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ICSC Europa: ECE-Chef Otto ist neuer Chairman

 

„Es ist wichtig, mit einer Stimme zu sprechen“

Die European Conference des International Council of Shopping Centers (ICSC), die erstmals in Berlin stattfand, brachte aus deutscher Sicht gleich eine Überraschung: ECE-Chef Alexander Otto wurde für die nächsten 3 Jahre zum neuen Chairman des ICSC Europa ernannt. Otto wird Nachfolger von Marcus Wild, dem CEO des österreichischen Center-Spezialisten SES Spar. Zudem wurden die Pasing Arcaden in München und die Rhein Galerie in Ludwigshafen ausgezeichnet.

Alexander Otto, der die Internationalisierung des Shopping-Center-Spezialisten ECE in den vergangenen 10 Jahren vorangetrieben hat, übernimmt den Stab von Marcus Wild (vgl. Seite 4) in einer Zeit, die für die Branche massive Herausforderungen mit sich bringt. So kamen die 3 Unternehmenschefs Alexander Otto, Gerard Groener, CEO des niederländischen Shopping-Center-Investors Corio, und Marcus Wild in ihrer Diskussionsrunde zu dem Ergebnis, dass die Branche vor einer Phase der Konsolidierung steht, die auch noch einige Jahre andauern werde, bis abzusehen sei, wohin die Reise geht.

Zu den politischen Unwägbarkeiten gehört zweifellos die Frage, ob die europäische Politik die Schuldenkrise in den Griff bekommt und wohin sich die gemeinsame Währung Euro entwickeln wird? Für Investoren stellt sich aus Ottos Sicht u.a. damit die Frage, ob sich in Südeuropa damit neue Chancen eröffnen, oder ob das Risiko zu hoch ist. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird das Thema „eCommerce“ für den Einzelhandels und damit auch für deren Vermieter zum beherrschenden Thema des Strukturwandels werden, stellt SES-CEO Wild fest.

Entscheidend wird „die Fähigkeit zur Veränderung sein“, ist Groener überzeugt. Die Flexibilität, auf die Veränderungen zu reagieren, werde die wirkliche Herausforderung für die Branche darstellen. In diesem Umfeld sieht Otto als Chairmann des ICSC Europa für sich die primäre Aufgabe darin, den größten europäischen Verband der Shopping-Center-Branche zu einer internationalen Plattform auszubauen, „um den Bedürfnissen eines globalisierten Marktes gerecht werden zu können“.

Dabei werde „Transparenz“ eine immer größere Rolle spielen, so Otto, und dafür seien einheitliche Standards und eine systematische Bereitstellung der marktrelevanten Daten notwendig: „Außerdem ist es für den ICSC wichtiger denn je, nach außen mit einer Stimme zu sprechen und die Kooperation mit der EU weiter zu vertiefen.“ Ottos Engagement beim ULI (Urban Land Institute), das die Kooperation mit den europäischen Kommunen sucht, dürfte dabei hilfreich sein.

Nach innen, in die Organisation aus Einzelhändlern und Handelsimmobilien-Spezialisten, gerichtet, wird die Herausforderung durch den Online-Handel das beherrschende Thema sein. Die Mieter (Einzelhändler) stellt das vor das Schlüsselproblem, dass sie Online-Handel und stationäres Geschäft miteinander kombinieren müssen. Für die Immobilieneigentümer kann das zum Problem werden, weil der Einzelhandel dadurch womöglich kleinere Verkaufsflächen braucht.

So weiß David B. Henry, Chairman des US-ICSC und CEO der Kimco Reality Corp., aus den USA zu berichten, dass der dortige Einzelhandel bestrebt ist, die Verkaufsflächen stark zu verkleinern und natürlich auch niedrigere Mieten auszuhandeln. Die Branche kürze, wo sie könne, lautet sein Resümee. Dabei dürfte allerdings auch die schwierige wirtschaftliche Lage in den USA den Druck im Einzelhandel erhöhen – auch wenn es bereits leichte Aufhellungstendenzen gibt. Nach den Worten von William Taubman, CEO des gleichnamigen US-Unternehmens, läuft  in den USA das Geschäft der Discounter und des gehobenen Einzelhandels gut, während das Mittelsegment – genauso wie die Mittelschicht des Landes – verliert. Das Wachstum im US-Einzelhandel werde vom Einkommenswachstum der reichsten 10% der Gesellschaft beeinflusst, so Taubmann.

Mit Blick auf den Internet-Trend in den USA macht sich auch die europäische Shopping-Center-Industrie Gedanken darüber, welche Konsequenzen der Online-Handel für sie hat und wie dem Strukturwandel am besten zu begegnen ist: „Wir müssen uns die Veränderungen bei unseren Mietern genau anschauen“, konstatiert der neue ICSC-Europa-Chairman Otto. Es sei wichtig zu schauen, was sich bei den Einzelhändlern ändere. „Die Veränderungen werden dazu führen, dass Mieter und Shopping-Center-Betreiber enger zusammenarbeiten müssen“, ergänzt Groener, der noch viel Gesprächsbedarf sieht. Deshalb wird aus Ottos Sicht auch die Kooperation resp. die Allianz zwischen der Shopping-Center-Industrie und dem Einzelhandel auf ICSC-Ebene immer wichtiger.

Der Mieter, resp. die Einzelhändler mit einem überzeugenden Konzept, sind denn auch aus Sicht von David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, die Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Shopping-Center-Entwicklers. Dem schließt sich SES-CEO Wild mit dem Hinweis an, dass interessante Marken für die Zukunft der Shopping-Center wichtig sein werden. Ein Center dürfe niemals langweilig sein. Das korrespondiert mit den Ergebnissen von Befragungen, die die ECE in ihren Shopping-Centern durchführt: Danach sind die Kunden vor allem an der Auswahl im Center interessiert. „Große Center werden deshalb nicht so große Probleme haben“, ist Otto überzeugt.

Das führt wiederum zum Kernthema der diesjährigen „Europa-Konferenz“ des ICSC, das unter der Überschrift stand: „Is big still beautiful?“ – „Ist groß noch schön?“ Diese Frage beantwortete die Experten mit einem klaren: „Es kommt drauf an!“ Große Einkaufszentren zu designen ist nach den Worten von José Quintela, Chief Design Officer von Sonae Sierra in Portugal, eine größere Herausforderung. Aber letztlich entscheiden der einzelne Standort und das Marktpotenzial über die Größe des Shopping-Centers, wie Toni Joergens, Prinzipal von ESP in Hannover, betont. Bei kleinen Centern müsse man sich mehr um die Details kümmern, um Atmosphäre zu schaffen.

Aus seiner Sicht ist ein Shopping-Center heute mehr als ein „Platz zum Einkaufen“.  Die Menschen wollten vor allem miteinander kommunizieren, ergänzt Chris Lanksbury, Director von Chapman Taylor. Center müssten deshalb so etwas wie Wohnzimmer sein. In diesem Kontext sieht Joergens das Internet auch als größte Chance für die Shopping-Center-Industrie, wenn sie die vielen Möglichkeiten des Internets für sich nutzt. Generell sieht Lanksbury in Westeuropa heute eher den Trend zu kleineren Einkaufszentren (z.B. 25 000 qm), während in anderen Regionen – wie Mittel- und Osteuropa – eher große Center gebaut werden.

Bei den European Shopping Center Awards 2012 wurde die mfi AG für die Pasing Arcaden in der Kategorie „mittelgroße Center“ ausgezeichnet, die ECE erhielt für die Rhein Galerie in Ludwigshafen eine „Commendation“ (Würdigung).

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