In Deutschland fehlen über 300.000 Pflegeheimplätze

19.Juni 2012   

Kategorie: News

In Deutschland werden bis 2020 zusätzlich über 210.000 stationäre Pflegeheimplätze und bis 2030 mehr als 320.000 neue Pflegeheimplätze benötigt. Der regionale Bedarf an zusätzlichen Pflegeheimplätzen fällt in den Städten und Kreisen Deutschlands sehr unterschiedlich aus. Während beispielsweise Berlin bis 2020 seine Pflegeplatzzahl um
über 31% (bis 2030 sogar um 47%) steigern muss, beträgt der Zusatzbedarf in Hamburg bis 2020 nur 16% (bzw. bis 2030 knapp 26%).
Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Pflegeheim-Marktstudie der Wüest & Partner AG und Ottenströer Immobilienwirtschaft I Regionalökonomie. Im Jahr 2009/10 waren laut des Statistischen Bundesamtes 2,34 Mio.
Menschen in Deutschland lebenden Menschen pflegebedürftig. Das entspricht einem Anteil von 2.9% der gesamten Bevölkerung. Allein zwischen 2003 und 2009 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um 12,6% gestiegen.

Dieser Anstieg wird in den kommenden Jahren anhalten. Trotz des zukünftigen Schrumpfens der Gesamtbevölkerung in Deutschland wird die Zahl älterer Menschen aufgrund der demografischen Alterung deutlich zunehmen. So wird entsprechend den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes bis 2030 mit einer Steigerung der über
60-Jährigen von 21,2 Mio. auf 28,5 Mio. Menschen (+34,5%) gerechnet. Noch deutlich stärker fällt die prozentuale Steigerung der Hochbetagten über 80 Jahre – eine Altersgruppe mit hohem Risiko der Pflegebedürftigkeit – aus.

Von den Pflegebedürftigen werden gegenwärtig 69% zu Hause und 31% in 11.600 Pflegeheimen mit über 845.000 stationären Pflegeplätzen versorgt. In 2009/10 lag der durchschnittliche Auslastungsgrad der verfügbaren Pflegeplätze in Deutschland bei 86,6%. Aktuell erreichen die östlichen Bundesländer sowie das Ruhrgebiet hohe
durch-schnittliche Auslastungsgrade. Die geringsten Auslastungsgrade sind in Rheinland-Pfalz, Berlin, Schleswig-Holstein und Hamburg zu beobachten.

Aufgrund eines starken Anstiegs der Anzahl der Hochbetagten werden bis 2030 laut Studie allein in Bayern über 50.000 neue Pflegeheimplätze benötigt. Nur noch Nordrhein-Westfalen hat bei den Bundesländern mit etwa 57.000 Pflegeheimplätzen einen höheren Bedarf. Bis 2030 hat bei den deutschen Metropolen Berlin mit etwa 16.000
zusätzlichen Pflegeheimplätzen den mit Abstand größten Bedarf. Dies entspricht 133 größeren Pflegeheimen mit jeweils 120 Pflegeplätzen. Im Vergleich zur Bundeshauptstadt sind die bis 2030 notwendigen 4.500 neuen Pflegeheimplätze in Hamburg überschaubar. Für München wird mit einem Zusatzbedarf von etwa 2.500, für Köln mit 2.300 und für Dresden und Leipzig mit jeweils 2.200 benötigten Pflegeheimplätzen gerechnet. Frankfurt am Main hat mit 1.100 zusätzlich notwendigen Pflegeheimplätzen einen geringeren Nachfragedruck zu erwarten. Die regional abweichenden Bedarfe sind auf Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung sowie regionalen Pflege- und Heimquoten zwischen den Städten zurückzuführen.

Deutsche Pflegeheime sind bei Immobilieninvestoren weiterhin begehrt. Neben dem demografisch bedingten Bedarfswachstum sind auch  langfristige Mietverträge mit professionellen Betreibern Grund für  das wachsende Interesse. Dem steht jedoch eine oft geringe Drittverwendungsfähigkeit von Pflegeheimen entgegen. Da Pflegeheime
Betreiberimmobilien sind, hängt der nachhaltige Erfolg, neben dem richtigen Standort, vor allem vom richtigen Konzept und der Professionalität und Bonitätsstärke des Betreibers ab. Zukünftig ist eine verstärkte Bildung von Pflegeheimketten zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen, Kostensynergien sowie verstärkter Markenbildung
zu erwarten. Der Nachfrageboom wird sich zwischen 2020 und 2050 ergeben, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab 1960 („Baby-Boomer“) alt und pflegebedürftig werden. Langfristig ist dann wieder mit sinkender Nachfrage nach Pflegeleistungen zu rechnen, da geburtenschwache Jahrgänge nachrücken. Deshalb besteht langfristig die Gefahr von
Überkapazitäten mit sinkenden Auslastungsgraden. Wird diese Bedarfsentwicklung beachtet, sollten die neuen Heime so konzipiert werden, dass eine spätere Umnutzung z.B. für Wohnen, Büro oder Hotel möglich ist.

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