Interview mit Hardy Rudolf Schmitz, CEO WISTA-MANAGEMENT GmbH, über …

Bild2eine mitunter chaotische Liebesbeziehung, Berlin und modernste Stadtentwicklungskonzepte sowie Adlershof als gute Adresse für Immobilieninvestoren

Die Zukunft Berlins liegt im besonderen im Südosten der Hauptstadt. Das war vor über 20 Jahren so nicht abzusehen. Heute ist dort auf einer Fläche von 420 ha eine Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien völlig neu entstanden – Berlin-Adlershof. Im Jahr 1990 waren da wissenschaftliche Institute, Fernsehstudios, Kasernen und ein ehemaliger Flugplatz aus dem vorletzten Jahrhundert. Über 24.000 Menschen arbeiteten dort vor der Wende, in der Akademie der Wissenschaften, beim Fernsehen der DDR oder waren bei der Armee stationiert. Mit der Abwicklung sämtlicher Institutionen drohte das Aus für die humanen Ressourcen und auch für die Immobilien.

Im Jahr 1991 begann auf Senatsbeschluss der Aufbau des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Adlershof (www.adlershof.de). „Die Dynamik ist irre, hier wird Zukunft gemacht. So aufregend kann Berlin sein“, zitierte Der Spiegel im Jahr 1995 den Optoelektroniker und Sprecher der Adlershofer Forscherelite, Professor Ingolf Hertel, der damals im beschaulichen Freiburg einen sicheren Posten aufgab, um im wilden Osten dabei zu sein.

Heute zählt Adlershof zu den 15 größten Wissenschafts- und Wirtschaftsparks weltweit wie der Technologiepark Sophia Antipolis bei Nizza in Frankreich oder der Triangle Research Park in South Carolina /USA. Nirgendwo sonst in Deutschland ist eine höhere Dichte universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zu finden. Berlin-Adlershof (Bezirk Treptow-Köpenick) ist einer der erfolgreichsten Standorte für Hochtechnologie in Deutschland und Berlins größter Medienstandort. Dort haben sich 1.003 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen (Stand: März 2014) angesiedelt – eingebettet in ein städtebauliches Gesamtkonzept, 15.450 Menschen finden dort Arbeit. Hinzu kommen 9.451 Studenten. (Lesen Sie bitte dazu auch DIB Berlin Nr. 77)

Kern ist ein Wissenschafts- und Technologiepark mit rund 459 Unternehmen und zehn außeruniversitären Forschungsinstituten. Sie konzentrieren sich auf Photonik und Optik, Photovoltaik und erneuerbare Energien, Mikrosysteme und Materialien, Informationstechnik (IT) und Medien, Biotechnologie und Umwelt, Analytik. Hinzu kommen sechs naturwissenschaftliche Institute der Humboldt-Universität zu Berlin (Chemie, Geografie, Informatik, Mathematik, Physik, und Psychologie). Die Medienstadt zählt 140 Unternehmen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Wissenschaft, Technologie und Medien ist ein Ensemble von mittlerweile 380 gewerblichen Unternehmen, Geschäften, Hotels, Restaurants, einem 66 ha großen Landschaftspark und 380 Eigenheimen entstanden. Hier stehen dem Wissenschafts- und Technologiepark große Flächen für weiteres Wachstum zur Verfügung. Auf einem Areal von 14 ha in unmittelbarer Nähe zum Campus der Humboldt-Universität, werden in den nächsten Jahren 1.400 Wohneinheiten für rund 2.500 Menschen entstehen.

Frage: Wie ist Ihre Beziehung zu Berlin?

Eine Liebesbeziehung, denn hier ist so viel in meinem Leben gut gelaufen. Die Geliebte aber hat Eigenschaften, die die Beziehung auch kräftig belasten. Sie verhält sich oft chaotisch, ist ziemlich unberechenbar aber überrascht immer wieder und duldet jede Menge Freiraum.

Frage: Worin sehen Sie den größten Beitrag Ihres Unternehmens für eine positive Akzeptanz des Standorts Berlin?

In Adlershof kann Berlin zeigen, was es drauf hat, bei der Schaffung einer neuen Industrie. Über 1000 Unternehmen, davon die meisten im Hightech-Bereich, solide finanziert, haben ein krisenresistentes Portfolio für weiteres Wachstum geschaffen. Jedes Jahr wächst der Standort mit gut über 500 neuen Arbeitsplätzen.

