Online City Wuppertal geht in die zweite Runde

3.März 2017   
Kategorie: Der Immobilienbrief

Wuppertal: Online City Wuppertal, das Pilotprojekt für lokalen Multichannelhandel, wird weitergeführt. Mit Fördermitteln aus dem Projektaufruf „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“ des NRW-Wirtschaftsministeriums werden nach Bewilligung für die nächsten zwei Jahre insgesamt rund 350.000 Euro zur Verfügung, um das Projekt nachhaltig zu etablieren.

Die Förderung für das Projekt „Online City Wuppertal“ durch Bundesmittel endete im September letzten Jahres. Doch alle Beteiligten sind nach wie vor von den Chancen und Möglichkeiten für die Innenstadt und lokalen Handel überzeugt und wollen das Projekt fortführen. Die Händler haben bereits im letzten Jahr einen Verein gegründet, um einen Projektbegleiter und vor allem das gemeinsame Marketing finanzieren zu können. Vorstandsvorsitzender Peter Bothmann, der mit seinem Boda Weinhaus einer der ersten Händlerpioniere der Online City Wuppertal war: „Wir sind jetzt schon so weit, dass wir jedem neuen Händler sagen können – Schade, dass Du erst jetzt kommst.“

 

Online City Wuppertal als Impulsgeber

Dass das Wuppertaler Projekt auch Pionierfunktion hat, zeigt sich darin, dass das Land hierdurch auf die notwendige Digitalisierung des Einzelhandels verbunden mit dem riesigen damit verbundenen Beratungs- und Strukturierungsprozess aufmerksam geworden ist. „Es gibt viele Förderzugänge zum Thema Industrie 4.0, den Einzelhandel hatte man kaum auf dem Schirm“, so Wirtschaftsförderer Dr. Rolf Volmerig. So folgte der Projektaufruf „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“, neun Projekte wurden für eine Förderung für die nächsten zwei Jahre vorgeschlagen, darunter auch das Pionierprojekt Online City Wuppertal.

Zudem hat die Online City den Anstoß zu vielen weiteren lokalen Ansätzen gegeben. Alleine atalanda, technischer Partner des Projektes, hat bereits zehn weitere lokale Marktplätze in Deutschland und der Schweiz an den Start gebracht, weitere werden in diesem Jahr folgen.

„Wuppertal war und ist die Keimzelle für alle weiteren Entwicklungen. Den RoPo-Effekt kannten wir vorher nicht und haben – wie unsere Kritiker – nur auf die relativ geringe Zahl der Onlinebestellungen geschaut“, sagt Geschäftsführer Roman Heimbold. Von dem „RoPo-Effekt“ (Research online, purchase offline) profitiert beispielsweise Markus Kuhnke vom Naschkatzenparadies nahezu täglich. Auch er gehört zu den ersten Händlern, die auf dem lokalen Marktplatz vertreten waren und gehört zum Vorstand des talMARKT-Online City Wuppertal e.V.. Viele Kunden fänden sein Süßwarengeschäft in Vohwinkel über den lokalen Onlinemarktplatz und kämen dann zum Kauf ins Geschäft.

 

Ob online oder offline – Hauptsache Umsatz

Der begeisterte Botschafter des Projektes hat allerdings auch viel Arbeit investiert, seit Start des Marktplatzes hat Kuhnke rund 8.000 Produkte manuell hochgeladen. Für ihn hat das Projekt eine Trendwende gebracht, vorher hatte er mit jährlichen Umsatzverlusten von ein bis zwei Prozent zu kämpfen. „Jetzt habe ich ein Umsatzplus von 10,7 Prozent, das ist die Zukunftssicherung meines Geschäftes!“ Der Erfolg beruhe eben aus der Kombination von on- und offline. Zwar versende er mitunter sogar deutschlandweit, was seit Dezember letzten Jahres über den Marktplatz möglich ist. Aber wöchentlich habe er Wuppertaler Neukunden im Geschäft, die berichten, dass sie im Internet ein Produkt gesucht hätten, auf sein Profil auf dem lokalen Marktplatz gelandet wären und daher nun vor Ort einkauften. Bothmann bestätigt: „Wir erreichen Kunden aus anderen Stadtteilen, die wir früher nicht erreicht haben und die jetzt zu uns kommen.“

