Im Gespräch mit Anselm Gehling, Dr. Peters: „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten“

26.März 2013   

Kategorie: Der Fondsbrief, News

Initiatoren von Schiffsfonds dürfen von ihren Anlegern keine Rückzahlungen gezahlter Ausschüttungen verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof BGH am 12. März entschieden und
damit vier Urteile von Landes- und Oberlandesgerichten kassiert.

Anselm Gehling

Anselm Gehling

Geklagt hatten Zeichner der Dr. Peters-Schiffsfonds „DS 38 MS Cape Hatteras“ und „DS 39 MS Cape Horn“. Insgesamt hatte Dr. Peters 75 Millionen Euro aus 22 Fonds von den Anlegern zurück gefordert. Der Fondsbrief sprach über das BHG-Urteil mit Anselm Gehling, nach dem plötzlichen Tod des Unternehmensinhabers Jürgen Salamon Ende vergangenen Jahres als CEO für das operative Management der gesamten Gruppe zuständig.

Der Fondsbrief: Wie kommentieren Sie die Entscheidung des BGH?

Anselm Gehling: Wir werden zunächst prüfen, ob das Urteil für alle unsere Schiffsgesellschaften gilt, wovon ich aber ausgehe. Es erschwert unsere Bemühungen erheblich, Schiffspleiten zu verhindern. Wir haben die Entscheidung rechtlich zu respektieren, ich bewerte sie aber als einen Pyrrhussieg, einen teuer erkauften Erfolg. Denn ohne das nötige Kapital der Fondszeichner werden zahlreiche Schiffe in die Insolvenz fahren. Und dann ist das Kapital der Anleger endgültig verloren.

FB: Werden Anleger die Rückzahlungen nun ihrerseits von Dr. Peters zurückfordern?

Gehling: Ich gehe davon aus, dass einige Anleger das anstreben. Allerdings haben wir das Geld ja nicht auf einem Festgeldkonto geparkt, sondern in den Betrieb der Schiffe investiert, in Sondertilgungen und Sanierungskonzepte. Die jeweiligen Fonds können in der Regel nicht ausschütten und sind daher auch nicht in der Lage, das Kapital zurückzuzahlen.

FB: Hat Sie die Entscheidung überrascht?

Gehling: Der BGH legt bestimmte Klauseln in unseren Gesellschaftsverträgen anders aus als die Landes- und Oberlandesgerichte das getan haben. Das hat uns kalt erwischt, damit hatte niemand von uns und unseren Anwälten gerechnet. Wir müssen nun versuchen, die Anleger davon zu überzeugen, sich freiwillig an den Sanierungskonzepten zu beteiligen. Unser einziges Ziel war es, die Fonds durch die Krise zu schippern. Daher sehe ich uns und unsere Reputation durch das Urteil auch nicht belastet.

FB: Welche Konsequenzen erwarten Sie durch die Entscheidung?

Gehling: Wir werden den einen oder anderen Schiffsfonds verlieren. Aber das Urteil hat keine Auswirkungen auf unsere Pläne. Aktuell denken wir zwar nicht über neue Schiffsbeteiligungen nach, aber wenn die Zeit dafür reif ist, arbeiten wir an neuen Konzepten. Ich bin jedoch auch weiterhin ein Freund des KG-Modells, denn es beteiligt den Anleger unmittelbar an der Gesellschaft. Wir müssen unseren Kunden jedoch noch intensiver klar machen als früher, dass sie in unternehmerische Beteiligungen mit Chancen und Risiken investieren.

FB: Sie sind Ende 2011 nach 15-jähriger Tätigkeit als Wirtschaftsanwalt zu Dr. Peters gekommen. Mit welchen Aufgaben?

Gehling: Unternehmensinhaber Jürgen Salamon wollte sich spätestens 2014 in einen Beirat zurückziehen und das operative Geschäft auf mehrere Schultern übertragen. Meine Aufgaben dabei waren unter anderem, das operative Geschäft zu koordinieren und das Thema Regulierung anzugehen.

FB: Mit dem Tod Jürgen Salamons wurden strukturelle Veränderungen dringender.

Gehling: Das stimmt. Wir mussten strukturelle und personelle Veränderungen früher angehen, Das inhabergeführte Unternehmensmodell ist keines für die Zukunft, vor allem hinsichtlich der Anforderungen aus der Regulierung. Wobei Dr. Peters bereits zu Zeiten Jürgen Salamons mit vielen qualifizierten Sachbearbeitern und Geschäftsführern breit aufgestellt war.

FB: Wie bereiten Sie sich auf die Umsetzung der AIFM-Vorschriften vor?

Gehling: Schon seit dem Frühjahr 2012 arbeiten wir daran, unsere Produkte so zu konzipieren, dass wir mit jeder Regulierung zurechtkommen. Wir haben beispielsweise unsere Prozessabläufe optimiert und sind derzeit dabei, Vorbereitungen für die Gründung einer KVG zu treffen. Aktuell suchen wir dazu noch Risikomanager und Controller, denn im Sommer wollen wir den Zulassungsantrag bei der BaFin stellen.

FB: Ist die Gründung der Tochter DS Portfolio eine Reaktion auf die kommende Regulierung?

Gehling: Nein. Wir wollen attraktive Modelle mit Schwerpunkt Sicherheit anbieten, die nicht in erster Linie von hohen Ausschüttungen geprägt sind. Eckpunkte sind eine höhere
Tilgung, Liquiditätsreserven und Rückstellungen. Wir werden damit Anleger verlieren, die vor allem Wert legen auf hohe laufende Auszahlungen. Aber ich denke, dass die
Zeiten vorbei sind, in denen die Vertriebe Fonds in erster Linie über hohe Ausschüttungen verkauft haben.

FB: Auf welche Assets setzen Sie in Zukunft?

Gehling: Hauptsächlich auf Flieger und Immobilien. Allerdings ist das Immobilien-Angebot sehr reduziert. Beim  Faktor  18  Jahresmieten

FB: Wo sehen Sie die Branche in einem Jahr?

Gehling: Die Zahl der Teilnehmer wird sich erheblich ausdünnen. Chancen bekommt nur noch der Initiator, der transparent ist, dazu kommunikativ stark und konservativ konzipierte Produkte anbietet. Ich habe das Glück, dass ich nicht seit 20 Jahren mit der Branche verhaftet bin, daher kann ich von außen auf den Markt schauen. Wir werden ausschließlich Fonds konzipieren, die nicht nur ich, sondern jeder vernünftige Investor zeichnen würde.

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