Interview mit Olaf Geist, Leiter Region West bei der aurelis Real Estate GmbH & Co. KG

30.August 2012   

Kategorie: News


Das Immobilienunternehmen aurelis verfügt bundesweit über etwa 800 Liegenschaften in Metropolen und Metropolregionen. aurelis vermietet Gewerbegrundstücke, Hallen oder Bürogebäude und erzielt damit langfristig stabile Mieterträge, 2011 lagen sie bei 82,6 Mio. Euro. Im Asset Management wertet das Unternehmen ausgewählte eigene Flächen und Objekte durch Revitalisierung, Sanierung oder Baumaßnahmen auf. Die Bandbreite der Nutzungen reicht von Logistik und Büro über Gastronomie und Freizeit bis Handel und Dienstleistung.  Eine weitere Kernkompetenz von aurelis ist die Flächenentwicklung. In Zusammenarbeit mit Kommunen entwickelt das Unternehmen Nutzungskonzepte für die eigenen Areale. aurelis saniert die Flächen, stellt Erschließung und Infrastruktur her und betreut die Projekte in der Regel bis Planungsrecht besteht. Ziel ist es, die baureifen Grundstücke anschließend zu veräußern.

Frage: Wie ist Ihre Beziehung zum Ruhrgebiet?

Ich komme nicht direkt aus dem Ruhrgebiet, habe aber hier studiert und den erfolgreichen Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Kulturlandschaft aus der Nähe und – je nach beruflicher Station – teilweise auch aus der Ferne beobachtet. Vor allem die IBA Emscher Park und die daraus resultierenden faszinierenden Projekte haben mir gezeigt, dass das Ruhrgebiet durchaus das Zeug zur Vorzeigeregion hat. Und ich mag die Menschen hier sehr: tolerant, herzlich und direkt – um den sprichwörtlichen heißen Brei wird nicht herumgeredet.  Hier wissen Sie nach kurzer Zeit, wie jemand wirklich „tickt“ – das ist einfach Mentalität des Ruhrgebiets.

Frage: Worin sehen Sie den größten Beitrag Ihres Unternehmens für das wirtschaftliche Vorwärtskommen des Ruhrgebiets?

Durch die Aufwertung von Brachflächen zu Stadtquartieren leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Innenentwicklung der Städte des Ruhrgebietes. Und durch die Vermietung von gewerblich genutzten Flächen betreiben wir Wirtschaftsförderung. Insgesamt tragen wir zur Stärkung der Wirtschaftskraft und zur nachhaltigen  Verbesserung des Erscheinungsbildes bei.

Frage: Das Finanzierungsklima im Allgemeinen ist rauer geworden. Wie gehen Sie bzw. Ihr Unternehmen mit dem Leidensdruck um?

In der Regel finanzieren wir unsere Investitionen in den Standort – zum Beispiel für Erschließungsmaßnahmen oder Refurbishment-Projekte – aus der eigenen Liquidität. Wir strukturieren unsere Prozesse so, dass Investitionen in Projekte und Erlös-Cashflows zeitlich möglichst dicht beieinander liegen. Bei unseren Hochbaumaßnahmen haben wir durch eine solide und transparente Baukostenermittlung sowie eine Vorvermietungsquote von etwa 70% in der Regel kein Problem bei der Organisation von Fremdkapital. Um unseren Kunden die Verhandlungen mit den Finanzierern zu erleichtern, sorgen wir für gesichertes Baurecht und ein markt- und standortgerechtes Nutzungskonzept bei unseren Grundstücken.

Frage: Wie haben Sie in die Immobilienbranche gefunden?

Nach dem Abitur entwickelte sich durch Gespräche mit Freunden und Bekannten ein Interesse an dem Spektrum zwischen Landschaftsplanung und Architektur. Durch weitere Recherchen stieß ich auf das Studienfach „Raumplanung“. Der interdisziplinäre Ansatz dieses Studiums hat mich fasziniert, und ich habe mich in Dortmund eingeschrieben. Die Begeisterung für diese Themen hat bis heute angehalten.

Frage: Wie schätzen Sie die Perspektiven des Immobilienmarktes im Ruhrgebiet und im Allgemeinen und speziell in Ihrem Tätigkeitsbereich ein?

Es wird auch künftig aufgrund des vergleichsweise niedrigen Preisniveaus im Ruhrgebiet schwierig sein, anspruchsvolle städtebauliche Leuchtturmprojekte ohne öffentliche Förderung wirtschaftlich umzusetzen.  Projekte wie die Grüne Mitte Essen oder Phönixsee Dortmund sind mit erheblichen öffentlichen Mitteln realisiert worden. Wichtig ist deshalb, dass wir mit den Kommunen eine Einigung über wirtschaftliche Fragen erreichen. Gleichzeitig entwickeln wir pragmatische und attraktive Standort-Konzepte, die eng an den individuellen Anforderungen und Möglichkeiten der künftigen Nutzer orientiert sind.

 

Dass wir mit unserem Ansatz richtig liegen, hat sich beispielsweise in Gelsenkirchen oder Dortmund gezeigt, wo zuerst unsere entwickelten Grundstücke bei den Bauträgern und später die Immobilien bei den Nutzern eine sehr große Nachfrage erfahren haben.

Frage: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

In zehn Jahren sehe ich aurelis als bundesweit tätigen Spezialisten für die Nachnutzung von Brachflächen jeder Art und einem soliden Bestandsportfolio mit den Leistungsschwerpunkten Asset Management/Vermietung, Landentwicklung und Revitalisierung/Neubau. Die Grundstücksentwicklung sollte dann noch etwa 20% des Wertes ausmachen, das Asset Management mit den Mieteinnahmen etwa 80%.

Frage: Was sind  – in Ihren Augen – Ihre größte Schwäche und Ihre größte Stärke?

Meine größte Schwäche ist die Leidenschaft für Borussia Dortmund. Meine größte Stärke: Mich auch freuen zu können, wenn Schalke gewinnt. Außer gegen Dortmund.

Frage: Was ist Ihr Lieblingsort im Ruhrgebiet?

Der Erich-Brost-Pavillon auf Zeche Zollverein. Er ist ein gelungenes Beispiel für die  Integration eines Neubaus in ein Industriedenkmal mit einem fantastischen Ausblick auf andere Lieblingsplätze von mir im Ruhrgebiet, z. B. den SIGNAL IDUNA PARK und die VELTINS-Arena. Aber auch Gasometer, Tetraeder oder  der Landschaftspark Nord sind Orte, die ich sehr mag.

Frage: Ihre Lieblingsimmobilie?

Mein Zuhause.

Frage: Und mit wem aus der Immobilien- oder Finanzbranche würden Sie einmal gerne zum Mittag/Abendessen gehen und warum?

Mit einem ehemaligen Bundesminister für Finanzen, der analytisches Denken, strategischen Weitblick und das Verständnis für gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge mit Lebenserfahrung verbindet: Helmut Schmidt.

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