 

350.000 Euro, um den Pionier nachhaltig zu etablieren

Auch wenn mittlerweile über 50 Händler dabei sind und der Marktplatz rund 870.000 Produkte bereit hält, ist allen Beteiligten klar, dass man immer noch ganz am Anfang steht. Umso glücklicher ist man nun über die Chance, mittels der Förderung durch das Land die Online City Wuppertal auf feste Füße zu stellen. Unter dem Titel F.O.R.U.M Wuppertal (Förderung von Organisationsstrukturen zur Revitalisierung urbaner Lebensräume durch Multi-Channel-Handel) haben Wirtschaftsförderung und der Verein gemeinsam den Förderantrag formuliert. Nahezu alle bisherigen Partner – darunter Jobcenter Wuppertal, Westdeutschr Zeitung sowie als neue Partner atalanda als Betreiber des Online-Marktplatzes und die IG Friedrich-Ebert-Straße – stemmen die notwendigen Eigenmittel gemeinsam. „Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Partner auch monitär an das Projekt glauben“, ist sich Volmerig sicher. Allen voran auch die Stadtsparkasse Wuppertal, die bereits in der ersten Förderphase mehr als finanziell beteiligt war.

„Aus dem Unternehmenszweck heraus unterstützen wir grundsätzlich Projekte, die den Wohlstand in unserer Stadt sichern“, so Holger Hammes, Leiter Marketing der Stadtsparkasse. So habe man das Projekt aber auch u.a. mit der Einbindung in die Treuewelt unterstützt. „Der Gutschein für die Versandkosten bei Bestellung unter Online City Wuppertal war zum Start unserer Treuewelt der am stärksten abgerufene Gutschein“, berichtet Hammes. Ein Beleg dafür, dass die Wuppertaler interessiert an dem Projekt seien. Man müsse diese Erfolge viel mehr feiern, denn „es ist alternativlos, was wir hier tun“. Genau aus diesem Grund wird man jetzt endlich in die Werbung investieren können.

 

150.000 Euro für Werbung

Die Ziele sind klar definiert: Mindestens 100 Händler sollen es werden und 1,5 Millionen Produkte. Dazu muss das Einstellen für die Händler einfacher sein. „Wir müssen Großhändler gewinnen, die ihre Produktdatenbanken zur Verfügung stellen“, so Volmerig. Gelungen ist das jetzt schon mit Büchern und Bürobedarf, so dass die Buchhandlung Wupperliebe zum einen und Bürobedarf Illert zum anderen jetzt nur noch die Produkte auswählen, die sie über den Marktplatz anbieten wollen. Diese Aufgabe liegt im Feld von atalanda: „Hier ist von Vorteil, dass wir mittlerweile in vielen Städten präsent sind und damit interessant für die Großhändler, die keine Kooperation für eine Stadt eingehen“, weiß Heimbold. Er betont, dass man sich nicht in Konkurrenz zu den großen Onlinemarktplätzen sieht: „Es gibt mittlerweile drei Ansätze im Kaufverhalten des Kunden, wenn ich alles verfügbar haben möchte und nur online kaufen möchte ohne Beratung und Service, gehe ich zu amazon, wenn es etwas günstiger oder gebraucht sein soll, zu eBay. Unser Ziel als ‚RoPo-Maschine‘ muss es sein, dem Kunden zu zeigen, wo kriege ich was in meiner Stadt.“

Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es Relevanz beim Wuppertaler Kunden zu erzeugen. 150.000 Euro des Gesamtbudgets – von den 350.000 Euro wird die Hälfte durch das Land gefördert – also fast der gesamte Eigenanteil soll in Werbung investiert werden. In Zukunft soll das vielfältige Angebot der Stadt, dass auch online verfügbar ist, immer mehr Wuppertalern bekannt sein.

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