: Hier ist alles fest in Familienhand. Beteiligt ist ebenfalls Onkel Ahmet Aygün; die Familie arbeitet, handelt, denkt und lebt gemeinsam, ob nun in Deutschland oder in der Türkei. Die Familie – das sind Vater Mehmet Aygün und sechs Onkels wie Ahmet und nun auch Sohn und Neffe Aytac.

Vom Döner zur internationalen Hotelgruppe

Es heißt, dass Vater Mehmet nach seiner Einwanderung aus der Türkei Anfang der 70er Jahre den Döner erfunden haben soll, diese mit duftendem leckeren Fleisch vom Grillspieß gefüllte Tasche aus türkischem Fladenbrot. Wie er darauf kam? Ganz einfach – Ideen für das erste Imbissrestaurant mussten her, denn dieses pappige Etwas mit Hackfleisch gefüllt, auch Hamburger genannt, hat ihm überhaupt nicht gemundet. Eine Saga. Der Döner hat viele Väter in Berlin. Der Döner trat dann gewissermaßen vom ersten Hasir-Restaurant (1978 gegründet) in Kreuzberg seinen Siegeszug zuerst in Berlin, danach in Deutschland an. Heute ist er noch vor der Currywurst (!) zum beliebtesten Fast Food nicht nur der Berliner geworden und dem ersten Restaurant folgten noch fünf weitere.

Doch das allererste in der Adalbertstraße in Kreuzberg ist auch das berühmteste geworden, vor allem bei VIPs, ob Show Biz oder Politik, völlig „in“. Heute steht natürlich nicht nur der Grillspieß auf der Speisekarte. Plätze reservieren sehr empfohlen! Sonst zwei Stunden warten.

Im Laufe der Jahre ist die Ayg-Unternehmensgruppe, unterstützt mit türkischem Geld, geradezu stürmisch expandiert und zählt heute ca. 3000 Mitarbeiter, davon ca. 80% in der Türkei. Die Aygün-Brüder bzw. Onkel in der Türkei eröffneten im Jahr 1998 die ersten beiden Hotels der Gruppe in Istanbul. Darauf folgte die Eröffnung des Titanic Beach Lara im Jahr 2003 als Vorreiter der Themenhotels in Antalya. Parallel zur Entwicklung der unternehmenseigenen Markenstrategie erneuerte die Unternehmensgruppe bestehende Anlagen und benannte sie in 2008 in Titanic Comfort Sisli und Titanic City Taksim um. Kurz darauf erfolgte im selben Jahr die Eröffnung des Titanic Business Kartal im Geschäftsviertel von Kartal und ein Jahr später die des Titanic Port Bakirkoy.

Flagschiff in Antalya und drei Häuser in der Pipeline

Das bisherige Flagschiff der Gruppe jedoch und Namensgeber ist das Hotel Titanic mit einer dem berühmten Luxusliner nachempfundenen Architektur in der Touristenhochburg Antalya mit 589 Zimmer. Begehrt: die Colonel Suite mit 85 qm für 850 Euro pro Nacht oder die Admiral Suite mit 95 qm für 1000 Euro mit Dielen aus dunklem Holz und Fenster als Bullaugen zur See, der Gast soll sich bitte wie ein Chief Commander auf hoher See fühlen. Natürlich geht es auch preiswerter im Standardzimmer für 150 Euro. Doch immer auf der Titanic.

Die Auslastung soll bei 94 Prozent liegen und das Hotel ist nicht nur bei Touristen aus Deutschland oder Russland beliebt, sondern auch mit den acht Fußballfeldern in unmittelbarer Nähe angesagt als Trainingsstätte vor allem deutscher Bundesliga-Clubs.

