Streifzug durch die Szene – Schiffe, Flugzeuge, Energie, Regulierung

5.Februar 2010   

Kategorie: Der Fondsbrief

Streifzug durch die Szene – Schiffe, Flieger, Energie, Regulierung

Markus Gotzi, Chefredakteur „Der Fonds Brief“

Die Zahlen sprechen eine Katastrophe. Nur noch 824 Mio. Euro Eigenkapital haben Anbieter von Schiffsbeteiligungen im vergangenen Jahr eingesammelt, ein Minus von mehr als 67 Prozent. Und wie wir alle wissen, schleppte sich der Umsatz schon im Jahr 2008 spätestens nach der Lehman-Pleite im September mühsam dahin. Das Gesamtvolumen inklusive Fremddarlehen summiert sich 2009 auf 1,6 Milliarden Euro, das sind sogar 72 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Damit kommen die Schiffe hinter Fonds mit ausländischen und deutschen Immobilien zwar immer noch auf Platz drei. Dennoch ist die Summe nichts verglichen mit den kolportierten Milliardenbeträgen, die für kommende Schiffe noch bezahlt werden müssen. Zumal ein großer Teil des Umsatzes auf Spezialschiffe wie Ankerzieher entfällt. Nordcapital hat damit 116 Millionen Euro platziert.

Relativ gut liefen außerdem die Angebote der Kategorie „Schnäppchen-Fonds“. Günstig in der Krise einkaufen, lautet hier das Motto. Anleger beteiligen sich in der Regel an Blind-Pools und verlassen sich darauf, dass der Initiator Schiffe billig bekommt. Das ist jedoch nicht so einfach wie vermutet. Das Angebot ist begrenzt, denn wer nicht zum Schleuderpreis verkaufen muss, versucht seine Schiffe zu halten. Nur in Einzelfällen kann so etwas gelingen. Die Oltmann-Gruppe war mit solch einem Modell wohl erfolgreich, und Hesse Newman berichtet, Schiffe für seinen Zweitmarktfonds zum Kurs von 50 Prozent der ehemaligen Preise gekauft zu haben.

Auf ein anderes Konzept setzt Paribus Capital. Der Initiator will mit Eigenkapital einspringen, um Schiffe vor der Pleite zu retten. Mit bevorrechtigten Ausschüttungen soll das Engagement belohnt werden. Möglichkeiten gäbe es genug. Die Zahl der insolvenzgefährdeten Schiffe wird auf mehrere Hundert geschätzt.

Logisch, dass bei dieser Entwicklung kaum noch jemand einen typischen Schiffsfonds anfasst. Reine Schiffsinitiatoren wie Ownership haben dem VGF für 2009 gerade einmal 4,4 Millionen Euro Eigenkapital gemeldet. Neuling Neitzel & Cie. kommt auf zwei Millionen Euro. Vor allem Containerschiffe haben beim Anleger so gut wie keine Chance. In der Regel haben die Anbieter die Platzierung ausgesetzt. Grund dafür sind die teils extrem gesunkenen Charterraten als Einnahmequelle der Schiffe. Bei einigen Typenklassen liegen die Einbrüche bei bis zu 90 Prozent. Wer einen Charterer hat, der sich an seinen langjährigen Vertrag aus besseren Zeiten hält, kann sich glücklich schätzen. Spätestens wenn die Charter ausläuft, wird es kritisch. Oft reichen die Einnahmen dann nicht einmal mehr aus, um die Zinsen der Fremdfinanzierung zu bezahlen.

Nicht ganz so grausam sind die Raten-Entwicklungen bei den Bulkern. Chinas Nachfrage nach Rohstoffen hat hier zumindest vorübergehend für steigende Einnahmemöglichkeiten gesorgt. Fraglich ist, wie lange dieser Trend anhält. Anleger halten sich jedenfalls auch mit Beteiligungen an Massengutfrachtern weiterhin zurück. Und noch ist nicht abzusehen, dass sich daran etwas ändert. (Zu diesem Thema haben wir auch Anbieter befragt (s. u.))

Da verwundert es, dass es die Containerfonds weniger hart getroffen hat. Natürlich ging auch hier der Umsatz erheblich zurück. Doch hat alleine Marktführer Buss Capital 2009 immerhin noch 32 Millionen Euro mit Containern umgesetzt.

Der VGF fasst die Containerfonds in der Kategorie „Spezialitätenfonds“ zusammen. Dazu zählen beispielsweise auch Games-Fonds, wie sie von BVT oder United Investors angeboten werden. Mit Umsätzen im niedrigen, zweistelligen Millionenbereich hat diese Assetklasse die Nische aber noch nicht verlassen.

