PlatowForum Family Office – Immobilien als Renditetreiber fürs Portfolio

Viele family offices haben derzeit ein Problem. Wie das Portfolio richtig allokieren, um den Renditeerwartungen des Patrons zu entsprechen? Das Platow Forum „Family Office“, das letzte Woche in Königstein stattfand, versuchte Lösungen zu bieten. Dabei zeigte sich vor allem die Immobilie als möglicher Renditetreiber.

 

Family Offices stehen vor einem Dilemma. Erstmals in der Historie der Kapitalmärkte sind sowohl Aktien- als auch Rentenpapiere nicht mehr in der Lage, einen Ertrag zu erwirtschaften, der den Renditeerwartungen entspricht. Reinhard Panse, Geschäftsführer und Partner der HQ Trust GmbH, die das Vermögen der Familie Harald Quandt verwaltet, setzt daher derzeit viel mehr auf alternative Anlageformen. Dazu zählen neben Privat Equity, Gold, und Hedgefonds auch Immobilien. Er schlägt eine Allokation von gut einem Viertel in Immobilieninvestments vor, um einer Renditeerwartung von 6% bei realem Kapitalerhalt und 1,5% Entnahmen erwirtschaften zu können. Besonders das Ertrags- und Schwankungsrisiko der illiquiden Anlageformen sieht Panse am geringsten an. Anleihen seien hingegen problematisch, so Panse. Hinzu komme, dass auch das Wertverlustrisiko bei Anleihen am höchsten sei. Er bevorzuge Private Equity Investments mit selektiver Investition in Immobilien, die zwar keinen so guten Inflationsschutz seit 1975 wie Aktien böten, jedoch auch im Vergleich weniger volatil seien und zumindest an guten Standorten einen Inflationsschutz bewahrt hätten (siehe Grafik). „Aufgrund des sehr niedrigen Zinsniveaus favorisieren die ansonsten stark eigenkapitalgetriebenen Family Offices derzeit die Aufnahme von günstigem Fremdkapital zum langfristigen Vermögensaufbau mit Immobilien. Zudem investieren derzeit immer mehr Family Offices in Value-Add-Immobilien oder Projektentwicklungen, um nach Aufwertung oder Entwicklung die Objekte günstiger im Bestand halten oder gewinnbringend veräußern zu können“, argumentiert auch Christoph Zapp, Geschäftsführender Gesellschafter des Immobilien-Multi-Famliy-Offices PAMERA Real Estate Partners.

 

Kann man mit Immobilien noch Geld verdienen?

 

Bei aktuell steigenden Kaufpreisen vor allem bei umkämpften Core-Immobilien und sinkenden Renditen fällt es schwer noch an eine Immobilien-Story mit Core-Immobilien zu glauben. „Die Immobilienanlage ist ein „Must-Have“ bei der strategischen Ausrichtung eines jeden größeren Privatvermögens. Bei guter Selektion leistet sie einen positiven Beitrag zur Wertbeständigkeit und Performanceverstetigung des Gesamtportfolios – gerade in Zeiten turbulenter Kapitalmärkte“, so Christoph Weber, Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Family Offices e.V. Barbara Knoflach, noch Chefin der SEB Asset Management plädiert in diesem Zusammenhang daher vor allem für Diversifikation über nahezu alle Assetklassen und Regionen hinweg. Auch die derzeit stark nachgefragte Mietwohnung sei mit Vorsicht zu genießen, so Knoflach. Schließlich würden von 7 Mio. Wohnungseigentümern 3 Mio. nichts verdienen und sogar 500.000 verlieren an der Vermietung ihr Kapital. Lediglich 18% der Eigentümer würden ein Plus von 5% oder mehr erwirtschaften können. Lt. Knoflach liegt die aktuelle Assetallocation von Family Offices, anders als bei Panse, bei 41%. Davon 84% in direkten Immobilienanlagen und 16% in indirekten Immobilienanlagen.

 

Knoflach fordert vor allem ein generationsübergreifendes Denken der Akteure, um Krisen auch einmal auszusitzen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Markt Schwankungen unterliegt, die immer wieder Investoren hervorbringt, die bereit sind Preisralleys mitzugehen. Immer mehr Family Offices versuchen derzeit dem Core-Hyp zu entgehen und investierten derzeit in Value-Add-Immobilien oder Projektentwicklungen, die zwar das deutlich höhere Risiko als Core-Immobilien aufweise, bei denen die Rendite jedoch deutlich höher ist, so Zapp.