Mit dem im Jahr 2011 eröffneten Titanic Comfort Mitte (in Berlin) und dem im März 2012 eröffneten Titanic Business Bayrampasa verfügt die Unternehmensgruppe in Deutschland und in der Türkei über insgesamt neun Hotels (2 in Antalya, 6 in Istanbul, 1 in Berlin) und 6 Restaurants (nur in Berlin). Das Hotel Comfort Mitte am Spittelmarkt, ein umgebauter DDR-Plattenbau, fungiert als Business-Hotel mit einem Vier-Sterne-Anspruch. Sieben Mio. Euro wurden in den Umbau gesteckt,

Drei weitere Projekte sind noch in der Pipeline, eines davon in Istanbul. In Berlin will Moonday mit gleich zwei Projekten reüssieren. Dann, so Aytac Aygün, werde man weitere Pläne überdenken, denn ausschlaggebend sei die Performance des Marktes und der Bedarf. Zurzeit biete der Hotelinvestmentmarkt Berlin sowohl hinsichtlich Auslastung und Preis sehr gute Bedingungen. Nur über den Rev Par-Erlös schweigt sich Aygün aus.

Und ein Haus an einen Investor verkaufen? Da schüttelt er sanft lächelnd verneinend den Kopf – nie. Die Entschiedenheit ist glaubwürdig, trotz aller Jugend. Aytac Aygün wirkt eher wie ein Student, vielleicht Jura?, Jeans, kariertes feines Hemd, zurückhaltend, schmal, schlanke Hände (immer am Smartphone), zurückgestrichenes etwas längeres dunkles Haar und nicht wie ein wirklicher Geschäftsmann. Doch genau das ist er, der weiß, was zu tun ist. Dabei helfen Vater und die Onkels, learning by doing ist das Prinzip für alle und Motto zum Erfolg, ebenso wie der feste familiäre Zusammenhalt.

Für Berlin: Ein Grand Hotel mit Hamam und Hasir

Zunächst gilt die Aufmerksamkeit und Initiative aller dem neuen Titanic Fünf-Sterne-Superior-Haus am Gendarmenmarkt in unmittelbarer Nähe zur Deutschen Staatsoper und – sehr pikant – nur einen Steinwurf vom Hotel de Rome von Rocco Forte Hotels entfernt. Zur Zeit werden die denkmalgeschützten ehemaligen Werkstätten der Oper saniert und umgebaut (Architekt: Patzschke & Schwebel). Investiert wird eine nicht näher bezifferte zweistellige Summe, im Sommer 2014 soll Eröffnung gefeiert werden.

Die ziemlich marode Immobilie wurde in einem Bieterverfahren vom Liegenschaftsfonds Berlin erworben. Damals noch war das beste Konzept für den Zuschlag ausschlaggebend. Das gibt es heute in Berlin so nicht mehr. (Die Liegenschaftspolitik soll neu ausgerichtet werden, bloß wann?) Das künftige Grand Hotel verfügt über 208 Zimmer, einen Ballsaal von 400 qm, ein Spa mit türkischem Hamam (!) und – wie könnte es anders sein – ein Hasir-Restaurant.

Das nächste Haus in Berlin wird eines mit vier Sternen und entsteht (als einziger Neubau der drei Häuser) in einer breiten Baulücke an der Chausseestraße in Berlin-Mitte (Architekt: nps tchoban voss). Es umfasst 389 Zimmer sowie Restaurant (nur à la carte), Konferenzzentrum, Wellnessbereich. Die Eröffnung ist für das Ende des Jahres 2014 vorgesehen, voraussichtlich.

Zurzeit sind die Aygüns stolz, und zwar auf ihren jüngsten Erfolg – die Eröffnung des Titanic Deluxe Belek im Frühjahr 2013, ein Resort-Hotel der obersten Sternekategorie am Mittelmeer, das keine Wünsche offen lassen soll, fast schon eine kleine Stadt. Es steht für den Anspruch der Investoren –  beste Lage, Großzügigkeit auch in der Architektur, edle Materialien, zurückhaltend-elegantes Design ohne Prunk und Protz, aber eben Selbstbewusstsein. Die Familie vertraut in ihre eigenen Kräfte.

(mehr lesen Sie in DIB Berlin Nr. 68)