Der Immobilienbrief Nr. 290 – Editorial von Werner Rohmert

1.März 2013   

Sehr geehrte Damen und Herren,

soviel Fernsehzeit hatte die Immobilienbranche selten. Sex sells. Zwei junge Immobilienhelden mit hormongesteuertem Antritt schafften es, 1.200 bewaffnete staatliche Kräfte zu mobilisieren. Dafür muss man sich sonst „Der letzte Samurai“ anschauen. Leider ist der Presserummel für die Branche nicht lustig. In vielen Gesprächen stand das Skandalpotenzial von S&K seit langem oben auf der Liste. Fakten gab es keine. Die zentrale Frage war, woher das Kapital käme, um ein so großes Rad mit Zukauf ehemals renommierter Initiatoren zu drehen. Hierum rankten sich Gerüchte.

Ich selber hatte auch einmal das „Vergnügen“ eines persönlichen Gespräches. Beim Eintritt in die Villa führten die überlebensgroßen Portraits der da wohl noch in den 20ern befindlichen Unternehmensgründer zur Vorsichtshaltung. Das Gespräch bezog sich ca. 10 Minuten auf den Versuch, Informationen über uns bekannte Unternehmen zu erhalten. Mein Versuch, in der verbleibenden Höflichkeitszeitspanne das Thema auf Unternehmensstrategie und Fondsgestaltung zu bringen, scheiterte. Lediglich das Buch eigener Immobilienerfolge wurde überreicht. Vor dem Hintergrund eines extremen persönlichen Störgefühls, das weit über gestaltungsorientierte Meinungsdifferenzen hinaus ging, fand ich es trotz fehlender Fakten sinnvoll, mit dem Unternehmen nichts, absolut gar nichts, zu tun haben zu wollen. Nahezu visionär äußerte sich wenige Tage zuvor VGF-Präsident Oliver Porr auf dem VGF Summit: „Vor dolosem Handeln schützt auch keine Regulierung“. Vor einem Ponzi-/Madoff-/Schneeball-System sollte sie aber schon schützen. Die finanzierungsinduzierte heutige Blindpool-Kultur ist jedoch verführerisch. Sie hebelt auch die hohe Prospektkultur der Immobilienwirtschaft, die sich in den 90ern entwickelte, teilweise aus. Andererseits gibt es ja die qualifizierte Mittelverwendungskontrolle. Die gilt eigentlich als Knockout-Kriterium. Ich bin einmal gespannt, was am Ende herauskommt. Auch der Aufwand der Staatsanwaltschaft ist in einem Rechtsstaat nicht notwendigerweise eine Treffsicherheitsgarantie.

Manchmal treibt es einem alten Volkswirt doch die Tränen in die Augen. „Wir haben uns bei dem Maastrichter Vertrag mit dem Thema Wettbewerbsfähigkeit ‚unterbeschäftigt‘. … Die Länder der Eurozone sind keine ideale Währungszone“, stellte der Mitverfasser der Maastrichter Verträge und gerade ausgeschiedene Vorsitzende der Euro-Gruppe, Premierminister Jean-Claude Juncker, auf der von mir moderierten Scope Conference Institutionelle Immobilieninvestments fest (S. 2 ff.). Ehrlich gesagt, zum Vertragszeitpunkt 1991 musste man nach den gerade gemachten deutschen Erfahrungen wissen, was bei der Zusammenlegung von Regionen unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit passiert – selbst in einer politischen Union. Nachzulesen bei mir/Platow im Herbst 1990. Solche Statements tun weh und hinterlassen bei aller Hochachtung vor dem Vortragenden intellektuelle Hilflosigkeit. Auch sonst sieht der Krisen-Fluchtplan nur Gewöhnung vor. Thorsten Polleit, Chefökonom Degussa, sieht für den „Enteignungspakt“ Euro in einer scharfen Anpassungsrezession die einzige Chance. Allerdings würden stattdessen die Regierungen und Notenbanker immer den leichteren Weg des Gelddruckens wählen. Unsicherheit und der Weg von der Asset Inflation in die allgemeine Inflation seien logische Folge .

Jetzt noch etwas Positives: Die Gewinner des Immobilienmanager Award, die gestern Abend vor 420 Gästen ihre Trophäen überreicht bekamen, waren Siemens RE, Union Investment, WvM, Landesbank BW, „Green Lease“, Hochtief PE, ECE/Rreef/Strabag, DIC, Universitätsviertel Essen, ImmobilienScout, Michael Zahn als Kopf des Jahres, Kurt Zech für Lifetime und als Surprise Prize das EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, was mich als Hochschulrat der EBZ Business School natürlich besonders freut.

 

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