VGF Summit – Zahlen zum Fürchten – Immobilien retten die Bilanz

21.Februar 2013   
Kategorie: Der Fondsbrief, News

Aus den Boxen dröhnt martialische Musik wie bei einem Gladiatoren-Film. Auf die Leinwand werden positiv besetzte Begriffe projiziert: Qualität, Chance, Wachstum, Wandel. VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba betritt die Bühne und schaut ins Publikum. Nichts geschieht. Niemand applaudiert. Offenbar hatten sich die katastrophalen Umsatzzahlen 2012 bereits herumgesprochen.

 

Einiges wirkte nicht abgesprochen beim diesjährigen VGF-Summit, dem von Verband Geschlossene Fonds organisierten, wichtigsten Branchen-Treff des ganzen Jahres. „Genießen Sie die Veranstaltung, denn es wird die letzte sein“, beginnt Romba und fügt nach einer kurzen Pause an: „Dieser Art.“ Der Summit sei zwar auch eine Gelegenheit, sich gegenseitig das Leid zu klagen. Nach dem Motto: Früher war alles besser. „Nächstes Jahr wird wieder alles besser“, macht Romba Mut und kommentiert die Katastrophen-Zahlen des vergangenen Jahres.

 

Als VGF-Vorstandsvorsitzender Oliver Porr die Bühne betritt, gibt es den ersten Applaus. „Ich verlasse mein Skript, weil ich zunächst etwas klarstellen möchte“, sagt Porr. „Zum Thema letzter Summit: Das hier ist keinesfalls das Ende der Branche. Der Verband wird sich jedoch anders ausrichten.“ Als gute Nachricht verkündet er, dass sich die Initiatoren, die zunächst abwarten wollen, was die Regulierung mit sich bringt, weiterhin um Kunden und Assets kümmern werden. (Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?) Außerdem kündigte er an, dass es künftig mehr hybride Verpackungen geben werde als in der Vergangenheit: „Der Markt nimmt die Regulierung vorweg.“

 

„Wir hatten mit einem schlechten Ergebnis gerechnet, aber diese Zahlen überraschen uns dennoch.“ So lässt sich die Reaktion der meisten Initiatoren auf den Umsatz des vergangenen Jahres zusammenfassen. „Eher ernüchternd“, sagt Porr dazu. Der Gesamtmarkt kommt auf ein Volumen von knapp 7,4 Milliarden Euro, Anleger steuerten 4,5 Milliarden Euro dazu bei.  Wobei der Anteil institutioneller Großinvestoren knapp 1,4 Milliarden Euro beträgt, was ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Private Kapitalanleger investierten 2012 nur noch gut 3,1 Milliarden Euro in KG-Modelle mit Sachwerten Ein Minus von 35 Prozent gegenüber dem 2011-er-Ergebnis.

Und was kommt in diesem Jahr? Porr listet auf: Die Immobilienmärkte sind überkauft, in der Schifffahrt lassen gute Nachrichten bestimmt noch 18 Monate auf sich warten, und was Erneuerbare Energien betrifft, so hat Umweltminister Peter Altmeier mit seiner geplanten Strompreis-Bremse für Unruhe gesorgt. Um die Kosten für die Verbraucher zu begrenzen, sollen Betreiber von Ökostrom-Anlagen einen Energie-Solidari-tätsbeitrag leisten.

 

Was die Regulierung der Fonds betrifft, so herrscht bei vielen Anbietern weiterhin Unsicherheit. Genährt auch durch die Ankündigung des Bundesrates, er möchte die Fremdfinanzierung der Assets auf 30 Prozent statt auf 60 Prozent begrenzen. Zwar ist das Gesetz zur Umsetzung der europäischen AIFM-Richtlinie wohl nicht zustimmungspflichtig, doch wer weiß, was letztlich kommt? Initiatoren sind verunsichert und halten sich mit dem Ankauf von Assets zurück.

Immerhin hat der VGF Lichtblicke
ausgemacht. „Dass institutionelle Anleger verstärkt in geschlossene Fonds investieren, halte ich für ein gutes Zeichen“, so Porr. „Es belegt die Qualität der Fonds.“

 

Die Masse der Initiatoren kann davon jedoch nicht profitieren. Knapp eine Milliarde Euro Insti-Eigenkapital verteilen sich auf gerade einmal drei Anbieter: Signa, KGAL und IVG. Den meisten Anbietern ist es noch nicht gelungen, neben den privaten Kapitalanlegern ein zweites Standbein auf den Boden zu bekommen. Und immer mehr bezweifeln inzwischen, ob sie überhaupt dazu in der Lages sind.

 

Probleme sieht auch Romba: „Der Umsatz von Institutionellen ist derzeit noch kein Breitengeschäft.“ Ob ein Initiator Zugang zu diesen Anlegern findet, hän-

ge maßgeblich von seiner Performance ab. Entscheidend sei außerdem, dass Anbieter und Investoren die gleiche Sprache sprechen. Immerhin: Er sieht ein großes Bedürfnis, in gemanagte Sachwerte zu investieren. „Nächstes Jahr können die Unternehmen außerdem Umsätze mit Vehikeln machen, die jetzt von uns noch nicht erfasst werden.“

 

Chance durch Regulierung. Augenhöhe mit anderen Kapitalmarktprodukten. Diese Schlagwörter zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Die VGF-Macher wurden nicht müde zu betonen, dass sie 2013 den Übergang in eine „neue Welt“ erwarten. Wobei auch ihnen klar ist, dass durch gesetzliche Vorschriften alleine der Markt nicht gesäubert werden kann. „Keine Regulierung wird Produkte vermeiden, mit denen Anleger Geld verlieren“, so Porr.

 

In der kommenden Ausgabe bringt der Fondsbrief einen längeren Bericht mit Stimmen verschiedener Anbieter zum Markt und seinen Möglichkeiten im Jahr 2013.

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