Kölner U-Bahn-Bau „Es sollte ja keine Uhr werden“

23.März 2010   

Kategorie: Der Immobilienbrief

Quelle: fotalia
Quelle: fotalia
Kölner Pressefrühstück vermittelte Überraschendes

Die Mipim erlaubt immer neue Erkenntnisse, so auch beim Pressefrühstück der Stadt Köln. Bei unserem Erscheinen in Begleitung der Chefdakteurin vom Immobilienbrief Köln fanden sich der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters und sein Wirtschaftsdezernent im Gespräch mit dem bis dato einzigen Journalisten, dem Beilagenchef einer großen süddeutschen Zeitung. Wir hörten zunächst der in einfachen Worten vorgetragenen Erkenntnis zu, dass Versicherungen und Pensionskassen gut vermietete Immobilien kaufen würden. Der Sprecher – zur Vorstellung kam es nicht mehr, als zwei Drittel der Journalisten kamen – entpuppte sich später als Wirtschaftsdezernent Norbert WalterBorjans. Der neue Kölner OB, der sich zu Hause wie wir hörten, mit Repräsentationspflichten entschuldigt hatte, blieb völlig inkognito. Wir lauschten gebannt den Thesen des Gespräches mit dem süddeutschen Kollegen. Wahrscheinlich gibt es da bei Gelegenheit eine Köln-Beilage.

Walter-Borjans stellte im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs und dem aktuellen U-Bahn-Bau-Skandal fest, dass ungerechterweise in der Presse Zusammenhänge mit einem etwaigen Kölner Umfeld geschaffen worden seien. Das hätte alles auch woanders geschehen können. Die Konzerne des Baukonsortiums hätten doch auch ihren Sitz nicht in Köln. Er habe sich als Student auf dem Bau schon gewundert, warum Flansche mit 7 Löchern in der Praxis nur mit 4 Schrauben befestigt würden. Das sei normal auch kein Problem. Der Presse-Kollege verwies auf die alte Polier-Weisheit im Bau „Es soll ja keine Uhr werden“ und traf den Gesprächsnerv. Die mit 15% unzureichend armierten Wände beim aktuellen U-Bahn-Skandal hätten ja auch nur als Aufgabe, die Baugrube abzusichern. Später brauche man die nicht. Schlechte Presse hätte es z. B. auch gegeben, als in München ein Bus im Boden verschwunden sei und drei Tote über Monate nicht gefunden worden seien. Auf den unglücklichen Zusammenhang zum Einsturz der Kölner Stadtarchivs hingewiesen, wurde klar gemacht, dass normalerweise, wenn man so tief gräbt wie am Stadtarchiv, da Lehm ist. Dann sei das alles kein Problem. Es sei aber in Köln kein Lehm, sondern Sand dagewesen, der durch das Abpumpen des Wassers weggespült worden sei, so dass das Stadtarchiv zusammengestürzt sei. Dass die Sache mit dem Sand nicht aufgefallen sei, sei allerdings eine ungeheure Schlamperei gewesen. U-Bahn-Bau ist immer problematisch. Andere Städte pilgern jetzt nach Köln, um zu lernen. Häme gebe es nicht. Als Botschaft kam so herüber, dass so was immer mal passieren kann, statt eines „wir werden alles in Bewegung zu setzen, um so was noch einmal zu verhindern“.

Im Vorfeld der Messe auf einer Veranstaltung mit Politikern auf dem Podium und auch im Mipim-Gespräch mit dem OB wurde außerdem klar, dass der Einsturz des Stadtarchivs „positive Denkprozesse“ in Gang gesetzt habe. Nicht erst seit die geretteten Dokumente des eingestürzten Kölner Stadtarchivs im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt wurden, sei das neue Know how der Kölner Experten zur Säuberung, Trocknung und Digitailisierung von historischen Schriftstücken in nationalen und internationalen Fachkreisen überaus gefragt.Bei solcher politischer Euphorie fallen schätzungsweise 600 Mio. Euro Kosten – etwa dreimal so viel wie der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden gekostet hat – und 200 Restauratoren, die zur Schadensbehebung etwa 30 Jahre ununterbrochen arbeiten müssen, kaum ins Gewicht.

Auch die übrigen Botschaften waren bemerkenswert. Vom Münchener Kollegen zum „USP“ der Stadt Köln gefragt kam man blitzschnell darauf, dass man in 50 min mit dem Zug in Frankfurt sei. Brüssel und Paris als Ziele wurden schnell nachgeschoben. Es blieb Platow überlassen, auf Metropolen-Flair, Standort- und Wohnqualität zu verweisen, die Köln nur mit Hamburg oder München vergleichbar macht. Zum Namensproblem des 50 000 qm großen Lufthansa-Hochhauses, dass zukünftig „maxCologne“ heißen soll und zu der Erfahrung, dass gute Ankermieter mit eigenem Namen ungern in bereits „belegte“ Gebäude ziehen, wurde klar, dass die Kinder von Walter-Borjans heute schon nicht mehr wissen, wie die Lanxess-Arena früher geheißen hat. Das sei eine Frage der Zeit. Hoffentlich sehen die Erstmieter das genauso. Glücklich ist eine Stadt zu schätzen, die sich einen solchen Presseauftritt leisten kann. So wurde die Wertschätzung noch einmal deutlich, als sowohl Wirtschaftsdezernent und OB die Visitenkarten der Kollegen auf dem Tisch liegen ließen.

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