Halbfinalspiel LEG/DW unter Vonovia-Hooligan-Beschuss

Deutsche Wohnen und LEG sagen Fusion ab

Werner Rohmert, Hrsg. „Der Immobilienbrief“, Immobilienspezialist „Der Platow Brief“

(vorab gestern im Internet veröffentlicht)

Zuerst erreichte uns die Nachricht der LEG, dass diese zukünftig ihre „erfolgreiche Wachstumsstrategie auf eigenständiger Basis fortsetzen“ werde. Parallel wurde bekannt, dass die Deutsche Wohnen die HV vom 28.10., in der die Fusion von LEG und Deutsche Wohnen absegnet werden sollte, abgesagt hat. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen AG seien zu der Überzeugung gekommen, dass sie bei den Aktionären nicht die erforderliche 75-Prozent-Mehrheit für die Übernahme der LEG Immobilien AG erreichen können. Ein Vorstoß von DAX-Konzern Vonovia mit Chef Rolf Buch hatte die Fusion torpediert. Er bot an, die Deutsche Wohnen zu übernehmen und unterbreitete seinerseits ein Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen. Einige bedeutende Aktionäre hatten sich in den letzten Tagen zu Gunsten einer Deutsche Wohnen Übernahme durch Vonovia ausgesprochen. Damit wurde die angestrebte 75% Mehrheit wohl fraglich. Andererseits geriet die Vonovia-Aktie unter Druck, da jetzt der Markt noch Nachbesserungserwartungen hat. Jetzt machte auch der Vorstand der Deutsche Wohnen zu dem „unaufgeforderten Vorstoß der Vonovia SE“ klar, dass er das NAV-Wachstumspotenzial und die hohe Qualität des Immobilienportfolios der Deutsche Wohnen nicht reflektiere. Für „Der Immobilienbrief“ macht diese in der Immobilienwirtschaft neue Konsequenz der Kapitalmarktorientierung nachdenklich. Das ändert aber nichts an der brutalen, aber wahrscheinlich erfolgreichen Umsetzung der Wachstumsstrategie zu einer marktstarken deutschen Wohnungs AG mit später 1 Mio. Wohneinheiten. Chapeau!

 

„In den vergangenen Wochen haben wir viele Gespräche mit unseren Aktionären geführt“, sagt Thomas Hegel, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien AG. „Wir haben bezüglich unserer Geschäftsentwicklung und unserer etablierten Strategie sehr positive Rückmeldungen erhalten. Die LEG verfügt über ein starkes wirtschaftliches Fundament. Wir sind effizient aufgestellt und erzielen ein nachhaltig überdurchschnittliches Mietwachstum in einem sehr attraktiven Vermietungsmarkt. Unsere Strategie der regional fokussierten Expansion überzeugt.“ Parallel sagte die Deutsche Wohnen die Abstimmungs-HV ab und erwartet eine Nachbesserung des unfreundlichen Übernahmeangebotes. Ein neuer Ton bei Deutschlands Immobilien AG’s ist angestimmt. Interessant ist, dass Vonovia für den erfolgreichen Torpedo-Abschuss von der Börse abgestraft wurde. PLATOW meinte am Mittwoch noch vor Bekanntwerden des LEG-Rückzuges „Auf der anderen Seite sieht das Angebot von Vonovia für die Aktionäre auf den ersten Blick auch nicht sonderlich attraktiv aus. … Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Anteilseigner der Deutsche Wohnen … eine Nachbesserung des Vonovia-Angebots fordern. Das wäre entsprechend negativ für den DAX-konzern.“ Die Vonovia-Aktie hat bereits gelitten (siehe Platow-Chart).

