Woolworth GmbH: Rückkehr zur alten Größe

Unter Führung des geschäftsführenden Gesellschaftes Dieter Schindel und des Gesamtverkaufsleiters Michael Siepmann soll bei der traditionsreichen Kleinkaufhaus-Kette Woolworth GmbH nach Abschluss des Insolvenzverfahrens alles anders werden. Für das Unternehmen mit heute 163 Filialen ist das der zweite Anlauf zur Neupositionierung nach der Umstrukturierung in den 1990er-Jahren.

1997 war die US-Muttergesellschaft F.W. Woolworth Co Ltd. in Schwierigkeiten geraten, hatte alle Märkte in den USA geschlossen, sich in Venator umbenannte und primär auf die Sportschuh-Kette Footlocker konzentriert. Ein Jahr später, 1998, trennte sich Woolworth Deutschland von der US-Mutter und die Geschäftsführung gründete in einem Management-Buy-out die „DWW Deutsche Woolworth GmbH & Co. OHG“, die ihren Sitz in Frankfurt/M. hatte. Getragen wurde die deutsche Woolworth von der Investorengruppe Electra Private Equity.

Die damalige Führung der Kleinkaufhaus-Kette zeigte sich von der Zukunft des Konzepts überzeugt und peilte mit ihrem Sortiment die unteren 30% der hiesigen Einkommensschichten an, die darauf angewiesen sei, preisgünstige Produkte mit relativ guter Qualität zu erwerben. Eine weitere Zäsur in der Historie von Woolworth Deutschland war 2007 der Verkauf an den Investor Cerberus Capital Management und Argyll Partners, der das operative Geschäft führte.

Ohne großen Erfolg. Am 11. April 2009 war der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt/M. unvermeidlich. Seit Mai 2010 gehört die im Zuge des Insolvenzverfahrens stark geschrumpfte Woolworth GmbH u.a. der HH-Holding, die auch den Textildiscounter Kik betreibt, zu 55% und der Mülheimer Tengelmann-Gruppe zu 30%.

Das Thema „Verkleinerung“ spielt bei der neuen Strategie, die Schindel und Siepmann Ende November in Düsseldorf vorstellten, fast in jeder Hinsicht eine gewichtige Rolle. So hatte bereits die Ausdünnung des Filialnetzes im Zuge des Insolvenzverfahrens große Bedeutung, da die Filialen damit in eine einheitliche Größe getrimmt wurden. Das erleichtert die Sortimentsgestaltung.

Wie Schindel erläutert, konzentriert sich Woolworth künftig auf Verkaufsflächen mit 1 000 bis 2 000 qm, wobei die Lagerfläche drastisch auf 10% der Verkaufsfläche verkleinert wird. Das Sortiment wird von 20 000 Artikeln auf 6 000 Standardartikel mit den Schwerpunkten Schreibwaren, Heimtextilien, Wäsche, Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Spielwaren, Heimwerker-Bedarf, Haushaltswaren und Kosmetik sowie Drogerie-Produkte reduziert.

Gestrichen werden Sport-Konzepte, Straßenschuhe, Alkohol, Zeitungen, Multimedia-Produkte und Kommissionsware. Die Zahl der Eigenmarken wird von 50 auf weniger als 10 reduziert. Darunter befinden sich Namen wie Infinity für Bekleidung, „Duft der Rose“ für Strumpfwaren, smily für Baby-Bekleidung, Mar Vital für Kosmetikartikel, Belday für Dekorationsartikel und Basic für Hartwaren. Als zugkräftige Herstellermarken finden sich u.a. Lego, Pritt, Pelikan, Herlitz, Swirl, playmobil, Bahlsen und Colgate im Sortiment.

Im Wesentlichen setzt Woolworth auf eine Drei-Markenstrategie aus Top-Herstellermarken, preisgünstigeren Eigenmarken resp. Lizenzmarken sowie Einstiegspreis-Artikel – darunter auch Aktionsartikel und Sonderposten. Zielgruppe sind die mittleren und unteren Einkommensschichten aller Altersklassen, da sich auch die Sortimente auf die unterschiedlichen Altersklassen fokussieren, wie Schindel berichtet.

Gestrafft wurde auch die Logistik mit direkter Anlieferung der Filialen zweimal pro Woche. Das Verteil-Zentrum in Unna habe zu Einsparungen von 60%  geführt, berichtet Schindel. Dass aber auch der Außenauftritt der Filialen sowie das Firmen-Logo einem Relaunch unterzogen werden müssen, liegt auf der Hand. Etwa 40 Mio. Euro sollen laut Gesamtverkaufsleiter Siepmann in die Modernisierung der Filialen investiert werden. Bis Mitte 2011 werden bereits 65 Bestandsimmobilien umgebaut.

Zur Neuausrichtung der Filialen gehört eine klare Wegführung und eine übersichtliche Warenpräsentation. Ehrgeizige Ziele setzt sich das Unternehmen auch bei der Nachwuchsförderung. Woolworth will in den nächsten Jahren viel für die Ausbildung neuer Mitarbeiter tun. Und viele neue Mitarbeiter einstellen.

Vor allem aber will Woolworth deutschlandweit wieder an seine alte Größe anknüpfen. Mittelfristig soll die Zahl der Filialen laut Schindel auf 250 steigen, langfristig sollen es 500 werden. Das bedeutet, dass im Schnitt betrachtet jede Woche eine neue Filiale eröffnet wird. Im Fokus hat die Geschäftsführung jede Stadt in Deutschland ab 30 000 Einwohnern. Und in den Großstädten will sich Woolworth als Nahversorger-Kaufhaus in den Stadtteilen ansiedeln. Gesucht sind auch Fachmarktlagen und Shopping-Center.

Eine günstige Voraussetzung für die Zukunft von Woolworth ist, dass sich das Unternehmen bei den Filialen, die Cerberus gehören, mit dem Vermieter auf Mietsenkungen einigen konnte. In den Mietverträgen wurden laut Geschäftsführung Umsatzmieten vereinbart. Insofern profitiert Cerberus unmittelbar, wenn Woolworth wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt und höhere Erlöse erzielt. Eine Starthilfe in Form niedriger Mieten in der Revitalisierungsphase könnte da sehr hilfreich sein. Seit Juli schreibe Woolworth wieder schwarze Zahlen, berichtet die Geschäftsführung.

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