Deutschlands Händler behaupten ihre Weltmarktposition

Deutschlands Einzelhändler sind krisenerprobt. Seit dem Vereinigungsboom zu Beginn der 1990er-Jahre stagniert der Einzelhandelsmarkt, so dass sich nur die Besten durchsetzen konnten. Zudem ist Deutschland das „Mutterland der Discounter“, seit die Gebrüder Albrecht den Discounter „Aldi“ erfunden und weltweit salonfähig gemacht haben. Preisgünstige Konzepte reüssieren gerade in schwierigen Zeiten. Deshalb erstaunt es nicht, wenn das Beratungsunternehmen Deloitte feststellt, dass sich deutsche Handelsunternehmen im internationalen Ranking weiter verbessern konnten.

Untersucht hat Deloitte in seinem Report mit dem komplizierten Titel „Emerging from the Downturn – Global Powers of Retailing 2010“ – frei übersetzt: „Auferstanden aus Ruinen – die globale Kraft des Einzelhandels im Jahr 2010“ – die 250 größten Handelskonzerne der Welt auf Grundlage der Zahlen von 2008. In diesem Ranking sind einige namhafte deutsche Konzerne nach oben gerückt: So hat die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) gleich zwei Plätze gut gemacht und ist weltweit auf Rang 5 gerückt, Discounter Aldi kletterte auf Rang 9 und die Kölner Rewe Group schob sich auf Position 1. Laut Deloitte dominierten Lebensmittelhändler 2008 nicht nur die Top 250, sondern konnten ihre Umsätze sogar noch moderat steigern – allerdings bei vergleichsweise geringer Profitabilität.

Des Weiteren hat sich die Düsseldorfer Metro Group laut Deloittet an der britischen Tesco vorbei auf Rang 3 geschoben – hinter dem US-Giganten Wal-Mart und der französischen Carrefour. Allerdings verwundert diese Einschätzung insofern, als Metro schon seit Jahren als die weltweite Nummer 3 gesehen wird.

„Als besonders wachstumsstark erwies sich wie schon 2007 die Drogerie-Kette Rossmann, die als einziges deutsches Unternehmen in den Top 50 der am schnellsten wachsenden Handelskonzerne vertreten ist“, wie das Beratungsunternehmen konstatiert. Rossman schob sich hier auf Rang 22. Die Hamburger Edeka rangiert auf Platz 19, der Otto Versand auf 70, Schlecker auf 89 sowie C&A auf 99. Weitere deutsche Vertreter unter den Top 250 sind Globus, dm, Praktiker, Celesio, Norma, die Douglas Holding, Deichmann, Bauhaus und Hornbach.

Die schwierige Marktlage zeigte allerdings bereits 2008 deutliche Spuren bei der Profitabilität der Top-250-Unternehmen. Sie ist von durchschnittlich 3,7 auf 2,4% gesunken – in Europa sogar von 4,1 auf 2,7%. Beim Umsatz stand der europäische Einzelhandel mit einem Zuwachs von 7,2% deutlich besser da als die Händler in den USA (4,5%). Auch in Asien war der Zuwachs mit 7,3%, trotz Japans Schwäche (+ 1,4%), akzeptabel. Die Umsätze aller Top-250-Konzerne lagen laut Studie mit 6,3% um 1,3 Prozentpunkte unter Vorjahresniveau. Die Zahlen für 2009, die noch nicht vorliegen, dürften noch darunter liegen.

Wie bereits im Jahr 2005 haben Deutschlands Unternehmen, neben den Wettbewerbern aus Frankreich, ihre Position als weltweit internationalste Einzelhändler behauptet. Laut Deloitte-Report erzielen deutsche und französische Konzerne 40% ihrer Umsätze im Ausland. Konzerne mit starker internationaler Ausrichtung hätten sich generell gegenüber den lokal fokussierten Unternehmen als die besseren Performer erwiesen, konstatieren die Forscher.

2009 dürfte sich das Bild ändern. Denn auch international positionierte deutsche Handelskonzerne stellen fest, dass der hiesige Markt im europäischen Vergleich der stabilste ist und die Konzerne hier derzeit relativ gesehen erfolgreicher sind als im Ausland.

Im Gegensatz zu 2007 konnten sich auch die Anbieter mit einem diversifizierten Portfolio gegenüber den fokussierten Unternehmen besser behaupten: „Multi-Format-Konzerne verkauften deutlich mehr“, stellen die Forscher fest. Außerdem brachte das Jahr 2008 weltweit die „Renaissance der Supermärkte“. „Sie konnten ihre traditionelle Stärke innerhalb der Top 250 nicht nur halten und z.B. gegen Hypermärkte und Convenience Stores verteidigen, sondern stellen auch die meisten Neueinstiege in die Top-Liste“, heißt es im Report. Das bestätigt auch den Trend in Deutschland, wo  Edeka, Rewe und Tengelmann mit neuen Nahversorgungskonzepten reüssieren.

„Der Weg aus der Krise wird nicht einfach“, schätzt Jochen Kuhnert, Partner Retail bei Deloitte. „Die Verbraucher achten enorm auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und sparen vor allem an Gütern aus dem Luxus- und Freizeitsegment.

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