Riesenrad-Anleger drehen langsam durch

18.Februar 2010   

Kategorie: Der Fondsbrief

 

 Objekt in Peking steht unter Zwangsverwaltung – Insolvenz möglich

 Schlechte Aussichten für die Anleger des Riesenrad-Fonds „Global View“ von Delbrück Bethmann Maffei. Das Projekt in Peking steht unter Zwangsverwaltung, nachdem die HypoVereinsbank das Darlehen gekündigt hat. Zwar laufen derzeit Gespräche zwischen der Bank ABN Amro als Muttergesellschaft des Fondsinitiators, der HypoVereinsbank und dem Zwangsverwalter aus Singapur. Sollten sie jedoch ohne Ergebnis bleiben, droht eine Insolvenz des Pekinger Projektes.

 

Das Rad in China ist eines von drei geplanten Fondsobjekten nach Vorbild des London Eye in der britischen Hauptstadt. Weitere Standorte sind Berlin und Orlando. Viel geschehen ist dort allerdings noch nicht. Während in Peking knapp drei Jahre nach der Grundsteinlegung kaum mehr als die Bodenplatte zu sehen ist, führen in Berlin die lokale Projektgesellschaft und die Fondsgesellschaft gegenwärtig Gespräche mit potentiellen Baupartnern. „Die endgültige Entscheidung für einen Generalunternehmer wird im Lauf des 1. Quartals 2010 angestrebt. Parallel hierzu werden trotz schwieriger Marktbedingungen die Gespräche über eine Fremdfinanzierung weitergeführt“, steht in einem Pressestatement des Anbieters dazu. Und weiter: „Das Projekt in Orlando befindet sich noch in der Planungsphase.“ Ob in Florida jemals Fahrgäste zwischen Disneyworld und Universal Studios rotieren, scheint fraglich.

 

Riesenrad Singapur

Riesenrad Singapur

Im schlimmsten Fall müssten die rund 10.000 Investoren ihren Einsatz abschreiben. Kein Wunder, dass sich Anlegeranwälte in Stellung gebracht haben. Die Kanzlei Mattil & Kollegen etwa sieht auch die Deutsche Bank als großen Vertriebspartner in der Schusslinie. „Die meisten Anleger sind entsetzt über die Art und Weise, wie diletantisch mit ihrem Geld umgegangen wurde. In Berlin hat man das Anlegergeld für ein Grundstück ausgegeben, ohne dass die Finanzierung des Riesenrades gesichert war. Viele sind auch empört, dass ihnen ihre Bank so eine Beteiligung sogar als sichere Anlage verkauft hat“, sagt Rechtsanwältin Katja Fohrer, die mehr als 100 Anleger des Fonds vertritt.

 

Entscheidend für die Entwicklung des Global View wird auch der Vorgängerfonds sein, der ein Riesenrad in Singapur finanziert. Das weltweit größte Rad mit 165 Höhe steht und dreht sich, lockt aber erheblich weniger Touristen an als geplant. Schlagzeilen machte es vor gut einem Jahr, als Passagiere nach einem technischen Ausfall teils mit einem Hubschrauber gerettet werden mussten. Aus dem Umfeld des Initiators heißt es: „Sollten die Probleme in Singapur nicht gelöst werden, brauchen wir über Peking, Berlin und Orlando gar nicht zu reden.“

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