Interview mit Jörg R. Lammersen, Niederlassungsleiter TLG Immobilien GmbH Berlin/Brandenburg

Jörg R. Lammersen

Jörg R. Lammersen

Die TLG Immobilien GmbH Niederlassung Berlin/Brandenburg ist mit rd. 270 Immobilien, 4.600 Mieteinheiten und einem Anlagevermögen von rd. 514 Mio. Euro auf dem Berliner und Potsdamer Immobilienmarkt sowie in den prosperierenden Landkreisen rund um die Hauptstadt präsent. Prägnant für das Berliner Stadtbild ist der 220 m lange TLG-Gebäudezug Alexanderstraße 1/3/5 am Alexanderplatz sowie die „Kulturbrauerei“ im Prenzlauer Berg. Seit 2006 wird die Niederlassung von Jörg R. Lammersen (45) geleitet. Mit ihm sprach „Der Immobilienbrief Berlin“.

Frage: Wie ist Ihre Beziehung zu Berlin?

Ich bin begeisterter Berliner. Mauer und Teilung der Stadt sind überwunden, die Insellage Westberlins, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin, ist glücklicherweise Geschichte. Es geht vorwärts. Die Stadt hat ihr Umland wieder zurück und wächst zwischen dem ehemaligen Osten und Westen zusammen. In diesem Prozess ist ein guter Teil des Weges geschafft. Gleichwohl bleibt noch viel tun, mindestens für eine Generation, bis die Barrieren in den Köpfen, die es hier und da noch gibt, endgültig verschwunden sind. Berlin polarisiert – das zeigen insbesondere die Jahre der Euphorie nach der Maueröffnung und des Umschwungs danach – aber das ist in Teilen auch der Reiz der Stadt.

Frage: Worin sehen Sie den größten Beitrag Ihres Unternehmens für das wirtschaftliche Vorwärtskommen Berlins?

Die TLG Immobilien ist eines der wenigen großen Immobilienunternehmen in Berlin. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz sowie gleichzeitig eine starke Niederlassung in der Bundeshauptstadt und ist damit ein starker Wirtschaftspartner. Wir sind Bestandshalter von Immobilien und ein langfristig orientierter Investor in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Dabei decken wir mit eigener Projektentwicklung, Vermietung, Portfolio- und Asset-Management die gesamte Wertschöpfungskette rund um die Immobilie in allen Nutzungsarten von Wohnen über Büro, Einzelhandel und Gewerbe ab. Mit einem Wert von 514 Millionen Euro under Management ist unser Hauptgeschäftsfeld selbstverständlich das Bestandsmanagement. So sind wir einer der größten Einzelhandelsvermieter der Region mit unseren Mietvertragspartnern Kaiser`s Tengelmann, REWE und Hellweg-Baumärkten. Aber auch zwei Bundesministerien, Galerien, Werbeagenturen, Kinos und mehrere Tausend Wohnungsmieter sind unsere Mietkunden, für die wir uns jeden Tag neu einsetzen.

Frage: Was treibt Sie sonst noch um?

Auch in Teilen meiner knappen Freizeit treibt mich besonders die Immobilienbranche um. So bin ich Mitglied im Bundesvorstand von Immoebs e. V., des größten Alumni-Netzwerks der Immobilienbranche und seit zwei Jahren auch im Vorstand des Landesverbandes Berlin/Brandenburg des BFW, in dem ich insbesondere die Interessen junger Unternehmer und gewerblicher Bestandshalter der Region vertrete. In der IHK Berlin und im VBKI Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. bin ich jeweils Mitglied der Arbeitskreise Immobilien sowie Ansprechpartner unseres Unternehmens bei der BerlinPartner GmbH, speziell im Business Location Center. Das ist die erste Adresse für Unternehmen, die sich in Berlin niederlassen wollen.

Wie ich das mit meinen Aufgaben als Niederlassungsleiter der TLG und privat vereinbare? Ich habe ein sehr gutes Team von Führungskräften um mich herum und eine sehr verständnisvolle Ehefrau.

Frage: Wie haben Sie in die Immobilienbranche gefunden?

