WMD-Exklusiv-Forum – Branche hat sich erst teilweise wieder erholt

Fondsanbieter im Visier der Massenmedien

 Warum kommt die Branche geschlossener Fonds in vielen Publikumsmedien so schlecht weg? Belege dafür gibt es aus jüngster Zeit genug. Beispielhaft dafür sollen hier der Artikel in der Wirtschaftswoche stehen („Die wohl schlechteste Geldanlage der Welt“) und ein Radio-Feature, das der WDR vor einigen Wochen ausstrahlte, und in der die Initiatoren geschlossener Fonds in einen Topf geworfen wurden mit der Nigeria-Connection und anderen Verbrechern (siehe auch Editorial im Fondsbrief Nummer 134).

 „Müssen Sie sich eigentlich schämen? Immerhin konzipieren und verkaufen Sie die schlechteste Kapitalanlage der Welt.“ Diese Frage eröffnete eine lebhafte Diskussion als Startschuss des achten „Exklusiv-Forums“, eine Veranstaltung des WMD-Brokerchannels von Friedrich Wanschka.

 Es ist nicht die Art des Fondsbrief, Kollegenschelte zu betreiben, aber in diesem Fall fordern die WiWo-Redakteure Widerspruch nicht nur bei den Initiatoren, sondern auch bei uns heraus. Ansonsten müssten wir uns die Frage stellen, warum wir uns überhaupt mit Fonds beschäftigen. Denn natürlich ist nicht alles grottig, natürlich haben Anleger mit Beteiligungen an Immobilien, Schiffen und anderen Assets Geld verdient, natürlich wirtschaften nur die wenigsten Initiatoren vor allem in ihre eigene Tasche. Und ja, natürlich gibt es Anbieter, die entweder keine Ahnung haben oder kriminelle Energie einsetzen. Aber einer ganzen Branche pauschal zu unterstellen, sie bestehe nur aus Amateuren und Gaunern, ist nicht angebracht.

 Mit überzogener Kritik muss die Branche umgehen. Da nutzt es auch nur am Rande, dass kmi in der Vergangenheit Nachwuchsredakteuren das Thema geschlossene Fonds näher bringen wollte. Alles schön und gut – doch wenn die These feststeht „Wir würgen den Fondsanbietern mal einen rein“, hat Aufklärungsarbeit wenig Zweck.

Was gar nicht geht, ist der Versuch, die Fachpresse vor den Karren zu spannen, wie von manchen gefordert. Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein. Wir sind Beobachter und Berichterstatter, wir informieren und kommentieren. Mehr nicht.

 Was beschäftigt die Branche sonst noch außer schlechter Presse? Natürlich die schwachen Umsätze im angelaufenen Jahr, die auf kein gutes Gesamtergebnis hindeuten. Vor allem Anbieter von Schiffsfonds jammern über magere Geschäfte. Doch hier erwarten Initiatoren und Vertriebe eine Wende. So rechnet Manfred Brenneisen damit, dass es gerade die Schiffsfonds sind, die den Umsatz ankurbeln werden. Er geht davon aus, dass in drei bis vier Jahren wieder ein zweistelliges Milliardengeschäft beim Eigenkapital möglich ist. Entscheidend wird meiner Meinung nach sein, wie sich die Zinsen entwickeln. Galoppieren sie davon, geraten die Fonds von zwei Seiten in die Klemme. Zum einen durch die Rendite-Konkurrenz der Zinspapiere. Zum anderen, weil schlechtere Konditionen Druck ausüben auf die Fonds-Renditen.       Was beschäftigt die Fondsbranche?

 Schiffe waren ein großes Thema der Veranstaltung. Die typischen Anbieter sind noch immer schwer genervt, weil sich Vertriebe und Anleger weiter zieren. Wobei sich durchaus neue Chancen bieten. Michael Rathmann sieht Möglichkeiten vor allem bei den Feederschiffen, zu denen er inzwischen sogar Frachter mit bis zu 6.000 Containerstellplätzen zählt.

Grund für seinen Optimismus ist die zunehmende Bedeutung von Hub-Häfen. In diese Häfen mit großem Tiefgang können die riesigen Containerschiffe mit 13.000 und mehr TEU andocken. Hier wird die Fracht auf kleinere Schiffe verteilt, die dann ihrerseits eine Vielzahl von kleineren Häfen ansteuern. Als Beispiel für diese Entwicklung nannte Rathmann den Hafen von Tanger in Marokko. Aktuell werden dort drei Millionen Container umgeschlagen. Im Jahr 2014 sollen es acht Millionen sein, was Tanger in die Top-20 weltweit hieven würde.

 Eine schöne Story, aber sie muss den Nerv zunächst der Vertriebe treffen. Und hier würden die Banken weiterhin abwinken, wie Hannover-Leasing-Vertriebsleiter Jens Freudenberg zu bedenken gab. Die freien Vertriebe scheinen dem Thema offener gegenüber zu stehen. Wobei Jan Bäumler von IC Consult einräumte, dass die Vermittler noch immer große Angst haben, ihre Kunden zu verprellen: „Unsere Branche hat immer das Problem: Wenn etwas Negatives passiert, trägt stets der Vertrieb oder der Initiator die Schuld, aber niemals der Markt.“

 Weil auf den Vertrieb zusätzliche Pflichten zukommen, werde das Geschäft schwieriger, prophezeite Uwe Kremer von Kapitalmarkt intern. Das dürfte den Umsatz weiter bremsen, zumal der Vertrieb geschlossener Fonds derzeit kein Selbstläufer sei. Fraglich sei außerdem, wie groß das Heer der freien Finanzdienstleister künftig ist. Sollte es keine „Alte-Hasen-Regelung“ für erfahrene Vermittler geben, müssten nach Schätzungen der Bundesregierung 80.000 Vermittler eine Sachkundeprüfung ablegen. Diesen Aufwand wird nicht jeder auf sich nehmen, vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der freien Vermittler auf die Rente zusteuert.

 Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hat nicht nur das Alter seiner rund 30.000 Mitglieder abgefragt. Vorstandsmitglied Carsten Brückner zitierte aus den Ergebnissen des AfW-Vermittlerbarometers 2011. So wollten die meisten Finanzdienstleister reguliert werden, allerdings nicht so, wie sich Finanzminister Wolfgang Schäuble das vorstellt. So strebe der Löwenanteil der Vermittler eine gewerbliche Regulierung an, so Brückner.

 Allerdings geht es den meisten im AfW organisierten Vertrieblern weniger um geschlossene Fonds als vielmehr um Investmentfonds. Mehr als 90 Prozent der im Barometer befragten Mitglieder streben eine Erlaubnis nach Paragraf 34 f für diese Kapitalanlage an. Geschlossene Fonds wollen mit dieser Genehmigung künftig nur 60 Prozent verkaufen.

 Bei aller Zustimmung zu einer Regulierung in ihrem Sinne – ihre Provisionen wollen die freien Finanzdienstleister auch künftig nicht offenlegen. Darauf würden sich weniger als zehn Prozent von ihnen einlassen.



Über den Autor

Markus Gotzi

 

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