Temporäres Wohnen in Berlin

13.Oktober 2016   

Kategorie: Der Immobilienbrief

 

Der Mietwohnungsmarkt in Berlin ist einer der angespanntesten Deutschlands. Nicht nur , dass bezahlbarer Wohnraum an allen Ecken und Enden fehlt, die Mieten in exorbitante Höhen klettern und der wenige Neubau überhaupt nicht annähernd das Problem zu lösen imstande ist – nun kommen zu den hausgemachten Wohnungsproblemen noch äußere hinzu wie gesamtgesellschaftliche Trends und berufliche Anforderungen, die die Nachfrage zusätzlich stimulieren. Diese Auswirkungen auf den Berliner Markt hat Immobiliendienstleister JLL in Kooperation mit der Berlinovo Immobilien Gesellschaft (Berlinovo) im Report „Temporäres Wohnen in Berlin“ untersucht.

Das wichtigste Ergebnis: Es gibt einen Anstieg der Nachfrage nach temporären Wohnformen in Berlin. Grund: Da Flexibilität im Berufs- und Privatleben immer mehr an Bedeutung gewinnt, bedarf es darauf angepasster Wohnmöglichkeiten. Der Report basiert auf Recherchen von JLL im zweiten Quartal 2016 sowie einer Online-Umfrage unter rund 300 Marktakteuren in der Zeit von Mitte Juni bis Anfang Juli 2016. Neben Betreibern und Entwicklern nahmen Investoren, Banken, Makler und Berater an der Umfrage teil.

Die Nachfrage ist vielseitig, von unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen geprägt, so Roman Heidrich, bei JLL Team Leader Residential Valuation Advisory Berlin. Dabei ist das Produktangebot sehr  vielschichtig. Diverse Ausstattungsstandards und Serviceleistungen prägen den Markt der Spreemetropole“, sagt Heidrich. Zu den Marktakteuren zählen wohnungswirtschaftliche und nicht wohnungswirtschaftliche Anbieter, kleine und große Betriebe, viele professionelle internationale Betreiber und Entwickler sowie zahlreiche private lokale Anbieter, aber auch nationale Institutionen, internationale Investoren, Immobilienunternehmen und Banken.

Die Zahl der jeweils in Betrieb beziehungsweise Besitz befindlichen Wohneinheiten variiert und schwankt zwischen zehn bis 6.500 Wohneinheiten. Der größte Anbieter nach Anzahl der im Bestand befindlichen Wohneinheiten ist das Unternehmen Berlinovo Apartment. Mit 6.500 ermittelten Wohneinheiten liegt dieses vor allen anderen Anbietern für temporäres Wohnen in der Hauptstadt. Im Rahmen der Recherchen konnte JLL rund 60 professionelle Anbieter für temporäre Wohnformen identifizieren, die Zahl der Standorte im Stadtgebiet Berlin beläuft sich demgegenüber auf über 160.

Die meisten Anbieter sind in den Bezirken Mitte (26 Anbieter und 68 Standorte), Charlottenburg-Wilmersdorf (15 Anbieter und 25 Standorte) und Pankow (fünf Anbieter und 18 Standorte) vorzufinden. Die Standorte verdichten sich innerhalb der Bezirke an bestimmten Straßen wie dem Kurfürstendamm in Charlottenburg oder rund um die Torstraße in Mitte. Die durchschnittliche Monatsbruttomiete liegt zwischen 10 und 25 Euro/qm je nach Lage und Ausstattung. Doch der Markt ist intransparent, beklagt Heidrich, und die Abgrenzung zum Zweckentfremdungsverbotsgesetz fällt schwer, zumal viele dieser Anbieter sich nun auf dieses neue Terrain begeben.

Berlin ist auf temporäre Wohnformen angewiesen

„Berlin mit seinen Universitäten, seiner boomenden Start-up-Szene und einer hohen internationalen Zuwanderung ist auf temporäre Wohnformen angewiesen“, betont Roland Stauber von der Berlinovo. Im Auftrag des Senats plane das Unternehmen 2500 weitere vollfunktionsfähige Apartments auf kleinem Raum, die an Studenten vergeben werden sollen. Doch die Akzeptanz für weitere Entwicklungen sinke, so Stauber. Ein Hauptgrund liege in der Umwandlung der inzwischen illegalen Ferienwohnungen in möblierte, kurzfristig vermietete Apartments, vermutet Heidrich. Auch fehle auf dem angespannten Wohnungsmarkt vielen Berlinern das Verständnis für die Notwendigkeit solcher Angebote. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Anzahl der temporär betriebenen Wohn-Apartments, ohne Berücksichtigung der am grauen Markt befindlichen Apartments in Berlin, liegt aktuell bei ca. 11.000 Apartments. Zusätzlich beläuft sich die Zahl der am grauen Markt überwiegend privat angebotenen Apartments schätzungsweise auf noch einmal die gleiche Größenordnung.

Dennoch: Das Segment temporäres Wohnen scheint sich für Investoren zu rechnen, die Bauaktivität im Bereich des temporären Wohnens ist hoch, verfügbare Grundstücke derzeit eher knapp, kommentiert Roman Heidrich. Rund 60% der von JLL Befragten beklagen eine geringe bis sehr geringe Verfügbarkeit von Grundstücken in Berlin. KK

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