Aus Hamburger Sophienstrasse wird „Sophienpalais“

Jürgen Hoffmann

Vor 70 Jahren arbeiteten in dem neoklassizistischen Putzbau an der Sophienterrasse in Hamburg-Harvestehude Nazis, nach dem Krieg wurden hier junge Männer von der Bundeswehr für den Dienst an der Waffe gemustert und jetzt soll Karl Lagerfeld dem Gebäude neuen Glanz verleihen. Der Modezar hat von Frankonia Eurobau den Auftrag erhalten, die adlerbekrönte Eingangshalle und die ehemalige Offiziersmesse umzugestalten. Damit wollen die Projektentwickler den Verkauf der 105 „herrschaftlichen Wohnungen“, so die Werbung, ankurbeln, die in den entkernten Flügeln des denkmalgeschützten Gebäudes ab Sommer entstehen sollen. Die Quadratmeterpreise für die Luxus-Appartements (37 bis 230 qm) im künftigen „Sophienpalais“: zwischen 5.500 Euro und knapp 11.000 Euro. Rund 100 Millionen Euro steckt Frankonia in die Umwandlung der einstigen Standortkommandantur der Wehrmacht und Bundeswehrkommandantur. Die Fassade und das Treppenhaus des 1936 errichteten Gebäudes müssen erhalten bleiben. An der Rückseite – Südwest-Lage – bilden bodentiefe Fenster, Terrassen und Balkone einen architektonischen Kontrapunkt zum historischen Bau. Besonders sensibel müssen die Umbauten im Dach des monumentalen Gebäudes sein, wo zweigeschossige Penthouses entstehen sollen. Diese „Skydecks“ dürfen zur Straßenseite hin lediglich kleinere Dachflächenfenster bekommen. In der ehemaligen Offiziersmesse im ersten Obergeschoss entsteht die Lounge „Club Sophie“, die den Bewohnern des Hauses exklusiv zur Verfügung steht. „So etwas gibt es in der Stadt noch nicht“, sagt Frankonia-Niederlassungsleiter Felix Lukasch. Außerdem sind ein Spa-Bereich, ein Concierce-Service und eine Hunde-Dusche in der Nähe des Haupteingangs geplant. Termin für die Fertigstellung: Ende 2013. Das „Sophienpalais“ ist Teil eines neuen Stadtquartiers auf einem 44.000 Quadratmeter großen Gelände  an der noblen Außenalster mit Büros (Bruttogeschossfläche: 6.000 qm) und insgesamt 200 Wohneinheiten (36.000 qm). Eine Bedingung für die Genehmigung der Neubauten: Einbindung des grauen Militärverwaltungsgebäudes. Die Projektentwickler wollten daraus zunächst ein Hotel machen, nun werden Appartements entstehen. „Wohnen im Denkmal hat hohe Lebensqualität“, sagt Felix Lukasch. Als Käufer hat er vor allem Kapitalanleger im Visier, für die ein Erwerb besonders interessant sei, weil es Abschreibungsmöglichkeiten nach § 7h/7i EStG gibt: Im Rahmen der Denkmalschutz-AfA können Investoren 100 Prozent der förderfähigen Herstellungskosten absetzen. Lukasch konstatiert, dass in den vergangenen Planungsmonaten die Anzahl kleinerer Einheiten mit Blick auf die Zielgruppe der Kapitalanleger angehoben wurde. Ursprünglich sollten auch Wohnungen mit 370 Quadratmeter entstehen.

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