Die Umsätze von Flugzeugfonds dagegen werden extra ermittelt. Sie hatten es im Vergleich zu den Schiffen nicht ganz so schlimm. Zwar ist auch hier die Nachfrage erheblich schwächer als im Hype des ersten Halbjahrs 2008. Trotzdem blieben die Umsatzrückgänge vor dem Hintergrund des extrem schwachen Marktes begrenzt. Die Initiatoren setzten 2009 rund 428 Millionen Euro um, das sind 39 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Zu den umsatzstarken Anbietern zählten Doric Asset Finance, Dr. Peters und KGAL, wobei sich die Konzepte grundsätzlich voneinander unterscheiden. Während Doric und Dr. Peters unter anderem mit dem Airbus A 380 weiter auf Größe setzen, glaubt KGAL an die Chancen kleiner Regionalflieger. Beides kann funktionieren. Wobei auch der Flugzeugmarkt grundsätzlich unter der anhaltenden Krise leidet. So hat der Markt nach Informationen des Fluglinien-Dachverbandes IATA im vergangenen Jahr Verluste in Höhe von neun Milliarden Dollar erlitten. Die Passagierzahlen sind um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und im Frachtverkehr beträgt das Minus sogar 13 Prozent. Für 2010 erwartet der Verband weitere Verluste.

Doch das muss Anleger nicht schocken. Anders als bei Schiffen, verhandeln die Leasingnehmer ihre bestehenden Verträge in der Regel nicht nach. Kann die Airline eine Pleite vermeiden, dürften die Einnahmen zunächst wie kalkuliert fließen. Doric vertreibt aktuell eine sehr günstig eingekaufte Boeing 777, die an die Hong-Kong-Airline Cathay Pacific verleast ist.

Infrastrukturfonds spielen mit einem Eigenkapital-Umsatz von 70 Millionen Euro noch keine große Rolle. Das bedeutet
zwar ein Plus von mehr als 66 Prozent, macht aber nur ein Prozent des Gesamtmarktes aus. Allerdings erwartet der VGF hier eine steigende Nachfrage der Anleger. Es ist kaum zu übersehen, dass zum Beispiel in den USA Investitionen in das
Straßensystem, Brücken oder die Energieversorgung nötig sind. Allerdings scheuen sich viele Investoren weiterhin, ihr Geld
in Blind-Pools anzulegen. Der typische Infrastrukturfonds investiert nicht selbst, sondern leitet das Kapital an spezielle
Zielfonds weiter. Commerz Real arbeitet an einem anderen Modell. Hierbei würden sich Fondszeichner zum Beispiel am
Gasdurchleitungsnetz eines deutschen Energieversorgers beteiligen. Solch ein Angebot mit einem konkreten Asset
hätte durchaus seine Chancen am Markt.

Waldfonds haben sich vergleichsweise wacker geschlagen. Auch wenn die Nachfrage nicht so hoch war wie von den Anbietern zunächst erwartet. Immerhin hat Nordcapital seinen Fonds mit Investitionen in rumänische Forste geschlossen und platziert derzeit einen Nachfolger. Noch erfolgreicher war KGAL mit seinem Fonds „TimberClass 1“. Rund 3.400 Anleger investierten im vergangenen Jahr mehr als 90 Millionen US Dollar. Das Kapital fließt über den US-Partner Campbell Group in Waldgrundstücke in Texas, Louisiana, Alabama und Georgia.

Ebenfalls im Südosten der USA kauft Jamestown Waldflächen auf. Anders als KGAL überlässt der Kölner US-Spezialist die Auswahl keinem Dritten, sondern beauftragt ein eigenes Team damit. Bislang vertrauten die Anleger dem Anbieter rund 31 Millionen Dollar an. Auch wenn das Geschäft noch eher schleppend läuft, sind Nachfolger geplant. Die Umsätze der übrigen Anbieter sind kaum der Rede wert.

Das gilt auch für das gesamte Segment der Zweitmarkt-Policen-Fonds. Noch vor wenigen Jahren setzte die Branche damit rund 1,5 Milliarden Euro Eigenkapital um. Inzwischen sind diese Fonds zum Nischenprodukt geworden. Kaum mehr als 103 Millionen Euro kamen 2009 zusammen, noch einmal 71 Prozent weniger als im schon schwachen Jahr 2008. Offenbar ein Asset, das langsam aber sicher in der Versenkung verschwindet.