Ich bin bereits familiär „belastet“. Schon meine Großeltern hatten als Geldanlage in klassische Zinshäuser investiert, für die mein Vater dann eine Hausverwaltung gründete. „Lern etwas Ordentliches“, hieß es daheim, und so absolvierte ich nach dem Abitur eine Bankenlehre sowie ein BWL-Studium an der Technischen Universität Berlin und in den USA. Danach eignete ich mir in der Hausverwaltung meines Vaters alles Wissenswertes rund um die Immobilie an, sozusagen das Rüstzeug, die Grundlage. Das kann ich auch heute nur jedem empfehlen, der sich für Immobilien interessiert. Mitte der 90er Jahre wechselte ich in die Projektentwicklung zur HANSEATICA, war seit 1999 in Führungsfunktionen im Verbund der IVG Immobilien AG – dort zum Schluss als Niederlassungsleiter Berlin tätig. Im Jahr 2006 wechselte ich dann zur TLG Immobilien GmbH.

Frage: Wie schätzen Sie die Perspektiven des Berliner Immobilienmarktes im Allgemeinen und speziell in Ihrem Tätigkeitsbereich ein?

Für mich gibt es keinen Grund, warum Berlin hinter anderen europäischen Metropolen zurück stehen sollte. Manche Euphorie der 90er Jahre war zwar überzogen, doch wir dürfen die konstanten Signale nicht übersehen und gering schätzen: Berlin als weltoffene Hauptstadt zieht sowohl verstärkt Touristen sowie deutsche und internationale Unternehmen an. Beispiele hierfür sind die Ansiedlungen von Universal Music, MTV Europe, Pfizer, der Nachrichtenagentur DPA, die Übersiedlung des Suhrkamp Verlags aus Frankfurt nach Berlin oder von weiteren Lobbyistenverbänden wie des Verbandes der Automobilindustrie. Die Beispiele haben sich in den letzten Jahren gemehrt und werden sich weiter mehren. Berlin ist das politische Zentrum und die größte Stadt Deutschlands. Noch attraktiver wird Berlin und die Region mit dem Großflughafen Berlin-Brandenburg International, der 2011 eröffnen wird. Die Stadt wird da weitere Punkte holen, insbesondere wo es ausgesprochene Standortstärken gibt wie mit der Wissenschaftsstadt Adlershof und als eine kreative Weltstadt. Das ist ihr USP. Dazu leistet auch die TLG Immobilien ihren Beitrag wie mit der Kulturbrauerei im Szenebezirk Prenzlauer Berg, der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in der Schönhauser Allee. Dort zählen wir eine Million Besucher im Jahr bei über 2.500 Veranstaltungen. Wir sind dort Gastgeber u. a. für die Musikmess Popkomm. Der Erfolg mit dieser Spezialimmobilie fällt uns nicht in den Schoß, sie ist beleibe kein Selbstläufer. Die 42.000 Quadratmeter und ihre Mieter werden durch unser Center -Management gehegt und gepflegt. Der Erfolg spricht für sich, ebenso wie der des Cubix-Kinos am Alexanderplatz, welches im Jahr 2009 erstmals Gastgeber für die Berliner Filmfestspiele war.

Die Entwicklung Berlins braucht Zeit, auch die Stadt selbst muss sich die Zeit nehmen. Nur so konnten in der Vergangenheit so große Projekte wie der Potsdamer Platz oder die Friedrichstraße entwickelt, gebaut und vom Markt absorbiert werden. Das Wort Zeit – es muss angesichts der großen Projekte wie z.B. die Umsetzung des Masterplans von Kollhoff am Alexanderplatz oder der Pläne für den Humboldt-Hafen, das Lehrter Stadtquartier – anders definiert werden.

Frage: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Wir werden das Portfolio der TLG Immobilien um interessante Immobilien erweitert haben und werden auch künftig daran arbeiten, eines der führenden Unternehmen der Branche zu sein. Dazu möchten mein Team und ich meinen Beitrag leisten.

Frage: Was ist Ihr größter Traum?

Es wäre schön, die Stadt mit allen Beteiligten in den nächsten Jahren noch ein Stück weiter voranbringen zu können. Berlin hat schon andere Zeiten hinter sich gelassen. Die Stadt ist stark, sie ist jung und vor allem: sie ist tolerant und bietet viele Alternativen. Berlin verdient es, ein „Place to be“ im und für den Osten zu sein, gemäß dem TLG-Slogan „Stark im Osten“.

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