MPC lässt Fondsbranche rätseln

2.März 2010   

Kategorie: Der Immobilienbrief

Mit Ulrich Oldehaver (Jg. 67) verlässt einer der „alten“ Fahrensmänner die Fondsbranche. Er hatte den 1994 gegründeten Schiffsfondsinititiator mit dem berühmten Namen Münchmeyer Petersen Capital, heute MPC Capital AG bis 2005 zum ersten Eigenkapitalplatzierungsmilliardär, Gesamtmarktführer und Multimarktführer in den einzelnen Segmenten bei geschlossenen Publikumsfonds gemacht. Danach ging es bergab. Sinkenden Platzierungsergebnissen standen immer bemühtere Vertriebsanstrengungen gegenüber. Spätestens mit der Schiffskrise wurden die Probleme immer offensichtlicher. Die weitgehende Übernahme des Wettbewerbers HCI, die vom Markt zunächst als Symbol für eine generelle Branchen-Umstrukturierung interpretiert wurde und die den Siegeszug der „Fondsfabriken“ einläuten sollte, verschärfte die Situation.

Allerdings waren die Symptome des Rückgangs schon vor der Finanzkrise offensichtlich. Nach dem Knacken der EK-Platzierungsmilliarde ging es 2006 schon auf 848,8 Mio. Euro und 2007 auf 787,7 Mio. Euro runter. Jetzt wurden aus 476,8 Mio. Euro in 2008 nur noch 129,1 Mio. Euro. Die Kosten hatte MPC in den letzten beiden Jahren schon soweit gesenkt, dass rund 300 Mio. Eigenkapitalplatzierung ausreichen müssten, aber davon ist man jetzt weit entfernt. Die Probleme der Milliarden-Schiffspipeline und der HCI sind hier gar nicht berücksichtigt. Noch im August 2009 hatte Oldehaver in einem Reuters-Interview versprochen: „Für 2010 erwarten wir einen Überschuss im hohen einstelligen Millionenbereich.“ Bei Schiffen seien die Wertberichtigungen überwiegend durch. Hoffen wir es. Den Aktionären fehlt der Glaube. Der Abgang von Oldehaver lässt alle Interpretationen vom Damenopfer bis zum gerade noch rechtzeitigen Absprung offen.

Seit über einer Dekade beobachten wir MPC mit Bewunderung und auch Überraschung. 1999 bei der Vorstellung der Private Equity Produktlinie machte auf einer Tagung auf unsere Frage Oldehaver kein Hehl aus der Know how Ferne der MPC, aber das Know how habe man dazu gekauft. Als MPC in den ersten Jahren der Dekade dann mit Immobilienfonds Richtung Marktführerschaft stürmte, machten wir Oldehaver im Gespräch darauf aufmerksam, dass hier der Know how Zukauf wohl gefährlich sei. Oldehaver meinte damals, das sähe er anders. Das sollten wir in 10 Jahren erneut besprechen. Dazu wird es wohl nicht mehr kommen. Der Fairness halber müssen wir zugeben, dass mit etwas Glück bei der Portfoliobereinigung im Boom der Immobilienanleger bei MPC wohl ganz gut abschneiden wird. Insgesamt ist die Marktpositionierung von MPC völlig unklar. Die Volatilität des Fondsmarktes dürfte zugenommen haben, was wohl bedeutet, dass die Branchenmatadore generell keine Ahnung zur Zukunftsentwicklung haben. Wenn der Abgang von Oldehaver sich nicht als versehentliches Königsopfer herausstellt, dürfte aber die Nachfolge gut gelöst sein.

Der Co-Gründer von eFonds24, Alexander Betz (38) übernimmt die Nachfolge von Oldevaver. 2000 hatte er gemeinsam mit dem ehemaligen Fundus-GF Wolfgang Thiele eFonds24 gegründet. Nach unterschiedlichen Meinungen der beiden Gründer über die Geschäftspolitik hatte MPC schon Mitte 2001 alle Anteile von Wolfgang Thiele und anderen Finanzpartnern übernommen. Betz ist heute mit knapp 30% an der eFonds Holding beteiligt. MPC und Konzerngesellschaft HCI sind weitere HauptGesellschafter. Betz führte eFonds24 ab 2001 als unabhängiges Vertriebsportal und nicht mehr als Informationsplattform zum Erfolg. Nach Wechsel von Betz in den AR wird Christian Huber, seit der Gründung von eFonds 24 im Unternehmen, in den Vorstand der eFonds Holding berufen. Stephanie Klomp bleibt Vorstand für Finanzen und Organisation.

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