Im Gespräch… Wolfgang Dippold, Project Gruppe über die aktuelle Standorterweiterung

24.Juni 2015   

Kategorie: Der Fondsbrief

In der Metropolregion Nürnberg und in Berlin liegen historisch betrachtet die Investitionsschwerpunkte der fränkischen Project Gruppe aus Bamberg.

Auch in Hamburg, Frankfurt und München errichtet das Unternehmen Wohnanlagen, die über geschlossene Fonds für private Kapitalanleger und institutionelle Investoren finanziert werden. Künftig ist Project auch in der Region Rhein-Ruhr aktiv. Und mit Wien steht der Einstieg in den ersten europäischen Markt bevor. Über die Expansionsstrategie sprach der Fondsbrief mit Wolfgang Dippold, Geschäftsführer der Project-Gruppe.

Der Fondsbrief: Welche besonderen Investitionschancen erwarten Sie in der Region Rhein-Ruhr?

Wolfgang Dippold: Es geht um eine breitere Aufstellung für weiteres Unternehmenswachstum und mehr Unabhängigkeit von Entwicklungen in einzelnen Metropolregionen. Beispielsweise in München wissen wir nicht, ob wir auch in Zukunft noch genügend Grundstücke zu vernünftigen Preisen bekommen. Wir haben erst kürzlich wieder zwei Mal erlebt, wie Verkäufer bei einer Reihe von Interessenten um einen höheren Preis pokern. Köln und Düsseldorf zählen zu den Top-Seven in Deutschland und damit zwangsläufig zu den Standorten in denen wir aktiv sein wollen. Den Eintritt haben wir lange vorbereitet.

Der Fondsbrief: Stuttgart fehlt noch aus den Top Sieben.

Wir sehen derzeit keinen Ansatz, Stuttgart in unsere Erweiterungspläne zu integrieren. Stuttgart hat durch seine Kessellage ein sehr begrenztes Flächenangebot. Dort ist die Situation ähnlich wie in München. Die Grundstückspreise sind in der Regel bereits zu teuer.

Der Fondsbrief: In Köln und Düsseldorf sind Grundstücke auch nicht gerade günstig.

An unseren Metropolstandorten sind die Preise generell nicht günstig. Wir rechnen mit quer laufenden oder leicht sinkenden Märkten und wollen im kommenden Jahr das erste Grundstück erwerben. Die Investmentstrategie unseres Hauses funktioniert aufgrund unserer Wertschöpfungskette und Vorgehensweise unabhängig von steigenden Märkten.

Der Fondsbrief: Definieren Sie die Rhein-Ruhr-Region nur als Köln und Düsseldorf, oder zählt das Ruhrgebiet dazu?

Wir haben einen hohen Kostenaufwand, um eine neue Region zu erschließen. Diese Kosten werden von unserem Asset Manager und nicht von den Fonds getragen. Wir konzentrieren uns auch deshalb auf die attraktivsten Kerngebiete, und das sind die Metropolen Köln und Düsseldorf. Hierzu zählen für uns jeweils das Stadtgebiet und der Speckgürtel, aber keine Städte dazwischen wie Essen und Mühlheim. Wir suchen zunächst die Verantwortlichen für die Region, die die regionalen Gegebenheiten kennen. Wir schaffen unsere regionale Präsenz und entwickeln unsere Beziehungen zu Partnern bei der Grundstücksakquise, Planungsämtern und Handwerkern. Wichtig ist es, eine dauerhafte Pipeline aufzubauen. Wenn wir in Kürze ein Grundstück finden, ist das schön. Müssen wir noch 18 Monate warten, haben wir damit auch kein Problem. Und sobald sich die ersten Grundstücke in der Planung befinden, werden die eigenen Bauleiter eingestellt und Verkäufer für die Wohnungen.

Der Fondsbrief: Wer finanziert die Grundstücke?

Unsere zukünftigen Publikumsfonds und möglicherweise auch künftige Angebote für institutionelle oder semiprofessionelle Investoren. Beim Exit steht wie gehabt der aufwändige Einzelverkauf der Wohnungen an Eigennutzer im Vordergrund. Die Vermarktung des Gesamtobjektes an große Kapitalanleger funktioniert in steigenden Märkten, was in Zukunft aber auch in diesen Regionen nicht ständig der Fall sein wird. Bei quer laufenden Märkten, mit denen wir künftig immer häufiger rechnen, funktioniert der Einzelverkauf an den Eigennutzer planbarer und stabiler.

Der Fondsbrief: Kommen wir von der Rhein-Ruhr-Region zu Wien.

Seit drei Jahren beschäftigen wir uns mit der österreichischen Hauptstadt, sind darüber hinaus aber auch dabei, weitere Standorte zu analysieren, zum Beispiel Zürich in der Schweiz.

Der Fondsbrief: Ist Wien der erste Schritt von einem regionalen Entwickler zu einem mit internationaler Ausrichtung?

Das würde ich so nicht sagen, zumal wir gleichzeitig unsere Präsenz hierzulande verstärken. Project sehe ich künftig als Unternehmen mit Schwerpunkt Deutschland und internationaler Ergänzung. Wir stellen uns bei unserer konstanten Wachstumsstrategie immer die Frage: Wie viele Wohnungen lassen sich stabil verkaufen. Und da sind wir in Wien auf ermutigende Ergebnisse gekommen. So lag der Zuzug in Wien im vergangenen Jahr bei etwa 30.000 Personen.

Der Fondsbrief: Warten die Österreicher auf ein deutsches Projektentwicklungsunternehmen?

Wo in der Welt wartet jemand auf ein deutsches Unternehmen? Aber Wien ist ein offener Markt, der zusätzliche ausländische Player durchaus positiv sieht. Und gleichzeitig ist Wien ein großer Markt mit hohem Potenzial und Altbeständen, die neu am Markt positioniert werden müssen. Die Sprache passt, die rechtlichen Rahmenbedingungen sind uns bekannt. Anders als in Deutschland, wo das Chancen-Risiko-Verhältnis bei Neubauten günstiger ist, können wir uns in Wien auch Sanierungen vorstellen. ¨

 

 

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