Kommen wir zu den Gewinnern des vergangenen Jahres, den Energiefonds. Sie konnten ihren Umsatz im Vergleich zu 2008 weit mehr als verdoppeln. Der VGF hat einen Eigenkapital-Umsatz von 556 Millionen Euro und somit ein Plus von 152 Prozent ermittelt. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Zum einen stiegen nach einer Testphase im Jahr 2008 die Volumen der 2009 platzierten Fonds. Zum anderen wuchs die Zahl der Anbieter. Und hier liegt auch die Gefahr der positiven Entwicklung in diesem Segment. Nicht auszuschließen, dass sich Glücksritter in einem Markt tummeln, von dem sie keine Ahnung haben. Denn auch wenn die Solarfonds mit staatlich subventionierten Vergütungssätzen punkten, so können die Initiatoren dennoch eine Menge falsch machen.

Sonnige Investments stellen den Löwenanteil der Energien-Fonds. Zwar versuchten sich Initiatoren im vergangenen Jahr auch an Fonds mit anderen Erneuerbaren Energien. MPC etwa platziert aktuell die Beteiligung an einer Anlage in Brasilien, die Strom aus Reishülsen erzeugt. Die Nachfrage der Anleger bleibt allerdings begrenzt. Kann ein Angebot nicht mit dem Argument der regulierten Einnahmen argumentieren, winken Fondszeichner häufig schnell ab. Die erwartete Sicherheit ist das A. und O. Hier drängen sich Parallelen zu den Immobilienfonds mit staatlichen Mietern auf.

Wer hat den Anlegern im vergangenen Jahr Fondsanteile verkauft? Hier gab es keine großen Veränderungen. Der Anteil der Banken am Gesamtvertrieb ist mit knapp 52 Prozent gegenüber 49 Prozent im Vorjahr weitgehend stabil geblieben. Die freien Vertriebe haben leicht verloren. Sie vermittelten rund 28,5 Prozent der Anteile. Zugelegt hat der Direktvertrieb über den Anbieter. Er macht inzwischen knapp zwölf Prozent aus, nach sieben Prozent im Jahr zuvor.

Und 2010? Es müsste mich schwer wundern, sollte sich das Jahr 2010 deutlich vom vergangenen unterscheiden. Immobilien vor allem in Deutschland bleiben gefragt. Real I.S. hat gleich zwei solcher Angebote in der Pipeline. Zuerst kommt ein Bürogebäude mit staatlichem Mieter in Düsseldorf, und für Juni ist ein Fonds mit der e.on-Zentrale in Regensburg geplant. Düsseldorf ist ebenfalls Standort des aktuellen Deutschland-Fonds von Hesse Newman, und auch Signa wird in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens investieren.

Schiffe werden in diesem Jahr weiterhin wie Blei liegen, Flieger dürften sich auf ähnlichem Niveau bewegen wie 2009. Waldfonds werden wohl zunächst weiterhin ein Nischendasein fristen und gebrauchte Policen kaum noch jemanden interessieren.

2010 wird noch einmal das Jahr der Solarfonds. Die Zahl der Anbieter dürfte weiter steigen, auch wenn die Vergütungssätze für Anlagen sinken, die in Deutschland erst ab 2010 ans Netz gehen. Da in der Regel als Reaktion darauf auch die Preise für die Module sinken, verändert sich unter dem Strich für die Anleger so gut wie nichts. Fraglich ist, wie hoch die zum zweiten Halbjahr geplante, zusätzliche Vergütungs-Reduzierung vor allem für Anlagen auf Ackerflächen tatsächlich ausfällt. Ob sich Solarfonds dann noch lohnen, ist die Frage.

Im europäischen Ausland sind gekürzte Einspeisevergütungen derzeit noch kein Thema, mittelfristig aber wahrscheinlich. Oder bereits geregelt. In Italien etwa wird die garantierte Vergütung für Anlagen gekürzt, die erst ab 2011 ans Netz gehen.

Gut denkbar, dass in diesem Jahr erste Angebote mit Solarinvestitionen in den USA an den Markt kommen. Voigt & Collegen denkt darüber genau so nach wie Commerz Real. Das Stichwort hier heißt Solarthermie. Bei dieser Technik lässt die Sonne eine Flüssigkeit verdampfen und treibt so eine Turbine an. Die Investition rechnet sich in den USA nicht über garantierte Vergütungssätze, sondern über steuerbegünstigte Erträge.

Die gesamte Branche muss sich 2010 mit dem Thema Regulierung beschäftigen. Der Verband Geschlossene Fonds geht davon aus, dass nicht nur die Vertriebe davon betroffen sein werden, sondern auch die Anbieter. Sie werden künftig durch national umzusetzende, europäische Normen (AIFM) reguliert. Für den VGF ist das kein Drama, im Gegenteil. Er unterstützt die erwartete Regulierung, da sie „einheitliche Marktbedingungen gegenüber anderen Kapitalanlageprodukten schafft“.

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