Schlecker Pleite – Was Vermieter daraus lernen können

4.Juni 2012   

Kategorie: News

Aus der von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am 1. Juni verkündeten Abwicklung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker können Immobilieneigentümer aus Sicht von Joachim Stumpf, Geschäftsführender Gesellschafter der IPH Handelsimmobilien GmbH, einem Tochterunternehmen der BBE Handelsberatung GmbH, vor allem eine Lehre ziehen: Die richtige Positionierung und die Wettbewerbsfähigkeit der Mieter entscheiden wesentlich über deren nachhaltigen Erfolg am Markt und müssen daher vor Abschluss des Mietvertrags intensiv analysiert werden.

Joachim Stumpf

Joachim Stumpf

Für Experten zeichnet sich die Schieflage eines Handelsunternehmens bereits frühzeitig ab. So ist auch Stumpf von der am vergangenen Freitag verkündeten Abwicklung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker nicht wirklich überrascht.

„Ich habe von Anfang an wenig Hoffnung für eine Schlecker-Rettung gehabt“, so Stumpf weiter, „im Gegensatz zu früheren Problemfällen im Einzelhandel gab es bei Schlecker nichts, das Anlass zur Hoffnung gegeben hätte. Symptomatisch dafür ist auch die Tatsache, dass sich etwa bei Insolvenzfällen wie Hertie, Karstadt etc. die Öffentlichkeit engagiert für den Erhalt der Unternehmen eingesetzt hat. Schlecker aber trauert fast kein Verbraucher nach.“

Aus Sicht der IPH Handelsimmobilien gab es bei Schlecker in allen für den Erfolg eines Handelsunternehmen relevanten Profilierungsfaktoren wie Standort, Preis, Sortiment, Mitarbeiter, Marketing, Erscheinungsbild und Service keinen Wettbewerbsvorteil. Lediglich die Standorte von Ihr Platz würden eine hohe Drittverwertbarkeit durch ihre homogene Lage in guten Innenstadtlagen aufweisen. „Während die Wettbewerber dm und Rossmann seit Jahren auf großzügige Läden, moderne Eigenmarken und Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit setzen, hatte Schlecker mit seinem Allerweltssortiment die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, analysiert Stumpf, „ob Standort, Preis, Sortiment, Service oder Marketing, überall lag Schlecker deutlich hinter den Konkurrenten. Darüber hinaus war das Image der Marke extrem negativ belastet.“

Eine fundierte Standortanalyse für eine Einzelhandelsimmobilie muss sich daher mit der Zukunftsfähigkeit der Betreiberkonzepte befassen, weil der Hyperwettbewerb von Online-Handel gegen Offline-Handel, Großstadt gegen Kleinstadt und City gegen Peripherie eine schnellere Erosion von Konzepten mit sich bringt. Dies gilt sowohl für die Neuplanung als auch für die Revitalisierung von Handelsimmobilien.

Stumpf: „Durch mangelhafte Konzepte können Projekte schnell zum Millionengrab werden. Investitionen in Handelsimmobilien brauchen von Anfang an eine fundierte Einschätzung der Unternehmenskonzepte der Mieter. Durch das Scheitern von Schlecker stehen jetzt schlagartig Tausende von Vermietern vor der Frage der Drittverwendungsmöglichkeit ihrer Flächen.

Die IPH Handelsimmobilien geht davon aus, dass ein Großteil der rund 2.800 Schlecker-Filialen gar nicht mehr für moderne Handelskonzepte geeignet sind und entweder langfristig leer stehen werden oder rasch einer anderen Nutzungsart zugeführt werden müssen.

www.iph-online.de

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