Heimspiel für Fondsinitiatoren

22.März 2010   

Kategorie: Der Fondsbrief

Anleger stehen auf Angebote mit Deutschland-Immobilien – Düsseldorf gefragt

Rund jeden sechsten Euro aller Beteiligungsmodelle haben die Anleger 2009 in Fonds mit deutschen Immobilien investiert. Das hat Feri in seiner aktuellen Gesamtmarktstudie ermittelt. „Der deutsche Immobilienmarkt ist nicht in gleicher Weise von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen wie die übrigen internationalen Märkte“, begründet Feri-Chef Helmut Knepel. „Übertreibungen bei den Preisen sind ausgeblieben, und auch die Nachfrage brach nicht so exorbitant ein.“

 

Der Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Darauf zumindest lässt das große Angebot schließen. Potenzielle Anleger können aus einer Reihe von Immobilienfonds auswählen. Besonders beliebt ist Düsseldorf. Aktuell bieten vier Initiatoren in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens geschlossene Fonds an. Mitten in der Innenstadt, direkt an der noblen Einkaufsmeile Kö, steht das Fondsobjekt des Initiators Deutsche Fonds Holding. Anleger beteiligen sich an einem repräsentativen Gebäude, dass bis 2020 an die Commerzbank vermietet ist.

 

Hesse Newmann platziert ein Green Building mit niedrigem Energieverbrauch und Siemens als Mieter in der Nähe des Flughafens. Signa arbeitet an einen Fonds mit der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte & Touche als langjährigem Nutzer mit zwölfjährigem Vertrag in einem Green Building ebenfalls nicht weit vom Flughafen entfernt, und Real I.S. bringt in der selben Gegend ein Objekt, das 15 Jahre lang an die Bezirksregierung vermietet ist. Ein Mieter nach dem Geschmack der Anleger, die vor allem in diesen Zeiten auf dessen Bonität und damit verbunden auf erwartete, gesicherte Einnahmen schauen. „Wir gehen davon aus, dass der Fonds bis zum Sommer platziert ist“, sagt Real I.S.-Geschäftsführer Andreas Heibrock. Ein Nachfolger ist bereits so gut wie in trockenen Tüchern. Wahrscheinlich Ende des zweiten Quartals wird Real I.S. einen Fonds in den Vertrieb bringen, der die Zentrale des Energie-Riesen e-on Bayern in Regensburg finanziert.

 

Bei diesem Mieter dürfte die bayerische Provinz als Investitionsstandort kaum abschrecken. Ähnliche Erfahrungen hat Initiator Hannover Leasing gemacht. Hier ist die Revier-Metropole Dortmund ebenfalls kein K.O.-Kriterium. Zeichner beteiligen sich an einem Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Union-Brauerei. Auch hier überzeugt in erster Linie der Mieter: 15 Jahre lang nutzt die Bundesinnungskrankenkasse Gesundheit die Räume, eine Einrichtung des öffentlichen Rechts. Daher kann es nicht überraschen, dass Hannover-Leasing-Geschäftsführer Hans Volkert Volckens die Vollplatzierung in wenigen Tagen erwartet.

 

Wie wichtig ein finanzstarker Nutzer ist, belegt die Einschätzung der Deutschen Hypo AG. Die Experten des Immobilienfinanzierers sind davon überzeugt, dass das Schlimmste auf den deutschen Märkten noch nicht überstanden ist. „Büromärkte reagieren mit einer Zeitverzögerung auf den wirtschaftlichen Zyklus. Daher rechnen wir in diesem Jahr mit einem Abschwung. Die Arbeitslosigkeit steigt, es wird weniger Bürofläche benötigt. Gleichzeitig wird weitere Fläche fertig gestellt. Wir erwarten daher einen steigenden Leerstand und deutlich sinkende Mieten“, sagt Günter Vornholz, Immobilien-Researcher der Deutschen Hypo.

 

Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnet das Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle. Deutschland-Chef Andreas Quint hat einen weiteren Risikofaktor ausgemacht: „Der hohe Eurokurs schwächt die Wettbewerbsposition der deutschen Exportwirtschaft. Deshalb schließen wir weiteren Druck auf die Gewerbemieten nicht aus.“ Er spricht daher von 2010 als „Jahr der Bewährung“ auf den deutschen Immobilienmärkten. Quint prognostiziert, dass in diesem Jahr knapp drei Millionen Quadratmeter Bürofläche fertig gestellt werden. Nur rund ein Viertel davon ist bereits vorvermietet. Der Leerstand in Deutschland steigt so im Schnitt auf zwölf Prozent.

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