Filialnetz deutschlandweit noch recht weitmaschig

15.August 2012   

Dipl.-Geogr. Markus Wotruba,
Leiter Standortforschung BBE Handelsberatung GmbH

Eine Polarisierung zwischen Versorgungs- und Erlebniskauf, privater und (semi-) professioneller Nachfrage sowie Nahversorgung und Großfläche prägen den Einzelhandel mit Papier, Bürobedarf und Schreibwaren (PBS). Dabei ist das Netz an Fachmärkten hierzulande noch recht weitmaschig.

Aus Sicht der Handelsimmobilie bedeutet dies eine Dreiteilung des Marktes in:

  • versorgungsorientierte Fachgeschäfte für Wohngebiets-, Innenstadt- und Centerlagen,
  • versorgungsorientierte Fachmarktkonzepte in Fachmarktlagen und
  • erlebnisorientierte Fachgeschäfte für Frequenzlagen in der Innenstadt, Stadtteilzentren und Einkaufszentren.

Erlebnisorientierte Fachgeschäfte: Obwohl der moderne Mensch dank eMail und iPad immer weniger per Hand schreibt und das Bundesland Hamburg das Erlernen der Schreibschrift als verbindliches Lernziel abgeschafft hat, ist die (Markt-) Bedeutung von hochwertigen Schreibgeräten und Papieren gestiegen. Hochwertige Konzepte für den erlebnisorientierten Bedarf finden sich unverändert in Form von Fachgeschäften oder Fachabteilungen von Kauf- und Warenhäusern in den Frequenzlagen und Einkaufszentren der Städte. Für den Immobilieneigentümer und insbesondere den Shopping-Center-Betreiber bedeutet das die Chance zur Abrundung des Branchenmix und eine Aufwertung des Umfeldes aus Sicht des Erlebniskäufers.

Versorgungsorientierte Fachmarktkonzepte: Auch die Digitalisierung aller Lebensbereiche hat das Verbrauchsmaterial Papier nicht verdrängt. Im Gegenteil: Allen Visionen vom papierlosen Arbeiten zum Trotz, wird immer mehr Papier in Druckern und Kopierern verbraucht. Hier geht es nicht um Gebrauchs- sondern um Verbrauchsmaterialen, entsprechend ist die Kaufentscheidung stark preisorientiert.

Bedingt durch die Nachfragestrukturen richten sich die versorgungsorientierten Anbieter zwar in erster Linie an kleinere und mittlere Gewerbetreibende, aber eben immer auch an „private Großverbraucher“ wie Schüler und Studenten. Oft haben die Betriebe der Branche eine lange Tradition an ihrem Standort. Die Dynamik in dieser Branche findet aber überwiegend im Fachmarktbereich sowie im eCommerce statt. Auch in diesem Segment ist besonders erfolgversprechend auf eine Multichannel-Strategie zu setzen, d.h., neben stationären Geschäften einen Katalog und einen Online-Shop vorzuhalten. Der weltweite Marktführer in diesem Multichannel-Geschäft, Staples, ist auch in Deutschland. Entsprechend der für Verbrauchsmaterialien charakteristischen Volumina und der damit überwiegenden Autoorientierung beim Einkauf, sind fachmarkttypische Standortanforderungen wie eine gute Verkehrsanbindung, ausreichend ebenerdige Parkplätze und große Verkaufsflächen von 800 bis 2 000 qm erforderlich. Idealerweise befindet sich vor Ort eine entsprechende Wirtschaftsstruktur mit vielen Selbstständigen, Freiberuflern und Bildungseinrichtungen wie Hochschulen.

Zwischen Erlebnis– und Versorgungskauf

Das Standortnetz von PBS-Fachmärkten, die neben Papierwaren fast immer auch Bürogeräte und Büromöbel anbieten und damit auch eine gute Ergänzung zu einem Elektromarkt oder Möbelhaus darstellen können, ist in Deutschland noch vergleichsweise weitmaschig. Für Fachmarktentwickler ergibt sich daraus die Chance, an geeigneten Standorten entsprechende Konzepte anzusiedeln und damit noch eine Alleinstellung im Wettbewerb der Standorte zu schaffen.

Versorgungsorientierte Fachgeschäfte: Die kleinen Schreibwarenläden dagegen finden sich, wie so oft bei Fachgeschäften, in der Mitte zwischen Erlebnis- und Versorgungskauf sowie Internet und branchenfremden Anbietern. Denn die PBS-Sortimente, die von Privatkunden am häufigsten nachgefragt werden, gibt es (in für diese Zielgruppe ausreichenden Packungsgrößen) natürlich auch im Lebensmittel- und Drogeriehandel und damit fast flächendeckend. Viele Lebensmittelhändler – vom Supermarkt bis zum Discounter – haben eine gut sortierte und breite Auswahl an Tages- und Wochenzeitungen wie auch an Zeitschriften als Profilierungschance entdeckt und ihr Angebot in diesem Bereich ausgebaut.

Nach wie vor hat der Schreibwarenladen um die Ecke, der fast ausschließlich von der privaten Nachfrage lebt, jedoch seine Existenzberechtigung. Insbesondere die Kombination aus PBS, Tabakwaren und Dienstleistungen wie Lotto-Toto war in der Vergangenheit ein Anziehungspunkt. Die zunehmende Konkurrenz erfordert es aber, diese Kernkompetenzen durch neue Angebote zu ergänzen. Insbesondere die Steigerung der Kundenfrequenz durch zusätzliche Dienstleistungen (wie etwa Reinigungs-, Schuhreparaturannahme, Kartenvorverkauf, Postdienstleistungen) ist eine erfolgversprechende Strategie. Zudem liegt die Sortimentserweiterung und -abrundung durch Geschenkartikel und Spielwaren im Trend.

Die Branche wird noch eher als Nische wahrgenommen

Das Beispiel erfolgreicher regionaler Warenhausbetreiber zeigt, dass hier die schnelle  Reaktion auf Trends und die Flexibilität bei den Sortimenten entscheidende Wettbewerbsvorteile sind. Daraus ergibt sich die Chance auf boomende Trends wie „Basteln“ und „Stricken“ zu reagieren und zusätzlich Frequenz und Umsätze zu generieren.

Dieser Betriebstyp ist  für Entwickler von Nahversorgungszentren und Wohnimmobilien mit Handelsnutzung im Erdgeschoss interessant. Dort, wo sich kein branchengleiches Fachmarktkonzept angesiedelt hat, kann ein kleinflächiges Fachgeschäft  auch die Vorkassenzone eines Baumarktes oder SB-Warenhauses ergänzen.

Fazit: Die PBS-Branche bietet unabhängig von der Lage der Handelsimmobilie weiterhin gute Chancen. Bisher haben vor allem die Entwickler von Shopping-Centern diese Chancen in Mietverträge umgesetzt. Den Entwicklern von Fachmarktlagen, gemischt genutzten Immobilien und Nahversorgungszentren fällt die Wahl des richtigen Mieters und Konzeptes dagegen schwer, da die Branche eher als Nische wahrgenommen wird. Das richtige Konzept für den jeweiligen Standort vorausgesetzt, kann das Sortiment PBS aber eine interessante Option darstellen, die von der Abrundung bis hin zu Steigerung von Erlebnischarakter und Image des Standortes reichen kann.

Die Studie „Markt:Monitor PBS“ von BBE Handelsberatung und Marketmedia24 liefert auf 50 Seiten exklusive Branchendaten über den deutschen Markt. Bezug online unter www.marktdaten24.com.

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