Berlin wehrt sich gegen Arroganz der Lufthansa – Stellungnahme der IHK Berlin

16.August 2018   
Kategorie: News

Presseberichten zufolge hält die Lufthansa Berlin nicht für ein wirtschaftliches Zentrum. Dazu sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin

„Wenn Herr Lindemann (Cheflobbyist der Lufthansa, KK) von einer überschaubaren Wirtschaftskraft Berlins spricht, zeugt das von Unkenntnis. Ein Blick auf die Rahmendaten der Berliner Wirtschaft wäre sicher hilfreich gewesen:  An den Berliner Flughäfen steigen schon heute mehr Passagiere ein und aus als in München oder Frankfurt am Main. Und nicht nur Dax-Konzerne nutzen Flugzeuge für Geschäftsreisen und Luftfracht. Gerade die Berliner Industrie ist besonders international aufgestellt und erwirtschaftet 60 % ihres Umsatzes international. Jährlich exportiert Berlin Waren im Wert von gut 15  Mrd. Euro und hat ein Importvolumen von gut 14 Mrd. Euro ein nicht unwesentlicher Teil davon wird per Luftfracht transportiert. In den ersten sechs Monaten des Jahres kamen rund 6,4 Mio. Besucher nach Berlin, das sind 4,4% mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland stieg sogar um 4,7% auf 2,5 Milo. Darüber hinaus ist Berlin international gefragter Tagungs- und Kongressstandort mit einem Gesamtumsatz von 2,5 Mrd.  Euro. Im ersten Halbjahr 2018 kamen erstmals mehr als eine Million Kongressgäste aus dem Ausland – ein Wachstum zum Vorjahr um 10%. 171 diplomatische Vertretungen und 10 Vertretungen internationaler Organisationen haben ihren Sitz in der Stadt – und Berlin ist Regierungssitz.

Laut einer aktuellen Umfrage des Flughafenverbandes ADV ist die Hauptstadtregion übrigens das Ziel, zu dem die meisten Langstreckenpassagiere in Deutschland wollen.
Die historischen Gründe, die dazu geführt haben, dass Berlin bis 1989 in der wirtschaftlichen Entwicklung und Ansiedlung von Dax-Konzernen nicht mit anderen Regionen Deutschlands mithalten konnte, dürften hinlänglich bekannt sein. Wer sich jedoch die Wachstumsraten Berlins seit der Wende und insbesondere in den vergangenen Jahren ansieht, stellt fest, welches Potential die Stadt bietet. Momentaufnahmen und Verkürzung auf einzelne Standortfaktoren verstellen dagegen den Blick auf dieses Potential.
Oder geht es bei diesen Äußerungen nicht eigentlich darum, die Standorte in Frankfurt und München zu schützen? Aus Unternehmenssicht wäre das sogar verständlich. Das darf aber nicht dazu führen, eine ganze Wirtschaftsregion ohne sachliche Grundlage öffentlich zu diskreditieren.“

 

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