MIPIM 2015 – selten so gute Stimmung

16.März 2015   

Kategorie: Der Immobilienbrief

Die Branche sieht sich zum Start der 26. Mipim in Cannes in einem komfortablen Umfeld. Das wurde bereits am Eröffnungsabend der deutschen Teilnehmer auf Einladung des Immobilienverbandes ZIA deutlich. Die Stimmung war selten so gut.

Die erfahrenen Teilnehmer sehen zwar irgendwann ein Ende der Investmentparty, aber anders als beim letzten Mal, als die Zinswende das rechnerische Ende des finanzinduzierten Booms absehbar machte, gibt es diesmal noch kein Wendepunkt-Szenario. Die Zinsen bleiben nicht nur unten, sondern werden noch weiter gedrückt. Draghi schüttet 1,1 Billionen Euro in den Markt. Gleichzeitig stehen über 1 Billion Euro Rekordausläufe von Staatsanleihen bis 2016 an, die Wiederanlage suchen. Schäuble braucht sie nicht mehr in voller Höhe und hat kein Interesse an auskömmlicher Verzinsung. Der internationale Anlagedruck nimmt weiter zu. Neue Mega-Player wie die Chinesen kommen auf den deutschen Anlagemarkt. Gleichzeitig steigen Beschäftigungszahlen in Deutschland und der Konsum boomt. Das sind die positiven Mipim-Vorzeichen der Investment-Branche. Für viele Anleger werden aber die Herausforderungen an die Professionalität größer; denn das ist das Umfeld, das Fehlallokation hervorruft. Anders als beim letzten Finanzboom, der überwiegend im Bestand stattfand, hat diesmal die Branche auch Zeit zu bauen.

Mit herrlichem Sommergrippe-Wetter aus strahlendem Sonnenschein, kaltem Wind, kühlen Abenden und trockener Messehallen-Luft  lockt die 26. Internationale Immobilienmesse 22 185 auf der Homepage namentlich benannte Teilnehmer aus 5 469 Unternehmen nach Cannes. Datenschützer werden sich krümmen. Die Teilnahme dürfte eine deutliche Steigerung gegenüber 2013 bedeuten. 2 438 Firmen werden in der Ausstellerstatistik geführt, wobei natürlich die Masse der Aussteller an Gemeinschaftsständen registriert sein dürfte. Knapp 2 100 Unternehmen zählen sich zu den Investoren. Damit dürfte die Messe deutlich erfolgreicher sein, als die eher ruhigen Hallen des ersten Messetages signalisierten.

Zufriedenheit und Optimismus dominiert zum Jahresbeginn 2015 berichtete Andreas Pohl, VV der Deutsche Hypo beim traditionellen Mittagessen am Dienstag. Es werde gebaut, es werde investiert, es werde finanziert. Sofern kein exogener Schock käme, sieht Pohl noch 1,5 bis 2 gute Jahre für die gewerbliche Immobilienwirtschaft. Auch wenn Platow im aktuellen deutschen Umfeld keine Wende im Immobilienmarkt absehen kann, sind wir trotzdem nicht sicher, ob wirklich die Branche auf voller Breite profitiert. Zum einen ist Deutschland nicht repräsentativ. Euro-Krise, Schuldenkrise und Arbeitslosigkeitsproblem sind ungelöst. Als Auslöser der nächsten Verwerfungen sind in Backgroundgesprächen schon Versicherungen und Pensionskassen ausgemacht, denen den Wiederanlagezwang auslaufender Papiere einen nicht auskömmlichen Zinsertrag bei gleichzeitig schlechter Kursperspektive beschert. Das Preisniveau aktueller Sachwertinvestitionen im Core-Bereich deckt oft nicht die immobilienwirtschaftlichen Kosten einer Nachvermietungs- und Sanierungsphase ab. Der Konzentrationsprozess und die zunehmende Bedeutung institutioneller Investoren führt auch bei den Dienstleistern zu Konzentration. Mancher mittelständische Dienstleister beklagt fehlenden Immobilienzugang im Core-Segment. Berater der alten Schule können das Preisgefüge nur noch bedingt nachvollziehen und werden von sportlichen Rechenkünstlern der historisch hohen Risikoprämie mit maximalem 10-Jahreshorizont überholt. Kopfschüttelnd wird in Backgroundgesprächen festgestellt, dass die erfahrenen Marktteilnehmer, die tatsächlich aus der letzten Krise gelernt hätten, nicht mehr zum Zuge kämen. Der Markt drehe sich mancherorts ohne jegliche Lerneffekte noch schneller als beim letzten Mal. Ein kalkulierbarer Planungshorizont eines über 10 Jahre sicheren Cash Flow mit hoher Zinsdifferenz überdecke Immobilien Know how.

„Der Immobilienbrief“ hat in Backgroundgesprächen noch einige Statements eingeholt. ZIA-Präsident Andreas Mattner: „Die Stimmung passt zum guten Wetter. Deutschland ist sexy für ausländische Investoren. Die englische Zusammenfassung unseres Frühjahrsgutachtens der Immobilienweisen fand großes Interesse auf der MIPIM. Das zeigt, dass der Trend zu deutschen Immobilien ungebrochen ist. Nicht nur im Fußball, sondern auch bei Immobilien ist Deutschland derzeit spitze.“ Barbara Knoflach, CEO der SEB Asset Management AG und Präsidentin der Mipim-Award Jury zeigt sich über die Beteiligung und die Verschiedenartigkeit der Bewerber überrascht. Alle Kontinente seien vertreten. Es gäbe viele innovative Projekte, aber auch Standard-Strategien. Aber mit der Mehrheit habe es Spaß gemacht, sich in intensiven Diskussionen zu beschäftigen. Für Deutschland sind das Düsseldorfer Dreischeibenhaus der MOMENI Group und das Eckwerk Berlin im Rennen. Für die frühere Degi-Chefin und BVI Immobilienverantwortliche Bärbel Schomberg hat die MIPIM hat gezeigt, dass der deutsche Immobilienmarkt nach wie vor sehr attraktiv für ausländische Investoren ist. Unter den 93 Ländern, die sich hier auf der MIPIM präsentieren, spiele Deutschland eine Hauptrolle. Marco Scheurer, Leiter institutionelle Kunden der Züricher Notenstein Privatbank AG sieht die Immobilienmesse in Cannes als idealen Treffpunkt, um Termine mit den verschiedensten Player der Immobilienbranche zu planen. Praktisch alle wesentlichen Makler, Entwickler, Städteplaner, Journalisten und Asset Manager seien vor Ort. Als Repräsentant von Investoren sei es möglich, viele konkrete Besprechungen wahrzunehmen und gleichzeitig Trends in interessanten Immobilienprojekte aufzunehmen. Kritischer sieht Klaus Franken, Deutschland-Chef der Catella Property Group, das Umfeld. Er hört eine „Tsunami-Warnung an der Cote d´Azur“. Die nächste Kapitalwelle schlage auf der Croisette in Cannes auf. Verkauft werde, was nicht niet- und nagelfest sei. Verkäufer sollten dieses Jahr die Markt-Chance nutzen. Die enormen Kapitalströme suchten nach alternativen Anlagemöglichkeiten. Das bringe viel Bewegung in die Potentialstädte. Franken spürt viel Kreativität auf der Käuferseite. Statt starrer Ankaufsprofile ließe man sich jetzt  tatsächlich auf die Arbeit mit der Immobilie ein. (WR)

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