Berlin – Wieder bekommt die Europacity Zuwachs

Investor und Bauherr CA Immo verantwortet nun bereits das zweite Bürogebäude ebenso wie Wohnungen

Die Europacity am Hauptbahnhof in Berlin wächst nun sichtbar für alle, das städtebauliche Nirwana weicht peu à peu. Südlich des Bahnhofs gegenüber dem Kanzleramt entwickelt die österreichische CA Immo aus Wien nach den drei Hotelbauten (Meininger, InterCity und Steigenberger) sowie dem Tour Total (Deutschlandsitz des französischen Konzerns) mit seinen 17 Etagen (Investitionsvolumen 66 Mio. Euro) nun das bereits zweite Bürogebäude. Büroflächen werden langsam knapp in Berlin, sagt CA-Immo-Berlin-Chef Henrik Thomsen. Aktuell liegt der Leerstand bei ca. 5 bis 8 Prozent, je nach Maklerhaus. Die Projektpipeline ist fast leer, spekulative Bauvorhaben nicht in Sicht. Für das neue Gebäude mit 22.000 qm BGF auf dem Baufeld MK 7 ist mit der renommierten Rechtsanwaltskanzlei White & Case LLP ein Hauptmieter gefunden, ein zweiter ist mit dem Unternehmen Regus ebenfalls schon verpflichtet.

Visualisierung Baumassen Europacity Berlin

Visualisierung Baumassen Europacity Berlin

Das Areal der Europacity ist mit 40 Hektar doppelt so groß wie der Potsdamer Platz und bietet im Zentrum Berlins vielfältige Potenziale für weitere Ansiedlungen. Haupteigentümer der Flächen des Projektgebiets sind CA Immo (ca. 20 Hektar), die Deutsche Bahn AG (ca. 10 Hektar) sowie das Land Berlin (ca. 6 Hektar). Abzüglich der im Sommer 2012 veräußerten Grundstücksflächen in Berlin verfügt CA Immo derzeit noch über rund 2,3 Mio. qm. Landreserven bzw. Baugrundstücke in Deutschland. In der Europacity hat CA Immo im Jahr 2012 eine Gesamtfläche von 16.305 qm an Investoren veräußert, zuzüglich 900.000 qm in Lichterfelde.

Im Frühjahr 2013 wird für das neue Gebäude der Grundstein gelegt, Fertigstellung soll im 1. Halbjahr 2015 sein. 70 Mio. Euro investiert CA Immo. Gebaut wird nach den Plänen des Münchener Architekturbüros Moritz Auer. Geplant ist eine helle Natursteinfassade, großzügig verglast, wie sie schon erfolgreich kennzeichnend für den Tour Total ist (Architekturbüro Barkow Leibinger/Berlin). Selbstverständlich wird auch für das neue Gebäude ein DGNB-Zertifikat angestrebt, ohne ein solches Label geht vor allem im Büro-Neubau nichts mehr.

Architekten und Investoren lernen

Auch haben hier wohl Architekten und Investor gelernt, Architekturdebatten, wie sie es um die nur mittelmäßige Architektur des Meininger-Hotels gegeben hatte, nicht wiederzubeleben: CA Immo vergibt ihre Baufelder nicht mehr ohne Auflagen –  Architekten müssen an Wettbewerben teilnehmen und ihre Entwürfe vor dem Baukollegium der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher verteidigen. Diese „trägt“ dann auch gegebenenfalls Architekt und Investor behutsam zu einer städtebaulich verträglicheren Lösung wie bereits in anderen Fällen geschehen.

Nur für das Cube genannte Projekt auf Baufeld MK9 ist noch kein Mieter gefunden, dass dieser einmal die Deutsche Bahn AG sein könnte, ist nur ein Gerücht, denn diese hat ihren Mietvertrag im Sony-Tower bereits vor einiger Zeit bis zum Jahr 2020 verlängert.

Die nördliche Europacity

Dafür geht im nördlichen Teil der Europacity die Quartiersentwicklung voran. Das gesamte Quartier Europacity wird durch die später als begrünter Boulevard ausgebaute Heidestraße in zwei Bereiche geteilt. Während der Boulevard von Büro- und Geschäftsbauten flankiert wird, entstehen abseits der Hauptverkehrsstraße – insbesondere im Bereich des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals – hochwertige Wohnungen. Für das Entwicklungsgebiet wurde im Frühjahr 2008 ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einen Masterplan eingearbeitet, der im Mai 2009 durch den Senat von Berlin beschlossen wurde. Größere Park- und Grünflächen, eine Promenade am Kanal und ein zentral gelegenes neues Hafenbecken (Berliner Stadthafen) sorgen zudem für eine hohe Aufenthaltsqualität.

Mit dem Kunst-Campus, bestehend aus Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart, den Rieckhallen mit der Friedrich Christian Flick Collection, den Galerien in der Halle am Wasser, öffentlichen Ausstellungsflächen und vielen Künstlerateliers wurde bereits der erste Konzept-Baustein der Projektentwicklung umgesetzt.

Ein 2.800 qm großes, bisher zwischengenutztes Grundstück dort hatte CA Immo (damals noch Vivico) im Dezember 2010 an ein Schweizer Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen verkauft. Das Areal befindet sich am Berliner-Spandauer-Schiffahrtskanal in der Invalidenstraße direkt neben dem Hamburger Bahnhof. Ernst Basler+Partner will den Standort Deutschland ausbauen und errichtet einen Firmensitz mit sechs Geschossen und einer BGF von 4.500 qm.

Für das neue Wohnquartier am Kanal mit dem neu geschaffenen „Berliner Stadthafen“ veranstaltet CA Immo gemeinsam mit dem Land Berlin gegenwärtig den städtebaulichen Wettbewerb. Für eine Fläche von 32.000 qm wird das Baurecht noch in diesem Jahr erwartet. Dort sollen bald 625 Wohnungen, mehr als die Hälfte davon in Eigentum, stehen (Preise: 3.300 bis 3.880 Euro/qm).

Und was gibt es in der Europacity im Jahr 2013? Dann werden die Baufelder MK 8 und MK 4 in Angriff genommen. Auf die dort stattfindenden Projekte, Investoren  und Mieter darf man gespannt sein.