Schifffahrtsstandort Deutschland am Ende?

9.August 2012   

Kategorie: Der Fondsbrief, News

Michael Rathmann

Der Schifffahrtsstandort Deutschland benötigt politische Hilfe um zu überleben. Geschieht nichts, ist der Süden Europas mit unserem Geld gerettet, aber die Schifffahrt in Deutschland tot!

Die Containerschifffahrt liegt am Boden und es ist kurzfristig nicht absehbar, wann diese Situation vorüber sein wird. Das Charterratenniveau ist so niedrig, dass die Schiffe nur noch Ihre Schiffsbetriebskosten verdienen, für den Kapitaldienst reicht es nicht. Die Banken werden immer restriktiver in ihrer Geldvergabe und lehnen die Zwischenfinanzierung von Betriebsmitteln kategorisch ab. Die Commerzbank hat Ende Juni 2012 sogar angekündigt, sich aus der Schiffsfinanzierung komplett zurückzuziehen.

Vier sehr schwierige Jahre in Folge haben besonders die Containerschifffahrt in Deutschland in existenzielle Not gebracht. Das Hauptproblem in der Containerschifffahrt liegt in dem Preiskrieg und

Verdrängungswettbewerb, den die großen Linienreedereien, allen voran Maersk, 2011 erbittert untereinander ausgetragen haben. Der Versuch, Wettbewerber über die Senkung der Frachtraten aus dem Markt zu drängen, ist kläglich gescheitert und wie in jedem Krieg gab es am Ende der Schlacht nur Verlierer. Nachdem die Linienreeder dadurch riesige Verluste erlitten haben, wurden die Frachtraten für den Transport der Container ab Ende des ersten Quartals 2012 wieder deutlich gesteigert, aber nicht die Charterraten für Containerschiffe, die man für diesen Transport benötigt.

Die großen Linienreedereien, die diese Situation ausgelöst haben, sind nicht daran interessiert, dass sich die Charterraten in absehbarer Zeit wieder erholen und halten sie deswegen niedrig. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch, um die Verluste aus 2011 zu kompensieren. Moralisch kann man sie nur verurteilen, denn dadurch liegt die Containerschifffahrt in Deutschland am Boden.

Deswegen ist es notwendig, dass die Politik in Berlin aufgerüttelt wird und sich den Problemen der Schifffahrt zuwendet. Wenn nicht in kürzester Zeit Maßnahmen ergriffen werden, die der Schifffahrt helfen, dann wird binnen Jahresfrist ca. 70% der deutschen Schifffahrt nicht mehr existieren und das ist gleichbedeutend mit dem Verlust eines großen Teils der rd. 160.000 Arbeitsplätze, die es im Bereich der Schifffahrt in Deutschland gibt.

Verblüffend sind die Aussagen der schiffsfinanzierenden Banken gemeinsam mit den Reedern und den Eigenkapitalgebern Lösungen in der aktuellen Krise finden zu wollen und staatliche Hilfen ablehnen. Sind wir in einer Realsatire angekommen oder handelt es sich um eine Kontradiktion bisher gelebter Praxis?  Seit 4 Jahren sind  die Probleme vorhanden und die Reaktionen der Banken haben sich keinen Deut geändert.  Wenn die Banken das Problem in der Schifffahrt nicht sehen und staatliche Hilfen ablehnen, vermutlich außer der, die sie selbst erhalten haben, dann verkennen die Banken, dass sie selbst das originäre Problem in der gegenwärtigen Situation sind.

Betriebsmittelkredite sind ein Fremdwort, das unisono aus dem Vokabelschatz der Banken gestrichen

wurde. Verlangt werden stattdessen Liquiditätseinschüsse der Reeder und Eigenkapitalgeber.

Flankierend werden die Kreditmargen zum Teil mehr als verdoppelt, eine zusätzliche starke

Belastung und extrem kontraproduktiv in dieser Situation! Loan-to-value und 105-%-Klausel sind die Reizworte, mit denen der Schifffahrt das Leben extrem schwer gemacht wird.

Was kommt auf uns zu?

Sofern bei den derzeitigen Charterraten und beim Verhalten der Banken der Status Quo nicht

verändert wird, hat die Schifffahrt keine Chance. Im Gegenteil, die Schifffahrt treibt in Masse auf die

Insolvenz zu und die Banken werden im nächsten Jahr die große Sense schwingen und durch die

Verwertung der Schiffe der Schifffahrt den Garaus bereiten.

Welche Lösungsansätze gibt es?

  • Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann einen Betriebsmittelfonds auflegen, aus dem in Not geratene Schiffe Betriebsmittel günstig ausleihen können.
  • Die Flexibilisierung der bei der BAFIN hinterlegten Ratingmodelle für die Schifffahrt ist erforderlich. Marktwerte gibt es nicht, dies macht die Schiffsfinanzierung schwierig. Eine Long Term Asset Value Ermittlung (LTAV) bringt einen Wert auf mittlere Sicht (fair value)
  • Eine Aussetzung der sog. Dreijahresfrist würde den Banken und den Reedereien eine große Hilfe sein.
  • Die Bewertung der Unterschiedsbeträge und deren Versteuerung muss dringend überdacht werden, weil dies in der jetzigen Situation zu extremen Härten führt.

Fazit:

Nur durch schnelle und unbürokratische Hilfe seitens der Bundesregierung kann, ein ganzer Wirtschaftszweig am Leben erhalten werden, um ein temporäres Problem zu überstehen. Die Hilfe hätte in meinen Augen einen deutlich höheren Stellenwert als sämtliche Hilfen für südeuropäische Länder, die uns im umgekehrten Falle vermutlich hängen lassen würden.

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