 

Lassen wir kurz die Entwicklung der letzten beiden Wochen rekapitulieren. In unserer Exüber po Real Ausgabe berichteten wir das Zitat des stellvertretenden Vonovia-Vorstandes Thomas Zinnöcker: „Deutsche Wohnen und LEG bringen gerade das Halbfinalspiel zu Ende“. Das bekommt jetzt Inhalt. Wer erwartet hatte, das Endspiel finde als Fusion von neue großer Deutsche Wohnen AG (DW) mit einverleibter LEG und der neuen DAX-Größe Vonovia statt, wird von der Geschwindigkeit des Vonovia-Managements überrascht. Friedliche Merger Gleichgesinnter wie Deutsche Annington/Gagfah (heute Vonovia) und DW/LEG münden jetzt in eine Übernahmeschlacht. Vonovia mit 370 000 Whg. bietet den Aktionären der DW mit alleine 140 000 Whg. eine Alternative zum Übernahmeangebot für die LEG Immobilien AG an. Das hat dann wohl schnell die Pläne von Michael Zahn, VV DW, und Thomas Hegel, VV LEG zunichte machen, eine voll wettbewerbsfähige „No. 2“ nach Zahl der Wohnungen bei gleichzeitiger Qualitätsführerschaft des Bestandes zu etablieren.

Da wahrscheinlich eine „Endspiel-Fusion“ sehr teuer würde, möglicherweise der direkte Vergleich der Bestände mit teilweisem Sanierungsnachholbedarf der Vonovia keine besondere Freude machen würde, vielleicht auch nur die nicht verborgene Überraschung das Ego des Vonovia Managements angekratzt hat, oder natürlich vielleicht doch nur auch aus ausschließlich rationalen strategischen Gründen im ausschließlichen Interesse aller Aktionäre hat Vonovia eine erfolgreiche „Divide et Impera“ Strategie umgesetzt.

 

Rolf Buch, VV des neuen DAX-Wohnungsriesen der Vonovia SE sieht nach eingehender Analyse und einer Reihe von Gesprächen mit Aktionären von Vonovia und DW einen Zusammenschluss von Vonovia und DW als tragfähiger und strategisch sinnvoller als die DW/LEG-Alternative an. Eine Reihe von institutionellen Anlegern der Deutsche Wohnen hatten sich in den letzten Tagen öffentlich für das Vonovia-Angebot ausgesprochen. Das vermeidet die Risiken der Fusion und bringt schnell Gewinn in die Kassen. Vonovia bietet 7 Vonovia-Aktien sowie eine Barzahlung von 83,14 Euro für 11 Deutsche Wohnen-Aktien. Das entspricht einer Prämie von rund 9,8% auf Basis der unbeeinflussten Schlusskurse vom 8.10.2015 bzw. einer Prämie von 11% auf den 3-Monatsdurchschnitt. 8,8 Mrd. Euro ist die Offerte schwer. Nach Schuldenübernahme und Verwässerungsumrechnung sollen insgesamt 14 Mrd. Euro in die Hand genommen werden. Aus PLATOW-Sicht wird das wohl noch nachgebessert werden. Bei aktuellen Zinsen ist das auch kein Problem. Das Angebot gelte aber erst bei HV-Ablehnung des DW/LEG Deals hatte Buch „freundschaftlich“ eingeschränkt. Das ist jetzt wohl obsolet.

 

Fazit: Die Argumentation zu Management-, Synergie- und Skaleneffekten hatte Ihnen „Der Immobilienbrief“ aus Buch-Gesprächen schon vorgestellt. Buch ist lt. Pressenotiz von der DW/LEG-Vorgehensweise überrascht worden. Es hatte wohl schon erfolglose Gespräche gegeben. Buch zeigt sich offen für ein konstruktives Gespräch mit dem DW Management, dessen Pläne allerdings eher gestört scheinen. Über die zukünftige Hierarchie lässt noch nicht einmal die offizielle Pressenotiz der Vonovia Zweifel. „Das Portfolio der Deutsche Wohnen wird die Präsenz von Vonovia … weiter stärken.“ Das Handelsblatt zitiert Rolf Buch dann auch mit der Feststellung, dass die Priorität des Managements auf eine DW/LEG-Fusion  „ohnehin nicht mehr wichtig“ sei. „Jetzt entscheiden die Aktionäre.“

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