Die Immobilienbranche entdeckt Holz als Baustoff 

Wildspitze, Woodie und SKAIO

Hamburgs jüngster Stadtteil Hafencity bekommt eine weitere aufsehenerregende Immobilie – ein Hochhaus mit 18 Geschossen aus Holz und interessanter Nutzung, genannt „Wildspitze“.

Baustart für Deutschlands erstes Hochhaus ganz aus Holz

Baustart für Deutschlands erstes Hochhaus ganz aus Holz

Im östlichen Teil des Stadtteils, auf der Kaianlage des Baakenhafens, baut die Garbe Immobilien-Projekte und die Deutsche Wildtier Stiftung für etwa 100 Mio. Euro Deutschlands höchstes Holzgebäude.

Dieses soll auf 18 Stockwerken bzw. 64 m Höhe 132 Eigentumswohnungen sowie in einem Sockelgebäude 58 geförderte Wohnungen beherbergen, dazu Ausstellungsräume zum Thema Natur- und Artenschutz sowie Büros für 35 Mitarbeiter der Wildtier Stiftung.

2021 soll die „Wildspitze“ nach den Plänen des Hamburger Architekturbüros Störmer Murphy and Partners stehen. Mit Ausnahme der aussteifenden Treppenhauskerne werden sowohl die tragenden Bauteile als auch die Gebäudehülle vollständig aus Holzwerkstoffen hergestellt. Damit liege man beim Rohbau etwa acht bis elf Prozent über den herkömmlichen Baukosten, heißt es bei Garbe. Die Deutsche Wildtier Stiftung wird Eigentümer der von ihr genutzten Flächen (4.400 m²), die geförderten Wohnungen werden voraussichtlich an institutionelle Anleger veräußert.

Die Stiftung wird auf rund 2.200 m² über zwei Ebenen eine multimediale Ausstellung zu den Wildtieren Deutschlands und ihren Problemen mit den Menschen schaffen. Dabei sollen Elemente einer „augmented reality“, einer erweiterten Realitätswahrnehmung, eingesetzt werden, damit Menschen sich in die Situation der Tiere hineinversetzen können. Neben der Ausstellung wird Deutschlands erstes Naturfilm-Kino mit Tierfilmproduktionen und ökologischen Dokumentarfilmen Besucher anlocken. Als drittes Element sind naturpädagogische Angebote geplant, bei denen Kindern und Jugendlichen lebendiges Naturwissen vermittelt wird. Ein gastronomisches Angebot wird das Konzept ergänzen.

Die Garbe Immobilien-Projekte GmbH will sich mit diesem Projekt auch den Herausforderungen des zukünftigen Bauens stellen, indem durch Verwendung eines hohen Anteils nachwachsender Rohstoffe und der damit verbundenen Reduzierung des Energieverbrauchs und der Kohlendioxidemission während des Bauprozesses ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird.

„Der Planungs- und Bauprozess wird weitreichende Erkenntnisse im Hinblick auf die Verwendung von Holz im Hochbau ermöglichen“, sagte Georg Nunnemann, Leiter Projektentwicklung bei Garbe bei der Vorstellung des Projekts. Der Architekt der Wildspitze Jan Störmer: „Das Spektrum an intelligenten und zukunftsweisenden Ansätzen im gesamten Planungs- und Bauprozess mit Holz ist groß – die Zeit ist reif, die vielfältigen Möglichkeiten auszuschöpfen“.

Holz rückt in den Fokus

Eine Sichtweise, die sich durchzusetzen scheint. Bundesweit und auch international scheint der Baustoff Holz in den Fokus zu rücken, dem Bauen mit Holz gehört die Sympathie der Zeitgenossen, zumal Holz beim modernen Stand der Materialtechnik bei Wärmedämmung, Lärm- und Brandschutz keine Nachteile mehr gegenüber anderen Baustoffen aufweist. Diverse Projekte tragen den Holzbau in die Metropolen und über die Hochhausgrenze hinaus.

Es gibt aktuelle Planungen in Wien mit 24 Stockwerken, gebaute Beispiele in Vancouver, Bergen und London. Hierzulande kommt Holz derzeit verstärkt im Zusammenhang mit der Wohnungsnot in Ballungsgebieten ins Spiel. Beim seriellen Bauen bzw. im Modulbau wird mit Hilfe des hohen Vorfabrikationsgrads die Bauzeit signifikant verkürzt und Flächenpotentiale durch Verdichtung und Aufstockung besser ausgenutzt.

Viele Wohnungsunternehmen, darunter die Bochumer Vonovia, will aus diesen Gründen stärker auf Holz setzen. Das laut Vonovia erste seriell produzierte Mehrfamilienhaus Deutschlands steht im Bochumer Stadtteil Hofstede. Es ist ein Holzhybridgebäude aus 45 Holzmodulen und soll der Auftakt zu einer Großserie von Häusern in ganz Deutschland sein. In der Rekordzeit von drei Monaten wurde das dreistöckige Haus mit 14 Wohnungen,  hochgezogen und zwar innerhalb einer bestehenden Vonovia-Siedlung.

International für Interesse sorgte das sechsgeschossige Studentenwohnhaus im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, bekannt geworden durch die Internationale Bauausstellung IBA (2006 bis 2013). Hamburgs größtes Holzhaus bietet 371 Studentenwohnungen in Holzmodulbauweise, die Module sind inklusive Innenausstattung komplett vorgefertigt. Die  tragende Sockelkonstruktion im Erdgeschoss wird aus Stahlbeton gefertigt, desgleichen die Fahrstuhlschächte sowie die Treppenhäuser.

In Heilbronn errichten die Stadtsiedlung Heilbronn und Züblin gemeinsam das zehngeschossige Hochhaus SKAIO nach den Plänen des auf Holzbau spezialisierten Berliner Architekturbüros Kaden+Lager. Das 34 Meter hohe Gebäude entsteht im Rahmen der Bundesgartenschau 2019. Mit einer oberirdischen Bruttogeschossfläche von 5.685 m² bietet es Platz für 60 Mietwohnungen mit insgesamt 3.300 m² Wohnfläche. In die Gewerbefläche im Erdgeschoss wird eine Bäckerei einziehen. Das Gebäude wird in Holz-Hybrid-Bauweise von Züblin Timber errichtet. Wände und Decken sind dabei aus Holz und werden den überwiegenden Teil der Konstruktion ausmachen. Auch hier sind Sockelgeschoss und Treppenhaus aus Stahlbeton. Die Fassade wird von außen mit Aluminium-Platten verkleidet. Zum Auftrag der Stadtsiedlung zählt außerdem ein zweiter Holz-Hybridbau mit fünf Stockwerken.

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Kommentare
Ein Kommentar zu “Die Immobilienbranche entdeckt Holz als Baustoff ”
  1. Doris C. Aichinger sagt:

    Massivholz-Systeme sind wirklich genial, es wäre interessant, ob es sich bei diesem Projekt um verleimte Vollholzbauteile oder um ein gedübeltes Holzbau-System handelt!? Dann wäre der Naturgedanke duchgängig vollzogen.

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