Schöner Wohnen im Gasometer auf dem Euref-Campus in Schöneberg – Günter Jauch wird sich eine andere Bleibe suchen müssen

18.März 2015   

Kategorie: Der Immobilienbrief

 

Karin Krentz

Wie füllt man einen Stahlkoloss von 160 000 cm3 variablem Volumen, 1,1 Mio. t schwer und einer Stahloberfläche von 30 000 qm mit Leben? Wie überhaupt mit einem derartigen Ungetüm umgehen? Dieser Aufgabe „Bauen im Gasometer“ stellten sich ausgewählte Architektur-Studenten fünf deutscher Hochschulen in Berlin-Schöneberg im Rahmen des jährlichen Architekturwettbewerbs TRANSFORMATION des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.

Platz 1 - Adrian von Kaenel, Jean-Joel Schwarz, UDK Berlin, BIUTADer Gasometer in Berlin-Schöneberg, bekannt vor allem als Austragungsort der Talkshow „Günther Jauch“, ist Wahrzeichen des EUREF-Campus. Seine eigentliche Funktion hatte das Industriebauwerk aus dem vorletzten Jahrhundert bereits im Jahr 1995 verloren, als die Gasversorgung Berlins auf russisches Erdgas umgestellt wurde. Nun hieß es für die Studenten: Neues zu denken. Die Aufgabe des Architekturwettbewerbs des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft lautete, innerhalb des bestehenden Gasometer-Stahlgerüstes ein Wohnkonzept zu entwickeln, das auch Co-Working-Spaces, Ateliers, Gemeinschaftsräume, Räume für Fitness, Sport und Wellness integriert. Eingeladen zu dem Wettbewerb hatte der Kulturkreis auf Initiative Eckart John von Freyend, Aufsichtsratsvorsitzender der Euref AG.

Der 1. Platz ging an die Studenten Adrian von Kaenel & Jean-Joël Schwarz, UdK Berlin, beide Austauschstudenten von der Fachhochschule NordWestSchweiz in Basel. Sie überzeugten die Jury mit ihrem Entwurf „Biuta“ (Bienenkorb), einer Vision öffentlicher vielfältiger Nutzung des Bauwerks von unten bis ganz oben. Den 2. Platz erhielten Jessica Kroll und Larissa Geilen, TU Braunschweig mit dem Entwurf „Wind up“. Simon Mögel, Universität Kassel wurde für seinen Entwurf „LuftRaum“ mit einer Anerkennung geehrt. Matthias Böning/mfi, würdigte in seiner Funktion als Vorsitzende des Gremiums Architektur des Kulturkreises die Preisträger und betonte mehrfach die hohe Qualität aller Arbeiten und  die schwierige Entscheidungsfindung.  Doch auf ihr Preisgeld müssen die jungen Preisträger noch ein halbes Jahr warten. Das wird ihnen erst auf der 64. Jahrestagung des Kulturkreises in Karlsruhe überreicht.

Zukunft des Gasometers gesichert, aber Günter Jauch muss gehen

Der Euref-Campus ist ein ökologisch und ökonomisch nachhaltig orientierter  Büro- und Wissenschaftscampus, der Gasometer die zentrale Komponente dieses Standortkonzepts. Als Kooperationspartner dieses Architekturwettbewerbs erhofft sich die Euref AG zusätzliche innovative und mutige Impulse für die weitere Entwicklung des Stadtquartiers.

Insgesamt werden bis 2018 auf dem Campus 25 Immobilien unterschiedlichster Nutzungen (auch Wohnen) entwickelt mit einer Geschossfläche von ca. 165.000 qm, Investitionsvolumen: ca. 600 Mio. Euro. Chefarchitekt Johannes Tücks bemerkt in der intern erstellten Machbarkeitsstudie, dass eine Wohnfunktion  im Turm durchaus machbar sei, allerdings die oberen beiden Stahlringe frei bleiben müssen – Auflagen der Denkmalbehörde. Und auch für den Sockel hat Euref-Vorstand Reinhard Müller bereits konkrete Vorstellungen: eine Fläche von 5000 qm für eine Ausstellung zur Energiewende und ein Kongressbereich mit 800 Plätzen, Baubeginn 2018. Dann müssen sich die Talkshow und ihr Master wieder eine andere Bleibe suchen. Derart spektakuläre Immobilien wie einst die Blaue Kugel im Bikinihaus oder nun der Gasometer werden in Berlin langsam rar.

Siehe zum Euref Campus mit Interview Reinhard Müller auch Der Immobilienbrief Berlin Nr. 71 bzw. Der Immobilienbrief Nr. 310.

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