Frage: Das Finanzierungsklima im allgemeinen ist rauer geworden. Wie gehen Sie bzw. Ihr Unternehmen mit dem Leidensdruck um? Oder ist gar keiner?

Gerade für Unternehmen im Hightech-Bereich ist in der Tat die Finanzierung am Start, besonders aber beim Wachstum schwierig geworden. Meine Kollegen im Bereich der Gründungsbetreuung und ich nehmen daher gezielt Kontakt zu Venture Capital-Unternehmen auf und versuchen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. In diesem Bereich werden die Finanzpartner mit Business-Plänen geflutet. Da kann eine Empfehlung wichtig sein.

Frage: Wie haben Sie in die Immobilienbranche gefunden?

Ich bin in dieser Branche ein Sonderling mit Adlershof. Über Jahre hinaus war Adlershof ein Ort des Aufbaus und keine Adresse für reine Immobilieninvestoren.  Wir haben mit Fördermitteln Spezialgebäude für Gründer und KMU entwickelt und erfolgreich gefüllt. Dieses Konzept hat sich sehr bewährt. Das Portfolio von inzwischen 1000 Unternehmen schafft laufend neue Kunden für unsere Immobilieninvestoren. So ist Adlershof eine gute Adresse für Immobilieninvestoren geworden und ich mit einem guten Teil meines Engagements ein Immobilienmann.

Frage: Wie schätzen Sie die Perspektiven des Berliner Immobilienmarktes im Allgemeinen und speziell in Ihrem Tätigkeitsbereich ein?

Im Allgemeinen wächst Berlin zunehmend stärker, und das macht sich auch bei den gewerblichen Immobilien bemerkbar. In meinem Tätigkeitsbereich Adlershof kommen drei Faktoren zusammen: Der Ruf von Berlin, die laufend besser werdende Reputation von Adlershof und die Perspektive des Flughafens BER. Das führt zu einer bedingungslos positiven Sicht unserer Entwicklung.

Frage: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

1200 – 1300 Unternehmen,  gut 25.000 Mitarbeiter, deutlich über 10.000 Studenten, ca. 3500 Einwohner und die Position des führenden Technologieparks in Europa.

Frage: Wo birgt aus Ihrer Sicht die Metropole Berlin noch Potenzial in der Stadtentwicklung und warum?

Mein Spezialgebiet ist die Entwicklung von Wachstumsräumen rund um wissenschaftliche Einrichtungen. Wir engagieren uns neben Adlershof in Berlin-Schöneweide, einst Elektropolis (Stadt der Elektrizität) genannt. Dort entwickelt sich peu à peu auch im überregionalen Kontext ein neuer Wissenschafts- und Technologiestandort. Das kreative Klima direkt an der Spree schätzen leistungsstarke und weltweit erfolgreiche Unternehmen. 200 000 qm stehen dort für Ansiedlungen am Wasser zur Verfügung. Mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) haben sie eine der führenden Hochschulen Deutschlands im Bereich der Lehre und Forschung als Kooperationspartner in unmittelbarer Nähe. Darüber hinaus treiben wir mit unserem Know how die Entwicklung zur Nachnutzung des Flughafens Tegel durch die Tegel Projektentwicklungs GmbH ebenso voran wie die der Innovations-Zentrum Management GmbH (IZBM) in Berlin-Charlottenburg. Jüngstes Projekt aber ist die Mutation des  Südwestkorridors Dahlem zu einem kleinen, aber feinen Technologiepark. Wenn Berlin dieses dezentrale Konzept konsequent weiter verfolgt und ausbaut, verfolgt es eines der modernsten Stadtentwicklungskonzepte: Eine Wirtschafts- und Wissenschaftslandschaft verteilt und mitten in der Stadt – für kurze Wege, hohe Akzeptanz neuer Industrie und basierend auf den bereits gemachten Wissenschaftsinvestitionen. Also ein gut gemanagtes Netzwerk moderner attraktiver Standorte  statt singulärer Einzelprojekte.

Frage: Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Mitten auf der Tempelhofer Startbahn mit der Vorstellung, dass es gelingen wird, eine kluge Randbebauung mit Augenmaß zu schaffen.

Frage: Ihre Lieblingsimmobilie?

Unser traumschönes Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien und dessen Foyer gefüllt mit den Teilnehmern von „Jugend forscht“.

Frage: Und mit wem aus der Immobilien- oder Finanzbranche würden Sie einmal gerne zum Mittag/Abendessen gehen und warum?

Dem Entwickler des New Yorker Projektes einer neuen Wissenschaftsstadt auf Roosevelt-Island.