Auf ein Wort: Bob Aisner hält von US-Wohnungen mehr als von Büroimmobilien

 Rekordpreise und Aufholpotenzial

Schade, die Vertriebe sind für US-Immobilienfonds derzeit nur schwer zu begeistern. Das sagte Bob Aisner, Chef des amerikanischen Immobilieninvestors Behringer Harvard mit rund acht Milliarden Dollar in der Verwaltung, vor rund einem Jahr. Daran hat sich seiner Ansicht nach bislang nicht viel geändert, obwohl sich die Situation auf den US-Märkten deutlich entspannt hat.

Der Fondsbrief: Als wir uns vor einem Jahr unterhielten, waren Sie vorsichtig optimistisch in Ihrer Einschätzung der US-Immobilienmärkte. Hat sich der Optimismus bestätigt?

Bob Aisner: Seitdem haben sich weitreichende Veränderungen ergeben. Wir haben das Schlimmste hinter uns. In zahlreichen Städten sehen wir eine deutliche Verbesserung, die Zahl neuer Jobs ist gestiegen. Es geht voran.

FB: Das unterscheidet sich nicht großartig von dem, was Sie im Juni 2010 meinten.

Aisner: Inzwischen fließt wieder viel Geld in Immobilien. Die Käufer zahlen für Class-A-Objekte sehr, sehr hohe Preise. Oft mehr als vor der Rezession. Das ist ein entscheidende Unterschied verglichen mit der Situation noch vor einem Jahr. Der andere: Banken und Versicherer vergeben wieder Darlehen zu attraktiven Konditionen. Wurden im vergangenen Jahr Hypothekenkredite im Gesamtvolumen von zehn Milliarden Dollar ausgezahlt, sind es im ersten Quartal 2011 schon 40 Milliarden Dollar.

FB: An welchen Standorten sind die Preise besonders gestiegen?

Aisner: In New York und Washington kosten erstklassige Bürogebäude so viel wie 2007, in Chicago sehen wir sogar Rekordpreise. Auf breiter Front haben die Büromärkte meiner Ansicht nach jedoch noch Aufholpotenzial. Ich gehe dabei von zwölf bis 24 Monaten aus. Daher präferiert Behringer Harvard andere Assets. Wir sehen große Chancen bei vermieteten Wohnanlagen. Das Bevölkerungswachstum in den USA bietet hier beste Möglichkeiten. Mit großem Interesse beobachten wir außerdem den Hotel-Sektor.

FB: Ist es bei den gestiegenen Preisen für Investitionen in den attraktiven Märkten nicht zu spät?

Aisner: Das denke ich nicht. Wir haben in den beiden vergangenen Jahren kaum Neubauten gesehen, und das wird auch noch in den kommenden zwei, drei Jahren so bleiben. Gute Aussichten also für weiter steigende Preise.

FB: Den New Yorker Markt schätzten Sie im vergangenen Jahr noch zurückhaltend ein. Zu recht?

Aisner: New York hat sich schneller erholt als ich vermutet habe. Die Mieten sind teilweise außerordentlich gestiegen. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden mehr Verträge über 90 Dollar Jahresmiete pro Squarefoot abgeschlossen als im gesamten Jahr 2010.

FB: Wie groß ist die Gefahr, dass die staatlich gestützten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac abgewickelt werden?

Aisner: Eine ganze Reihe von Leuten geht von diesem Szenario aus. Ich aber nicht. Sollten Fannie Mae und Freddie Mac verschwinden, würde das Housing Business gravierende Probleme bekommen. Das kann niemand wollen.

FB: Wie schätzen Sie den Einzelhandel ein. Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen.

Aisner: Gegen Investitionen in ausgewählten Lagen und in Top-Objekte ist nichts zu sagen. Dort haben die Preise auch bereits wieder angezogen. Grundsätzlich sprechen aber zwei Gründe dagegen: Das gesunkene Konsumentenvertrauen und die hohen Bezinpreise. Wird das Tanken im Autoland USA teurer, können die Menschen weniger Geld für andere Sachen ausgeben.

FB: Schon bei unserem letzten Gespräch sahen Sie gute Gelegenheiten für einen US-Publikumsfonds, schätzten den Vertrieb aber zurückhaltend ein. Wie sehen Sie die Lage jetzt?

Aisner: Ich habe schon vor einem Jahr versucht, Vertriebe und Anleger von unserer Strategie zu überzeugen, auf vermietete Wohnimmobilien zu setzen. Aber der Markt war noch nicht reif dafür. Daran hat sich bei Privatanlegern leider noch nicht viel geändert. Großinvestoren auch aus Europa dagegen zeigen ein großes Interesse an US-Immobilien. Meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, denn zu jeder Zeit findet sich in den USA das richtige Immobilienprodukt. Jetzt erst recht.



Über den Autor

Markus Gotzi

 

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